Kultur

Alternative Inszenierung von Goethes Faust an der Volxbühne

Frank Witzel spielt bei der Volxbühne den Faust. Andreas Beutner (im Hintergrund) ist sein Widerpart. Das zweite Paar ist weiblich und besteht aus Angela Pott und Helga Tillmann. Adelheid Borgmann spielt das Gretchen.

Frank Witzel spielt bei der Volxbühne den Faust. Andreas Beutner (im Hintergrund) ist sein Widerpart. Das zweite Paar ist weiblich und besteht aus Angela Pott und Helga Tillmann. Adelheid Borgmann spielt das Gretchen.

Foto: Jörg Fürst

Mülheim.   Der Regisseur Jörg Fürst inszeniert an der Volxbühne Faust. Die Besetzung der Inszenierung ist ungewöhnlich und hält eine Überraschung bereit.

Jörg Fürst, der die Volxbühne am Theater an der Ruhr inzwischen im sechsten Jahr leitet, ist mehr als zufrieden: Mit der Premiere von Goethes Faust am morgigen Donnerstag, ist die achte Veranstaltung in Folge ausverkauft. „Das ist der Quantensprung, auf den ich so lange gewartet habe“, sagt der Kölner Regisseur. Rund 2000 Besucher seien bereits in dieser Spielzeit gekommen.

Auch der Film über Gerhard Richter und Becketts „Letztes Band“, an dem Fürst trotz langer Durststrecke unbeirrt festhielt, laufe endlich gut. Das Musiktheaterstück „Fremd 4.0“, in dem Migranten den Deutschen den Spiegel vorhalten lief in Mülheim und Köln ausgesprochen gut und lockte auch ein neues Publikum zur Bürgerbühne an der Adolfstraße 89 a.

Hohe schauspielerische Qualität

Auch die hohe schauspielerische Qualität seines Ensembles begeistert ihn. Bei den neun Schauspielern im Alter von 52 bis 82 Jahren merke man so gut wie nie, dass es sich um Laien handele. „Faust ist eigentlich eine Nummer zu groß für eine Bürgerbühne wie uns“, findet der 50-jährige Theatermacher. Aber es läuft gut und schon zum Start mit Jelineks „Winterreise“ lag die Messlatte sehr hoch.

Fürst sieht die Beschäftigung mit Faust im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung mit Heimat und dem Fremden. „Dieser urdeutsche Stoff hat die Sprache deutlich geprägt“, stellt er fest. Aus vielen Zitaten sind im Alltag Redensarten geworden. Schon im Prolog heißt es: „Der Worte sind genug gewechselt, Lasst mich nun endlich Taten sehn“ und „Es irrt der Mensch, solang er strebt. Und in der Studierstube heißt es neben dem wohl berühmtesten Seufzer der Literaturgeschichte „Die Botschaft höre ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“

Schnelldurchlauf für einige Textpassagen

Bei so viel Bekanntheit müssen Regisseure sich etwas einfallen lassen, um nicht zu langweilen. Fürst beschränkt sich in der Themenfülle auf den Kern, die Gelehrten- und die Gretchentragödie. Er will mit seiner Fassung die 90 Minuten unterschreiten. Die Begrenzung ist wichtig, um sich nicht zu verzetteln. Den geflügelten Worten will er nicht aus dem Weg gehen, einzelne Textpassagen aber mit einem großen Tempo, quasi im Schnelldurchlauf, vortragen lassen.

Auf Eingriffe in den gestrafften Text will er verzichten, ihn nur an einer Stelle verschärfen. Die Gretchenfrage „Wie hast du’s mit der Religion? “ ersetzt er durch ein mehrmals wiederholtes „Glaubst du an Gott?“ Außerdem sind Faust und Mephisto, die fast eine homoerotische Beziehung haben, doppelt besetzt. Zunächst stehen Frank Witzel und Andreas Beutner auf der Bühne, mit Angela Pott und Helga Tillmann folgt eine weibliche Paarung. Für eine spannende Verfremdung hält es Fürst, das Gretchen mit der 82-jährigen Adelheid Borgmann zu besetzen.

Typische Zutaten: Chorisches Sprechen, Musik, Video

Für Fürst sind die Personen alles unterschiedliche Facetten einer Persönlichkeit, lösen sich die Identitäten langsam auf. Auf seinem Egotrip nimmt Faust erhebliche Kollateralschäden in Kauf. So richtet er nicht nur sich selbst, sondern auch Gretchen und deren Bruder Valentin zugrunde.

Bei aller Textreue arbeitet Fürst auch hier mit den für ihn typischen Zutaten, dem chorischen Sprechen, Musik und Video. Das Visuelle wird in der kurzen Sequenz in Auerbachs Keller besonders deutliche. Zu Techno-Beats projiziert Valerij Lisac einen wilden Bilderrausch auf Fausts Körper.

Termine und Workshops

Die Premiere am 16. Mai ist bereits ausverkauft. Weitere Termine im Schauspielstudio an der Adolfstraße 89a: Samstag, 18. und Freitag, 31. Mai sowie Samstag,1. Juni jeweils um 19.30 Uhr sowie an den Sonntagen 19. Mai und 2. Juni um 16 Uhr (mit anschließendem Publikumsgespräch). Karten: 12 Euro (erm. 8).

Gut gefragt sind auch die Workshops an den Mittwochnachmittagen. Sie sind das Sprungbrett ins Ensemble. Hier engagieren sich auch deutlich jüngere Teilnehmer, denen aber meist die Zeit fehlt, sich in einer mehrwöchigen intensiven Probearbeit in ein Stück zu versenken. Weitere Infos: www.volxbühne.de

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