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Auch Sina Breitenbruch-Tiedtke kandidiert für SPD-Vorsitz

Sina Breitenbruch-Tiedtke will SPD-Chefin in Mülheim werden. Sie ist die zweite Bewerberin nach Rodion Bakum.

Sina Breitenbruch-Tiedtke will SPD-Chefin in Mülheim werden. Sie ist die zweite Bewerberin nach Rodion Bakum.

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Bis Montagabend haben Mülheims SPD-Mitglieder Zeit, ihre Kandidatur für den Parteivorsitz anzumelden. Bislang haben dies zwei Genossen getan.

Rodion Bakum (28) bekommt es bei seiner Kandidatur für den Parteivorsitz in Mülheims tief zerstrittener SPD mit einer Gegenkandidatin zu tun: Sina Breitenbruch-Tiedtke (35) hat ihre Ambitionen auf den heißen Stuhl in der Mülheimer Parteizentrale im Gespräch mit dieser Zeitung nun ebenfalls untermauert.

Sozialpolitiker Bakum, im eskalierten Streit um den Umgang der Partei mit OB Ulrich Scholten im Lager um den weiter kommissarisch wirkenden Parteichef Cem Aydemir zu verorten, hatte seine Kandidatur bereits Ende Juni öffentlich gemacht. Sina Breitenbruch-Tiedtke hat ihre Bewerbung nach eigenen Worten in der vergangenen Woche im Parteivorstand verkündet.

Größte Förderin war Ex-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft

Die Saarnerin war zuletzt als aussichtslose heimische SPD-Kandidatin bei der Europawahl angetreten. Als ihre größte Förderin gilt Ex-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Für sie wirkte die studierte Diplom-Sozialwissenschaftlerin einst als Referatsleiterin in deren Düsseldorfer Stab. Breitenbruch-Tiedtke arbeitet als Beamtin für das Land NRW, nach einem Jahr Elternzeit ist sie seit März zurück als Leiterin des Referates „Europafähigkeit“ im Europa-Ministerium.

Insbesondere ihre über die Jahre erworbene Führungskompetenz sieht die Saarnerin als Befähigung, Mülheims SPD aus der schweren Krise herauszuführen. „Ich bin überzeugt, dass ich die Partei führen und verändern kann. Ich habe einen enormen Gestaltungswillen“, sagt sie.

Aufarbeitung des Streits um die OB-Affäre soll ausbleiben

Angesprochen auf den parteiinternen Zwist um die OB-Affäre, betont sie, eine unabhängige Kandidatin sein zu wollen. Eine, die nur nach vorne schauen wolle. Eine Aufarbeitung des ausgeuferten Streits in der Partei hält sie nicht mehr für zweckmäßig. Es gehe allein darum, die Partei inhaltlich, personell und organisatorisch für die schwierige Kommunalwahl 2020 in die Spur zu bringen, wieder kampagnenfähig zu werden.

Sie als Kandidatin wolle „nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen“. Aber wie will sie die Versöhnung der Partei herbeiführen, was selbst ihrer Förderin Hannelore Kraft dem Vernehmen nach bei Gesprächen mit Vertretern beider Lager auf ihrer Terrasse nicht gelungen ist? Ausführlich mag Breitenbruch-Tiedtke darauf nicht eingehen, reklamiert aber für sich, in der Auseinandersetzung nie „in den Speerspitzenlagern unterwegs gewesen“, somit unverbraucht zu sein. „Ich habe mir nie die Finger verbrannt.“

Familienpolitik als ein wesentlicher Schwerpunkt

Sie habe durchaus Respekt vor der Aufgabe, die Partei wieder auf Vordermann zu bringen, deswegen habe sie sich auch Zeit gelassen, ihre Kandidatur zu verkünden, so Breitenbruch-Tiedtke. Im Wettbewerb mit mindestens Rodion Bakum um das Spitzenamt will sie dort anknüpfen, wo sie im EU-Wahlkampf aufgehört hat: Sie will das direkte Gespräch mit der Stadtgesellschaft suchen, etwa bei Terminen auf Spielplätzen.

Das kommt nicht von ungefähr. Breitenbruch-Tiedtke nennt neben ihrem EU-Schwerpunkt die Familienpolitik als ein Feld, auf dem sie die SPD auch in Mülheim stärker spielen sehen will. Die Kitaplatz-Vergabe sei zu hinterfragen, eine familienfreundliche Infrastruktur etwa mit Kita-Cafés oder Familienparkplätzen in der Stadt sei wünschenswert. Auch in der SPD selbst sei organisatorisch was zu tun, um Familien direkter in die Parteipolitik einzubinden. Insgesamt, stellt die Kandidatin klar, seien Menschen immer noch offen für Themen, die die SPD anbiete. Es gelte, neues Vertrauen einzusammeln.

„Die Partei hat jetzt diese eine Chance“

Für die SPD gelte es, wieder näher an die Menschen heranzurücken, die man verloren habe. Es sei immer die Stärke der Sozialdemokratie gewesen, „die gesellschaftlichen Verhältnisse aufzunehmen und daraus unsere Politik zu machen“. Dafür sei es höchste Zeit. „Die Partei hat jetzt diese eine Chance“, will die Saarnerin Mülheims SPD noch vor der Kommunalwahl 2020 wieder stark machen.

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