Kinder-Stücke 2019

Autor Dirk Laucke präsentiert in Mülheim ein Stück zu Trauer

„Die größte Gemeinheit der Welt“ von Dirk Laucke ist im Rahmen der Kinder-Stücke zu sehen.

„Die größte Gemeinheit der Welt“ von Dirk Laucke ist im Rahmen der Kinder-Stücke zu sehen.

Foto: David Baltzer

Mülheim.   Der Autor schreibt diszipliniert wie „ein Werktätiger“. Sein Beitrag zu den Theatertagen spielt in zwei Welten, der realen und einer erträumten.

Dirk Laucke war schon dreimal für den Dramatikerpreis nominiert und hat nun sein erstes Kinderstück geschrieben (ab acht Jahre). Das Junge Schauspiel Düsseldorf zeigt es heute um 9 Uhr im Ringlokschuppen. Hier spricht der Autor über sich, sein Stück und das Kindertheater.

Worum geht es in „Die größte Gemeinheit der Welt“?

Um die neunjährige Tilla. Seitdem ihr Bruder bei einem Autounfall gestorben ist, tickt die ganze Familie nicht mehr richtig. Während Mutti sich in die Arbeit stürzt, macht Tillas Vater auf esoterisch. Noch dazu wird der kleinen Schwester Mimi die ganze Wahrheit noch nicht zugetraut. Tilla ist da anders. Mit ihren Nerd-Freunden träumt sie sich in eine Action-Welt, in der der Tod besiegt wird. Tilla ist das Gegenmodell zu einem lieben, traurigen Mädchen. Sie ist rotzig. Als ihre Schwester durch ihr Verschulden verschwindet, rutscht ihr das Herz in die Hose.

Es ist Ihr erstes Kinderstück. Unterscheidet sich das Schreiben für Kinder von dem für Erwachsene?

Ich muss genauso viele Seiten voll kriegen – insofern ist der Unterschied erst mal nicht besonders groß. In der „Größten Gemeinheit“ gibt es noch dazu jede Menge Figuren und eine zweite Geschichte auf der Superheldinnen-Ebene, die sich Tilla erträumt. Also ist das Stück sogar komplexer als so manches Erwachsenen-Stück. Ich muss aber deutlich sagen: Die Freude am Rumspinnen war bei dem Kinderstück etwas größer.

Worauf freuen Sie sich nun am meisten in Mülheim?

Auf die guten alten Bekannten und Freunde. Im Ringlokschuppen, wo „Die größte Gemeinheit“ aufgeführt wird, habe ich selbst schon bei einer Show mitgespielt. 2017/18 war ich Hausautor am Theater Oberhausen. Wieder in der Gegend zu sein, fühlt sich gut an.

Wo und wann schreiben Sie am besten?

Das Schreiben ist mein Beruf, ich kann es mir nicht leisten, dass ich warte, bis die besondere Nachtstunde anbricht oder der Barrista meinen Lieblingskaffee zapft. Ich arbeite wie ein Werktätiger, nur manchmal an Feiertagen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Kindertheaters?

Ich bin ja selbst Vater eines elfjährigen Sohnes und kann sehr gut verstehen, wenn Kinder keinen Bock haben, Märchen vorgespielt zu bekommen, wenn Kultur immer so brav und pädagogisch sein muss. Oder wenn man ihnen aus erzieherischen Gründen Stoffe noch nicht zutraut. Ich bin der Ansicht, dass gute Stoffe für Kinder wie Erwachsene funktionieren. Von daher wünsche ich mir da ruhig ein bisschen mehr Mut zu einer Sprache, die die Kids auch sprechen. Und natürlich: Geld! Das Kindertheater wird diese Kunst oft noch immer als Beiwerk behandelt. Die Leute, die Kinder- und Jugendtheater leisten, müssen wirklich Idealisten sein. Leben kann man davon schwer. Als Autor ginge das nicht. Diese Unterschiede abzustellen, wäre notwendig.

>>Dirk Laucke (geb. 1982) wuchs in Halle auf, studierte zuerst Psychologie, von 2004 bis 2008 Szenisches Schreiben in Berlin.

2004 wurde er von Tankred Dorst zu den Salzburger Festspielen eingeladen.2006/07 war er Stipendiat beim Autorenlabor am Düsseldorfer Schauspielhaus. Er arbeitet auch als Regisseur.

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