Wohnungswirtschaft

Baustart auf Mülheimer Lindgens-Areals frühestens in 2021

Komplett freigeräumt ist inzwischen das Areal der ehemaligen Lindgens-Lederfabrik. An der Düsseldorfer Straße/ Ecke Kassenberg möchten die MWB und die Sparkasse neue Wohnungen errichten. Der passende Bebauungsplan ist in Arbeit.

Komplett freigeräumt ist inzwischen das Areal der ehemaligen Lindgens-Lederfabrik. An der Düsseldorfer Straße/ Ecke Kassenberg möchten die MWB und die Sparkasse neue Wohnungen errichten. Der passende Bebauungsplan ist in Arbeit.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Mülheim.  Die Mülheimer Wohnungsbaugenossenschaft hat in 2018 mehr Gewinn erzielt als erwartet. Auch die Zahl der Mitglieder hat sich leicht erhöht.

Eine weiterhin stabile Dividende von vier Prozent erhalten die aktuell 9256 Mitglieder der Mülheimer Wohnungsbaugenossenschaft (MWB) für das abgelaufene Geschäftsjahr 2018. Das ist weit mehr, als die Banken an Zinsen ausschütten. Bei den Geldinstituten streben die Zinsen für Guthaben gegen Null. „Wir haben eine stabile wirtschaftliche Lage. Daher konnten wir mit unseren verschiedenen Aktivitäten ein gutes Ergebnis erzielen“, sagt Dominik Steffan, Finanzchef bei der MWB. So konnte die Genossenschaft in 2018 rund 700.000 Euro mehr Jahresüberschuss verbuchen als angestrebt waren. Der Aufsichtsrat hat den Mitarbeitern einen tollen Einsatz attestiert und dem Vorstand Entlastung erteilt.

Leerstandsquote ist auf 1,64 Prozent gesunken

„Die MWB hat in 2018 einen Jahresüberschuss von 1,953 Millionen Euro erwirtschaftet. Angepeilt waren 1.255.000 Euro“, erläuterte Dominik Steffan, der auch stellvertretendes Vorstandsmitglied bei der MWB ist. Hatte die Leerstandsquote für Wohnraum in 2017 noch 1,83 Prozent betragen, so sei diese in 2018 auf nur noch 1,64 Prozent gesunken.

Steffan betonte: Von diesen 1,64 Prozent machten etwa 0,9 Prozent den modernisierungsbedingten, also notwendigen Leerstand aus. Das seien die Häuser, die wegen Bestandspflege oder Sanierung gerade nicht bewohnbar seien. Gleich mehrere solcher Projekte habe die MWB im vergangenen Jahr durchgeführt oder begonnen.

Durchschnittsmiete betrug 5,59 Euro pro Quadratmeter

„Für Mietwohnungen betrug die durchschnittliche Sollmiete der Wohnungsbaugenossenschaft 5,59 Euro je Monat und pro Quadratmeter Wohnfläche. Damit ist sie im Vergleich zu 2017 um etwa ein Prozent angestiegen“, erklärt Dominik Steffan. In die Modernisierung ihrer Wohnungen hat die MWB 9,21 Millionen Euro investiert, also 27,64 Euro je Quadratmeter Wohnfläche.

Auch in den kommenden Jahren sollen die Bestände mit vergleichbaren Investitionen modernisiert und aufgewertet werden. Weiterhin will der Vorstand besonders darauf achten, „dass die Wohnkosten für MWB-Mieter nicht unverhältnismäßig steigen“, fügt Vorstandsvorsitzender Frank Esser hinzu.

Zwei Seniorenheime für Oberhausen gebaut

Mehr als 2.300 Wohnungen anderer Eigentümer werden inzwischen von der MWB-Immobilienverwaltung betreut. Auch hier rechnet Dominik Steffan mit weiterem Wachstum. Gleichzeitig ist die MWB auch in anderen Städten aktiv. Für das Deutsche Rote Kreuz hat in Oberhausen die Genossenschaft eine Seniorenresidenz an der Grenzstraße gebaut. Ein zweites Objekt für betreutes Seniorenwohnen baut die Genossenschaft gerade an der Wernerstraße.

Dass eine Wohnungsbaugenossenschaft auch Projekte für institutionelle Auftraggeber wie das DRK verwirklicht, sei ungewöhnlich, liege aber im Trend. „Wir haben in den vergangenen Jahren mit unseren eigenen Neubauten Erfahrungen gesammelt, die wir auch bei anderen Projekten einsetzen können“, erläutert Jürgen Steinmetz, Architekt und Vorstandsmitglied bei der MWB.

Fachabteilung mit Kompetenzen aufgebaut

„Wir haben eine Fachabteilung mit Ingenieuren und Architekten aufgebaut.“ Sie habe in den vergangenen Jahren oft bewiesen, dass sie parallel zum Wohnungsneubau auch Spezialimmobilien errichten könne. Neue Mietwohnungen will die MWB in den kommenden Jahren ebenfalls in Mülheims Nachbarstadt bauen. „In Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren können wir uns das gut vorstellen“, sagt Dominik Steffan. Welche Partner das sein könnten, würde gerade ausgelotet.

Das Gelände der ehemaligen Lederfabrik Lindgens ist inzwischen geräumt. „Wir haben die Altbestände beseitigt, um Vandalismus vorzubeugen“, sagt Jürgen Steinmetz. Erhalten bleiben die denkmalgeschützten Bauteile. Dazu gehöre auch der große Kamin, von dem niemand so genau wisse, wie haltbar der wirklich sei.

Lindgens-Areal von alten Bauten geräumt

Mit einem Baubeginn rechnet der MWB-Vorstand allerdings frühestens in eineinhalb Jahren. So lange werde das Bebauungsplanverfahren mit allen dazugehörigen Prüfungen wohl dauern. Politiker fürchten vor allem eine starke Belastung von Düsseldorfer Straße und Kassenberg, die „jetzt schon an ihrer Belastungsgrenze sind“, argumentieren Grüne und SPD.

Ohne Zuschüsse wir es für Sozialwohnungen schwierig

„Wenn es sich rechnet, werden wir dort auch Sozialwohnungen bauen“, sagt Frank Esser. Aber es müsse wirtschaftlich sein. Ohne Zuschüsse für den Wohnungsbau sei das nicht mehr zu haben. Die SPD hat sich dafür eingesetzt, auf dem Lindgensareal auch einen Teil als Sozialwohnungen zu bauen.

Insgesamt sieht sich die MWB auf einem guten Weg. Dazu haben die Ausweitung der Aufgaben auf neue Geschäftsfelder beigetragen. Auch die Genossenschaft spürte in 2018 bei ihren Investitionen, dass die Baupreise um knapp 5 Prozent über denen aus 2017 lagen. Ein Ende dieses Preisanstieg sei nicht in Sicht.

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