Bio-Schweinehaltung

Biometzger kämpft weiter für eine Freilandhaltung in Mülheim

Schweine artgerecht halten - das möchte ein Essener Biometzger gern in Mülheim-Raadt.

Schweine artgerecht halten - das möchte ein Essener Biometzger gern in Mülheim-Raadt.

Foto: Markus Hibbeler / FFS FUNKE Foto Services

Mülheim.  Essener Biometzger möchte in Mülheim-Raadt Freiland-Schweine aufziehen und braucht eine Genehmigung. Er klagt über Gegenwind aus der Verwaltung.

Der Essener Biometzger Bernd Burchhardt gibt nicht auf: Er möchte seine Freiland-Schweine in Raadt aufziehen – lokal und mit kurzen Wegen. Bisher kommen seine Tiere aus Goch und Velbert. Die beiden Flächen, die ein Mülheimer Landwirt an der Zeppelinstraße nutzt, wären aus seiner Sicht ideal. In der Mülheimer Politik findet er breite Zustimmung. Aus der Mülheimer Stadtverwaltung kommt allerdings weiterhin Gegenwind.

Auch, wenn die Idee grundsätzlich begrüßt wird, stünden rechtliche Gründe dagegen, so die Verwaltung. Die Mülheimer Grünen stehen voll hinter der Idee, sei doch im Gegensatz zu konventioneller Massenhaltung von Schweinen die „Haltung im Freiland eine anstrebenswerte ökologische Alternative“. Auch aus den anderen Fraktionen hört man Zustimmung. In der letzten Sitzung des Umweltausschusses baten die Grünen die Verwaltung um einen ausführlichen Sachstandsbericht, auch Metzger Bernd Burchhardt sprach im Gremium vor.

Biometzger möchte zwei Flächen in Mülheim-Raadt nutzen

Es geht um die rund zwei mal sechs Hektar in Raadt, wo Burchardt maximal 280 Schweine zeitgleich halten will. Das Problem: Die eine Fläche, die der Stadt gehört und an den Hauptfriedhof grenzt, hat als so genannte „Friedhofs-Vorratsfläche“ einen gültigen Bebauungsplan. Gleichzeitig sieht d

ie Stadtverwaltung etliche umweltrechtliche Probleme aus den Bereichen Boden-, Wasser- sowie Naturschutzrecht, die vor einer Genehmigung zunächst zu lösen seien – auch, wenn der Bebauungsplan theoretisch wieder geändert werden könnte.

So wird seitens der Stadt zum Beispiel befürchtet, dass Hinterlassenschaften der Schweine auf dem einen Grundstück, das Hangneigung hat, in den nahen Forstbach geschwemmt werden könnten. Auch eine Grundwassergefährdung sei nicht ausgeschlossen, so die Verwaltung, der der geplante Schweinebesatz ohnehin zu hoch erscheint. Auch aufgrund der hohen Erosionsgefährdung an dieser Stelle seien die Flächen nicht für die Schweinehaltung geeignet.

Konzept erstellt, um den Eintrag von Hinterlassenschaften klein zu halten

Biometzger Bernd Burchhardt hat das Thema in seinem Konzept bedacht, wie er sagt, fühlt das aber nicht ausreichend wahrgenommen. Freilandschweine brauchen einen Unterstand, um sich vor dem Wetter zu schützen. Erfahrungsgemäß, so Burchhardt, koten Schweine im Umkreis von fünf Metern rund um die Schutzhütte. „Wir ziehen die Hütten alle paar Tage weiter, um den Eintrag von Kot und Urin auf der Fläche zu verteilen“, erklärt er sein Konzept. Es gebe auch Kennzahlen, wie viel Dung auf einer Fläche zusammenkommen dürfe: „Da liegen wir weit darunter“, betont er. „Bei 280 Tieren verteilt auf zwölf Hektar passt das.“ Zudem seien Bepflanzungen geplant, die die Ausscheidungen der Tiere abbauen würden. Was das Thema Erosion angeht, ist Burchhardt auch bereit, die ausgesuchte Fläche zu verkleinern. „Darüber kann man doch sprechen“, sagt er. Von der Mülheimer Stadtverwaltung erwarte er nicht immer nur, dass man ihm sage, was alles eben nicht gehe.

Zumindest sind weitere Gespräche im Aussschuss zwischen den Parteien vereinbart worden, denn auch die Stadtverwaltung begrüßt das Vorhaben einer Bio-Freilandhaltung in Mülheim grundsätzlich. Umweltdezernent Peter Vermeulen bot daher an, dass sich alle Beteiligten noch einmal zusammensetzen, um möglicherweise auch über Alternativen in Mülheim nachzudenken, wo die Freilandhaltung problemlos möglich ist. „An dieser Stelle“, betonte Vermeulen, „ist es aber kritisch.“

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