Lesungen

Bücherherbst geht mit jüdischem Humor in die zweite Halbzeit

Der literarische Herbst geht in die zweite Halbzeit: Ursula Hilberath (li.) und Brigitta Lange haben ungewöhnliche Autoren in ihrer Buchhandlung an der Düsseldorfer Straße zu Gast.

Der literarische Herbst geht in die zweite Halbzeit: Ursula Hilberath (li.) und Brigitta Lange haben ungewöhnliche Autoren in ihrer Buchhandlung an der Düsseldorfer Straße zu Gast.

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Der jüdische Schriftsteller Thomas Meyer liest seinen neuesten irrwitzigen Roman vor. Matjes, Morde und ein mysteriöser Vaterschaftstest folgen.

Auf seinem Auto klebt der Hinweis: „Stadt Zürich – Amt für Ironie“. Auch wenn der Schweizer Amtsschimmel das „nöd luschtig“ findet. Seinen Humor vergleicht mancher mit dem Woody Allens – und das nicht nur, weil Thomas Meyer ein jüdischer Schriftsteller und übrigens Street-Art-Künstler ist. Sondern auch wegen seines abgedrehten, oft schwarzen Humors. Am Freitagabend schaut er mit seinem neuesten Streich in der Buchhandlung Hilberath und Lange vorbei.

Schwarzer Humor mit „jüdischen Weltverschwörern“ und „Neogermanen“

„Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin“ ist die Fortsetzung seiner ersten Geschichte über einen jungen orthodoxen Juden Mordechai Wolkenbruch. Damals flog „Motti“ wegen seiner Beziehung zu einer „Schickse“ aus der elterlichen Wohnung. Jetzt gerät der 25-Jährige in die Netze einer Gruppe orthodoxer Aussteiger, die sich „Jüdische Weltverschwörung“ nennen und die „Neogermanen“ bekämpfen.

Die radikalen Teutonen leben in einer bayerischen Felsenstadt und haben eine „Hassmaschine“ programmiert, deren Künstliche Intelligenz weltumspannendes Chaos stiftet. Noch im Bilde? Die Saarner Buchhändlerin und Veranstalterin Ursula Hilberath kann angesichts des temporeichen Irrsinns und der bewusst überspitzten judenfeindlichen Klischees aus der Feder des jüdischen Schriftstellers entwarnen: „Thomas Meyer übertreibt zwar aus Prinzip, ist aber durchgängig heiter. Es gibt sehr viel zu lachen, richtig herzhaft und vor allem erkenntnisreich.“

Literarischer Herbst geht mit Matjes und Mord in die zweite Halbzeit

Mit Meyer geht der literarische Herbst bei Hilberath und Lange in die zweite Halbzeit. Manche Lesung ist bereits ausverkauft, es gibt allerdings noch Restkarten für etliche Perlen im Oktober und November. Am Freitag, 25. Oktober, wird’s kriminell: „Mörder mögen keine Matjes“, stellt Krischan Koch fest. Und serviert in der Buchhandlung neben Häppchen, offenbar um kriminelles Volk fern zu halten, einen waschechten Hamburg-Krimi: Polizeiobermeister Thies Detlefsen muss sich um eine Leiche kümmern, die am Fredenbüller Strand zwischen Labskaus und Salzwiesenlamm angeschwemmt wird.

Die kann doch nur aus Hamburg kommen. Also macht sich der nordfriesische Dorfpolizist auf in die große Hansestadt. Na denn man tau. Die Lesung startet um 19.30 Uhr in der Buchhandlung an der Düsseldorfer Straße 111, Karten: 12 Euro.

Geheimnisvolle Kunstschätze und Vaterschaftstest geben Rätsel auf

Um Kunstschätze, die im Zweiten Weltkrieg überraschend aufgetaucht sind und drei Detektiven einer Münchner Kunstdetektei Rätsel aufgeben, geht’s in Bernhard Jaumanns „Der Turm der blauen Pferde“. Zu den möglichen Kunstfälschungen gesellen sich noch mysteriöse Todesfälle. Wie das wohl ausgeht, verrät der Autor am Mittwoch, 30. Oktober, ab 19.30 Uhr in der Buchhandlung. Eintritt: 12 Euro.

Für Verwirrungen sorgt ebenso der „Vaterschaftstest“ von Markus Behr. Vor allem, weil der vermeintliche Vater Fabian Weinert, quasi noch Jungfrau ist. Wie das zu den Zwillingen Ronja und Leonie führen konnte, die überraschend vor der Tür des Mittdreißigers auftauchen, klärt der Essener Schriftsteller und Kabarettist Behr zum „AutorInnen-Samstag“ am 2. November von 10.30 bis 13.30 Uhr auf. Eintritt frei.

Wie verabschieden wir uns vom Ort unserer Kindheit, unserer Heimat? Aus einer alltäglichen Situation ergeben sich für die Autorin und Chefredakteurin des christlichen Magazins „Chrismon“, Ursula Ott, philosophische Fragen: Die alten Eltern müssen ihre Wohnung auflösen, sie ist zu groß geworden. Es steht ein Neuanfang an, aber was ist mit der eigenen Vergangenheit und ihren Erinnerungen? Aus „Das Haus meiner Eltern hat viele Räume“ liest Ursula Ott am Dienstag, 19. November, ab 19.30 Uhr. Karten: 12 Euro. Infos und Karten zu allen Veranstaltungen: 46 15 75.

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