Alte Bilder neu entdeckt (111)

Die Idylle an der Mülheimer Fischenbeck ist längst vergangen

Ein befestigter Feldweg war die Fischenbeck um 1910.

Ein befestigter Feldweg war die Fischenbeck um 1910.

Foto: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Drei Mädchen mit Kleidern aus der Kaiserzeit laufen die Mülheimer Fischenbeck zum Rumbachtal runter. Einige Leser haben die Kartenszene erkannt.

Manchmal ist es etwas schwieriger, die Motive auf alten Postkarten zuzuordnen. Die Bilder sind teilweise vor mehr als 50 oder 80 Jahren entstanden. Oft ist davon heute nichts mehr wiederzuerkennen. Eine breitere Straße, viele neue Häuser an ihrem Rand, schon ist die Vergangenheit ausgelöscht. Es bleiben wirklich nur noch Erinnerungen in Familienalben oder kleine Anhaltspunkt in der Bebauung.

Genau so verhält es sich beim gesuchten Motiv. Doch auf einige Mülheimer ist stets Verlass, sie kennen ihre Stadt und deren Vergangenheit. Darum haben sie auch die Fischenbeck in Holthausen erkannt. Dieser steile Weg – heute eine enge zweispurige Straße – war und ist eine wichtige Verbindung zwischen Rumbachtal und Heißen. Ihre regelmäßige Busverbindung hat sie bereits verloren.

An der Topographie die Fischenbeck erkannt

„Natürlich laufen die Kinder im Rumbachtal – auf der Wetzmühlenstraße. Leider wurden die schönen alten Häuser und Obstbäume abgerissen. Denke gerne daran“, schreibt Hans-Dieter Strunck. Damit liegt er nicht ganz richtig. Die Wetzmühlenstraße liegt heute oberhalb des Rumbachtals. Die Bushaltestelle nahe der Einmündung Kattowitzer Straße heißt „Wetzmühle“. Die Walkmühlenstraße führt ins Rumbachtal, wie der Stadtplan zeigt.

„Das sieht von der Topographie sehr nach der Fischenbeck aus. Schätze das Jahr etwa 1930-35“, schickt Ulrich Turck seinen kurzen Hinweis. Damit liegt er richtig. „Partie aus der Fischenbeck“ steht auf der Postkarte. Diesen Hinweis haben wir natürlich ausgeblendet. Sonst wäre die Sache zu einfach gewesen.

Das Foto der Mülheimer Postkarte stammt aus dem Jahr 1910

„Heute ist die Fischenbeck eine Wohnstraße mit Bungalows und Terrassenhäusern an den Hängen. Vor etwa 15 bis 20 Jahren war es hier so ruhig wie auf unserer Karte von 1910“, heißt es im Erklärtext des Ansichtskartenbuchs von Mülheim. Es stammt aus dem Jahr 1977. Folglich war die Fischenbeck bis Ende der 1950er Jahre so ruhig wie es die Postkartenidylle dokumentiert.

„Die auf dem Bild zu sehenden drei Kinder laufen – in der Kleidung des Kaiserreichs – fröhlich über die Fischenbeck in Holthausen. Sie sind in Richtung der Straße Rumbachtal unterwegs“, schreibt Hans-Georg Hötger. Die Aufnahme dürfte circa 100 Jahre alt sein – unter anderem auch deswegen, weil die Fischenbeck damals noch nicht so zugebaut war wie heute. Man sieht es an den Fachwerkhäusern.

Damals nur ein befestigter Feldweg

Dort floss die Fischenbeck (ein Bach) unterhalb der Lage Fischenberg, auf den Rumbach zu. „Auch sieht man, dass die Straße damals ein nur ein befestigter Feldweg war und wahrscheinlich noch nicht, wie heute, an das städtische Kanalnetz angeschlossen war“, führt Hötger weiter aus.

Die Bezeichnung Fischenbeck für den ehemaligen Feldweg und die heutige Straße ist bereits sehr alt. „Befestigter Weg an der Fischenbeck in Holthausen“, registriert das Straßenverzeichnis bereits ab 1878. Fischenbeck heißt die Verbindung aus dem Tal auf die Heißener Höhe seit 1903.

Ein Bachlauf war der Namensgeber

„Dort floss die Fischenbeck unterhalb der Feldlage Fischenberg, wie in der Urkarte der Section C / Bruch von 1821 zu erkennen ist“, hat Wolfgang Meißner, ehemaliger Leiter des Katasteramtes, in seinem Buch über Mülheimer Straßennamen festgehalten. „Die Anlieger-Grundstücke hatten dann auch die Lagebezeichnung in der Fischenbeck.“ Mehr Erhellendes hat Meißner nicht aufgeschrieben.

Bis heute hat die Fischenbeck ihr Erscheinungsbild völlig völlig verändert. Schmale Grundstückszufahrten, lange Treppen auf die Höhen sowie Neubauten prägen inzwischen diese Holthauser Straßenansicht.

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