Lkw-Brand A40

Fahrer des A40-Unglückslasters war „erheblich alkoholisiert“

Durch den Tanklaster-Brand ist die A40 in Mülheim-Styrum zur riesigen Baustelle geworden. Der Abriss der zerstörten Eisenbahnbrücke hat begonnen.

Durch den Tanklaster-Brand ist die A40 in Mülheim-Styrum zur riesigen Baustelle geworden. Der Abriss der zerstörten Eisenbahnbrücke hat begonnen.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Nach dem Tanklaster-Brand auf der A40 liegt das Gutachten vor, das die Fahrtauglichkeit des Fahrers bewertet. Sanierung der A40 bis Sonntagabend.

Der 41 Jahre alte Fahrer des vor zwei Wochen auf der A40 in Flammen aufgegangenen Tanklasters soll zum Unfallzeitpunkt „ganz erheblich alkoholisiert“ gewesen sein. Dies habe ein Gutachten ergeben, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Duisburg am Donnerstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Gegen den Mann werde wegen Gefährdung des Straßenverkehrs und fahrlässiger Körperverletzung ermittelt. Dass der Lkw-Fahrer „alkoholisiert“ war, hatte die Polizei bereits am Tag des Unfalls ohne nähere Angaben mitgeteilt.

A40 soll am 4. Oktober wieder für den Verkehr freigegeben werden

Die Ermittlungen in dem Fall dauerten an. „Die Unfallursache ist Gegenstand der Ermittlungen und noch nicht abschließend geklärt.“Weitere Zeugen sollen vernommen werden. Auch dem Beschuldigten solle rechtliches Gehör gewährt werden. „Er ist noch nicht förmlich vernommen worden.“Gegenstand der laufenden Ermittlungen sei auch die Schadenshöhe. Der Schaden sei „ganz erheblich“. Nähere Angaben machte die Sprecherin dazu nicht.

Die seit dem Unfall gesperrte A40 soll am Sonntagabend nach aufwendigen Reparaturarbeiten wieder freigegeben werden. Im Bahnverkehr sind auf der Strecke von Essen nach Duisburg weiterhin keine Zugfahrten möglich. In der Gegenrichtung fahren aber wieder Züge.

So haben wir bisher berichtet:

Die Zerstörungen, die der brennende Tanklaster auf der A40 angerichtet hat, müssen mit immensem Arbeitsaufwand beseitigt werden. Seit dem frühen Montagmorgen läuft der Abriss der Eisenbahnbrücke in Styrum. Es kracht, es staubt, auf der Fahrbahn türmen sich Betontrümmer. Kontrolliertes Chaos.

Die Deutsche Bahn AG, die hier federführend ist, will keine Zeit verlieren. Vorbereitet wurde der Abbruch schon am Wochenende, berichtet Bahn-Sprecherin Kirsten Verbeek. Die Schienen wurden getrennt, Oberleitungen abgenommen, schweres Gerät ist angerückt. Vier große Bagger sind im Einsatz und bis zu 50 menschliche Arbeitskräfte. „Wir gehen davon aus, dass der Überbau am Dienstag nicht mehr steht“, sagt die Sprecherin.

Vier große Bagger im Einsatz – Brücke soll am Dienstag nicht mehr stehen

Doch damit ist der Abriss noch längst nicht vollendet. Unter anderem verläuft genau über dieser Brücke ein wichtiges Kabel, das verlegt werden muss. Fünf Bahnbrücken queren in diesem Bereich die Autobahn. Das mittlere Bauwerk, das im direkten Hitzeherd des Feuers lag, war offenkundig nicht zu retten und muss jetzt erneuert werden. Zunächst rückt ein Provisorium an diese Stelle.

„Sorgen machen uns die anderen Brücken“, erklärt Kirsten Verbeek. „Wir müssen jetzt prüfen, ob und welche Schäden die Hitze dort angerichtet hat.“ Erst danach könne die Strecke wieder freigegeben werden. „Es ist eine große Herausforderung, das alles innerhalb der anvisierten zwei Wochen zu schaffen.“

Fahrer war laut Gutachten erheblich betrunken

Schnell wurde nach dem Horror-Unfall bekannt, dass der Fahrer des Tanklasters betrunken war, und zwar erheblich. „Er war deutlich alkoholisiert“, bestätigte ein Sprecher der zuständigen Düsseldorfer Polizei am Montag noch einmal. Die genauen Ergebnisse der Blutprobe sollen spätestens am Dienstag vorliegen.

Der 41-jährige Lkw-Fahrer wohnt in Essen, die Spedition, für die er unterwegs war, hat ihren Sitz im hessischen Raum. Der Fahrer wurde bei dem Crash schwer verletzt, konnte aber mittlerweile das Krankenhaus verlassen. Gleiches gilt für einen 60-jährigen Pkw-Fahrer, der bei dem Unfall ebenfalls schwere Verletzungen erlitten hat. Auch er konnte nach Auskunft der Polizei wieder nach Hause.

Der Lkw-Fahrer wird jetzt eine Vorladung zur polizeilichen Vernehmung bekommen. „Als Beschuldigter kann er die Aussage allerdings auch verweigern“, stellt der Düsseldorfer Polizeisprecher klar.

Völlig offen ist momentan noch, welche Kosten diese Trunkenheitsfahrt insgesamt nach sich zieht, und wer letztlich dafür aufkommt. „Die meisten Kosten entstehen bei der Bahn“, erklärt eine Sprecherin des Landesbetriebs Straßen.NRW. „Unser Anteil an den Reparaturmaßnahmen wird vergleichsweise gering ausfallen.“ Die Deutsche Bahn möchte sich zu den finanziellen Folgen des Desasters und möglichen Haftungsfragen noch nicht äußern.

Feuerwehr-Sprecher: „Das war ein Hammer-Einsatz“

Auch die Lösch- und Rettungsarbeiten waren extrem aufwändig, nachdem rund 35.000 Liter Treibstoff mit haushohen Flammen explodiert sind. „Das war schon ein Hammer-Einsatz“, sagt Thorsten Drewes, Sprecher der Feuerwehr Mülheim, froh darüber, dass wenigstens niemand zu Tode gekommen ist. Man werde über den Einsatz eine Rechnung ausstellen, „sie geht an den Verursacher“, so Drewes.

Derweil versuchen sich Pendler aus Mülheim und Umgebung an ihrem persönlichen Plan B. Wer mit dem Auto auf dieser Strecke unterwegs ist, muss jetzt lange Umwege einplanen. Jörg Burr beispielsweise, der in Oberhausen-Alstaden wohnt, fährt täglich über die A40 zu seiner Arbeitsstelle in Duisburg. Der Hinweg hat am Montagmorgen reibungslos funktioniert, denn die Auffahrt an der Friesenstraße ist weiterhin geöffnet. In Gegenrichtung ist dies nicht der Fall - „zurück muss ich über Uhlenhorst fahren“, so Burr, „das dauert bestimmt eine halbe Stunde länger“.

Pendler ärgern sich über großräumige Sperrung ab Kaiserberg

Er versteht nicht, warum die Umleitung so großräumig eingerichtet wurde, warum die A40 in Richtung Essen schon vor der Anschlussstelle Kaiserberg gesperrt ist. Auch das Gewerbegebiet im Mülheimer Hafen sei nur noch sehr umständlich zu erreichen, meint Jörg Burr, und spottet: „Das hat sich ein ganz Schlauer überlegt.“

Die Kritik wird von anderen Pendlern geteilt und richtet sich letztlich an Straßen.NRW. Dort erklärt eine Sprecherin: „Wir wollten vermeiden, dass der nicht ortskundige Verkehr über die A40 auf die Abfahrt Alstaden zuläuft. Denn dann hätten wir dort ein Riesenproblem. Bei den Sperrungen und Umleitungen wird aber noch nachjustiert“, verspricht sie. Man will sich erst anschauen, wie es in der Praxis funktioniert.

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