Oppspring

Mülheimer Händler feiern ein Freudenfest nach harter Bauzeit

Die Bauarbeiten am Oppspring sind vorbei – die Händler José Antonio Pereira, Silvia Krahn und Klaus Buers (r.) sind erleichtert. Am 29. Juni laden sie und andere Geschäftsleute ihre Kunden zu einem Dankeschön-Fest ein.

Die Bauarbeiten am Oppspring sind vorbei – die Händler José Antonio Pereira, Silvia Krahn und Klaus Buers (r.) sind erleichtert. Am 29. Juni laden sie und andere Geschäftsleute ihre Kunden zu einem Dankeschön-Fest ein.

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Bis zu 70 Prozent Umsatzminus vermeldeten die Händer am Oppspring. Grund war die monatelange Baustelle. Damit ist nun Schluss - es wird gefeiert.

Umsatzeinbußen von bis zu 70 Prozent hatten die Händler am Oppspring während der Bauarbeiten vor ihrer Tür. Sprechen sie über das vergangene Jahr, fallen Vokabeln wie „schlimm“, „katastrophal“, „durchgekämpft“. Zum Glück finden jetzt auch wieder Kunden, die die Zeppelinstraße länger gemieden haben, den Weg nach Holthausen. Silvia Krahn (52) vom gleichnamigen Raumausstatter vergleicht die Situation mit einer Geburt: „Wenn’s vorbei ist, sind die Schmerzen irgendwann vergessen.“ Als Zeichen des Neuanfangs laden die Geschäftsleute am Samstag, 29. Juni, von 10 bis 14 Uhr zu einem Dankeschön-Fest vor dem Gemüseladen Buers ein.

Mit dabei ist Yunus Baluch (52), der eine Änderungsschneiderei betreibt. Er musste „ein Drittel weniger Kunden“ verkraften. „An manchen Tagen war ich verzweifelt, habe gedacht: Wenn das noch länger dauert, überlebst du das nicht.“ Elke Schütte, Geschäftsführerin des Blumengeschäfts „Magic Flowers“ mit der Postfiliale, hat die Durststrecke bewältigt, weil sie zwei weitere Geschäfte führt und ihre private Kasse geschröpft hat. „Ich habe über 70 Prozent weniger eingenommen“, so die 52-Jährige. Teilweise habe der Paketbote seine schwere Fracht bis zum Werdener Weg schleppen müssen oder mitten durch die Baugrube bis auf die andere Straßenseite. „Das war oft lebensgefährlich.“ Leidtragende waren nach Schüttes Beobachtungen auch ältere Anwohner. „Die konnten wochenlang nicht vor die Tür. Man hat ihnen Lebensqualität gestohlen.“

Bauarbeiter haben Rücksicht genommen

Gemüsehändler Klaus Buers (61) litt vor allem in der letzten Bauphase, als die nahe Kreuzung schrittweise erneuert wurde. Der Stau war oft lang; „da haben die Leute ihre Gurke lieber in Saarn gekauft“. Mit einem Minus von 30 bis 35 Prozent schlug das zu Buche. Einziger Trost: „So weit es ging, haben die Bauarbeiter auf uns Rücksicht genommen.“ Als „laut und staubig“ hat Buers’ Nachbar, José Antonio Pereira, die Zeit wahrgenommen. Man habe sicherlich weniger verdient, doch sei das in seinem Fall nicht so schlimm gewesen. Erst im Sommer 2018 nämlich hatte der 57-Jährige sein Geschäft mit portugiesischen Spezialitäten samt Catering eröffnet – „so konnten wir uns langsam einfinden“. Für das Team der Oppspring-Apotheke bedeutete die Bauphase auch Arbeitseinsätze weit nach Feierabend: „Wir sind oft noch abends zu den Kunden gefahren“, berichtet Pharmazie-Ingenieurin Ilka Knopf (56).

Viele Verbesserungsvorschläge

Die Erinnerungen sind unschön, langsam aber erkennen die Händler auch Gutes am neuen Oppspring. Für Silvia Krahn hat die Kreuzung „an Wert gewonnen, von der Optik her und von der Funktionalität“. Yunus Baluch ist „überrascht, wie gut der Verkehr fließt“. Verbesserungsvorschläge gibt es dennoch. Zum Beispiel beim Thema Parkstreifen: Die Menschen hielten oft kreuz und quer, Markierungen könnten helfen. Auch seien die neuen Ampeln schlecht zu erkennen – mit Schirmen um die Lichtzeichen könnte das Manko behoben werden, glauben die Händler. Der rot markierte Weg mit abgesenktem Bordstein, der über die Zeppelinstraße führt, steht ebenfalls in der Kritik: Er ist für Rollstuhlfahrer und Menschen mit Kinderwagen nicht nutzbar, da ein Straßenbahn-Pfosten und die Ampel-Anlage zu dicht beieinander stehen.

Matthias Katte, städtischer Teamleiter Straßenneubau, verspricht Abhilfe. So werden noch sieben alte Tram-Masten verschwinden, drei neue gesetzt. Dafür müssen Kabel verlegt werden, was nur nachts geschehen kann. Außerdem wolle man den Nahverkehr möglichst wenig beeinträchtigen. Der Vorschlag mit den Markierungen auf den Parkstreifen indes sei nicht umsetzbar: „In Mülheim werden nur Quer-, aber keine Längsparkbuchten markiert.“ Für diese gelte ein Mindestabstand von sechs Metern, der nicht immer eingehalten werden könne.

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