Feuerwehr

Gefahrgut läuft aus: Großübung der Feuerwehr Mülheim

Dicke Schutzanzüge tragen die Mülheimer Feuerwehrleute bei der Gefahrgutübung. Die auslaufende Salzsäure ist aber tatsächlich nur Wasser.

Dicke Schutzanzüge tragen die Mülheimer Feuerwehrleute bei der Gefahrgutübung. Die auslaufende Salzsäure ist aber tatsächlich nur Wasser.

Foto: Frank Oppitz / FUNKE Foto Services

Am Stellwerk in Styrum, das im Oktober 2015 in Flammen stand, läuft wieder ein spektakulärer Feuerwehreinsatz. Heute ist es aber nur eine Übung.

Ein spektakulärer, aber risikoarmer Feuerwehreinsatz läuft in diesen Tagen am Stellwerk in Styrum. Die Rettungskräfte, bis zur Unkenntlichkeit verpackt in riesige rote Schutzanzüge, üben den Ernstfall: Was tun, wenn auf der Schiene gefährliche Stoffe auslaufen? Trainiert wird am „Ausbildungszug Gefahrgut“, mit dem die Deutsche Bahn in Mülheim vorgefahren ist.

Dieser Übungszug ist einzigartig in Deutschland und dient nur der Weiterbildung von Feuerwehrleuten. Vier Waggons sind angerollt: ein Unterrichtswagen für die Theorie, ein weiterer mit Material, ein Schau-Kesselwagen (hier wird an verschiedenartigen Armaturen geübt) und ein Leckagewagen. Dessen Kessel hat mehrere Löcher und Risse, aus denen eine Flüssigkeit austritt, die die Feuerwehrleute in den Griff bekommen müssen.

Salzsäure ist tatsächlich nur klares Wasser

Zu Trainingszwecken wird der Container schlicht mit klarem Wasser gefüllt. Was es darstellen soll, können die Teilnehmer am Zahlencode auf der orangefarbenen Gefahrentafel ablesen, mit der dieser Waggon gekennzeichnet ist: „30-prozentige Salzsäure“, übersetzt Thorsten Drewes, Sprecher der Mülheimer Feuerwehr.

Mehrere seiner Männer sind am undichten Kessel zugange, mit Keilen haben sie das Leck notdürftig abgedichtet, dann kommt eine säuredichte Pumpe zum Einsatz, die gefährliche Flüssigkeit muss aufgefangen werden, bis ein Ersatzcontainer zur Verfügung steht.

Leckagen passieren meist auf der Straße

Einsätze wie diesen müssen die Profis beherrschen: „Leckagen erlebt man häufiger“, berichtet Drewes, „aber meist auf der Straße, seltener im Schienenverkehr.“ Hier sind sie aber besonders heikel, weil der gesamte Gleisbereich gesperrt werden muss. In solchen Fällen sind auch Notfallmanager der Bahn vor Ort im Einsatz, die rund um die Uhr Bereitschaftsdienst haben.

Spezialcontainer mit Duschen wird aufgebaut

Zwei Löschzüge der Mülheimer Berufsfeuerwehr mit etlichen Fahrzeugen sind bei der Gefahrgutübung am Stellwerk dabei, die viel Aufwand und eine Menge Material erfordert. Unter anderem muss ein sogenanntes Dekontaminationskonstrukt aufgebaut werden: ein Spezialcontainer mit Duschen und einer Möglichkeit, die Chemikalienschutzanzüge abzulegen. Unter der dicken Hülle arbeiten die Feuerwehrleute mit Atemschutzgeräten. „Wer sportlich ist, hält es 20 bis 25 Minuten aus“, sagt Drewes. Sommertemperaturen hat bei dieser Übung niemand vermisst.

Lange Warteliste für den Übungszug

Da es nur einen einzigen Ausbildungszug der Deutschen Bahn für Gefahrgut gibt, ist die Warteliste lang. Die Mülheimer hatten drei Jahre Vorlaufzeit, ehe die Übung mit den Trainingswaggons stattfinden konnte. Insgesamt drei Tage lang ist der Zug in Styrum stationiert, alle Berufsfeuerwehrleute, die Dienst haben, nehmen an der Weiterbildung teil. Auch die Spezialeinsatzgruppe (SEG) Drohne ist live dabei, um das Geschehen zu filmen.

Wenn es wirklich brennt, ist die Mülheimer Feuerwehr aber uneingeschränkt einsatzbereit, versichert ihr Sprecher. Ein dritter Löschzug hält auf der Wache die Stellung, „und wenn es ganz dicke kommt, rücken wir auch von hier aus.“

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