Tierschutz

Haustiere: Im Netz gekauft und dann im Tierheim gelandet

Im Tierheim Mülheim kümmert sich die Auszubildende Sandra Mandzuka um den Schäferhund-Labrador-Mix „Daimon“, einen Internet-Kauf, der nicht umgetauscht werden konnte.

Im Tierheim Mülheim kümmert sich die Auszubildende Sandra Mandzuka um den Schäferhund-Labrador-Mix „Daimon“, einen Internet-Kauf, der nicht umgetauscht werden konnte.

Foto: Christoph Wojtyczka

Mülheim.   Haustiere, vor allem Hunde, werden oft übers Internet gehandelt. Der Umtausch ist ausgeschlossen, auch wenn der Besitzer überfordert ist.

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Haustiere aller Art werden mittlerweile übers Internet vermarktet wie Turnschuhe oder Babyschalen. Stichprobe bei Ebay-Kleinanzeigen: Etwa 80 Hunde, meist niedliche Welpen, stehen zurzeit in Mülheim auf diesem Portal zum Verkauf. Klingt einfach, ist es aber nicht. Denn immer mehr Tiere, die online gehandelt wurden, werden schnell wieder abgestoßen.

Diese Erfahrung macht auch Marion Niederdorf, Leiterin des Mülheimer Tierheims. So sind allein in den vergangenen sieben Monaten neun Hunde unterschiedlicher Rassen in der Notaufnahme an der Horbeckstraße gelandet, die gechipt und registriert sind, von ihrem letzten offiziellen Besitzer aber erneut über das Netz verkauft wurden, zum Teil mehrfach.

Pinscher-Mischling wurde mehrfach weiterverkauft

Wie Spike, ein hübscher schwarzer Pinscher-Mischling, „nur leider verhaltensgestört“, dessen Lebenslauf die Tierheim-Leiterin nachverfolgt hat. Als achtwöchigen Welpen erwarb ihn eine junge Frau, die wenig später ein Baby bekam und den kleinen Hund abgeben wollte. Zwei Mal wurde er übers Internet vermittelt, zuletzt an Leute in Mülheim, „die völlig überfordert waren“, so Marion Niederdorf. „Sie haben zwar wieder jemanden gefunden, der den Hund haben wolte, aber ihm hat Spike sofort in die Lippe gebissen.“

Drei Tage vor Weihnachten standen die hilflosen Hundebesitzer vor der Tür des Tierheims. „Grundsätzlich sind wir nur verpflichtet, Fundtiere aufzunehmen, aber die Leute wollten ihn einschläfern lassen, die Tierärztin hat das Veterinäramt angerufen, und so kam Spike zu uns.“

Käufer kennen Tiere nur vom Foto

Ein Schicksal von vielen. Bisweilen, so die Tierheim-Leiterin, sehen Interessenten ihre künftigen vierbeinigen Begleiter nur auf Fotos. Bestenfalls entspricht die Lieferung dann der Bestellung. Anders lief es bei Sammy, einem großen rumänischen Herdenschutzhund, dessen letzte Besitzerin bei einem dubiosen Verein ein kleines, familienfreundliches Exemplar geordert hatte. Auch Sammy verbringt seine Tage nun im Tierheim, oft mit Heulen und Bellen.

Allen, die sich einen Hund anschaffen möchten, rät Marion Niederdorf, im Tierheim oder bei Tierschutzvereinen nachzufragen. „Wir nehmen die Hunde nämlich auch zurück, falls es nicht funktioniert.“ Da diese Tiere alle bereits eine Geschichte mitbringen und häufig nicht einfach im Umgang sind, empfiehlt sie diesen Weg nur hundeerfahrenen Menschen.

Tipp: Immer schauen, wie die Tiere gehalten werden

Falls man einen vertrauenswürdigen Züchter sucht, helfe der VDH (Verband für das Deutsche Hundewesen). „Man sollte aber immer selber hingehen und sehen, wie die Tiere gehalten werden“, rät Niederdorf. „Wenn ein Züchter die Hündin nicht im Haus vorweisen kann, würde ich abraten. Denn nur in einem Haushalt können sich Welpen an Mitbewohner, Möbel, Staubsauger gewöhnen. In einem Zwinger lernen sie das nicht.“

Das Problem unbedachter Verkäufe wäre vielleicht aus der Welt geschafft, wenn Halterwechsel gemeldet werden müssten, meint die Tierheim-Leiterin. „Was ich mir wünschen würde, ist eine Chip- und Registrierungspflicht für alle Hunde und Katzen.“

Nicht artgerechte Irrwege bleiben indes auch anderen Geschöpfen nicht erspart, die online angeboten worden. Eine Prachtrosella etwa haben besorgte Sittich-Freunde ins Tierheim gebracht, „ein Schwarmvogel, der in einer Volière unter Artgenossen gehalten werden muss“. Er drohte einsam im Käfig zu versauern.

>> GEMELDETE HUNDE: TENDENZ LEICHT STEIGEND

Hunde müssen bei der Stadt angemeldet werden, da sie steuerpflichtig sind, alle anderen Haustiere dagegen nicht. Zurzeit sind in Mülheim 8772 Hunde registriert, eine gewisse Dunkelziffer gibt es allerdings immer.

Verglichen mit anderen Städten leben relativ viele Hunde in Mülheim, erklärt Stadtsprecher Volker Wiebels. Ihre Zahl sei „tendenziell leicht steigend“. Von einem Hunde-Boom könne man aber nicht sprechen.

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