Tanz-Abend

Interkulturelles Tanzprojekt begeistert im Ringlokschuppen

Die Tänzer von Cocoon-Dance überzeugen im Ringlokschuppen einmal mehr mit der emotionalen Wucht ihrer Choreographie

Die Tänzer von Cocoon-Dance überzeugen im Ringlokschuppen einmal mehr mit der emotionalen Wucht ihrer Choreographie

Foto: Klaus Fröhlich / Cocoon

Bei „Signifying Ghosts“ kooperiert die Tanzkompanie Cocoon-Dance mit afrikanischen Tänzern und Choreographinnen. Es ist ein spannender Abend.

Fast regungslos sitzen die sieben Tänzer zunächst auf dem Bühnenboden. Das leichte Zittern zu dem in der Ferne unheimlich grollenden Donner, ist kaum wahrnehmbar. Es steigert sich zu einem Zucken, das dann den Oberkörper und schließlich den kompletten Tänzer in Bewegung setzt. Musik und Bewegung treiben in einem atemberaubenden und spannungsvollem Crescendo einem Höhepunkt zu. Die Bewegungen der Tänzer werden immer ausladender und heftiger, sie taumeln und rudern hilflos mit den Armen, verzweifelt bemüht, Haltung zu wahren. Sie formieren sich zu Kokons, der wechselnde Tänzer schützend umschließt, sie bleiben aber dennoch beziehungslos. Auch die Bewegungen wirken marionettenhaft.

Typisch Cocoon-Dance, deren emotionale Wucht beeindruckt. Der einzige Unterschied: Bei „Signifying Ghosts“ kooperiert die weltbekannte Kompanie um Choreographin Rafaële Giovanola mit gemischten Teams aus zwei Kontinenten und drei weiteren Choreographinnen. Das seit zwei Jahren vorbereitete Stück, das schon kurz nach der Premiere in Bonn im Ringlokschuppen zu sehen war, ist auf gegenseitige Inspiration angelegt. So bringt der aus Mali stammende Ibrahima Camara, der in zwei der drei Teile begeisterte, etwa Figuren aus seiner Heimat ein.

Spiel mit der Einbildungskraft

Aber diese Anregungen sind nicht als typisch afrikanisch erkennbar. Genauso wie die Choreographie der aus Südafrika kommenden Nelisiwe Xaba absolut nichts Folkloristisches an sich hat. Fake N.E.W.S. ist ein cleveres und sehr amüsantes Spiel mit der Einbildungskraft. Zunächst wird der Zuschauer schon getäuscht, wie viele Schauspieler unter dem großen Gewand agieren. Als sich der Frauenkopf einmal in übermenschliche Höhe reckt, ist klar, dass es zwei sein müssen. Nacheinander kommen sechs Füße und Hände zum Vorschein. Dann filmt die an der Decke fixierte Kamera, wie sich die Tänzer über den Boden bewegen. Sieht man den drei Tänzern zu, wirkt es unspektakulär. Auf der Projektion bekommt das Bild aber Tiefe, scheinen sie sportlichen oder gar artistischen Tätigkeiten nachzugehen: Sie klettern an der Bergwand, tauchen im Aquarium und baumeln im Trapez.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben