Klavierfestival

Joseph Moog spielt „Teufelsmusik“ in Mülheim teuflisch gut

Abschlusskonzert mit Josef Moog in der Stadthalle Mülheim.

Abschlusskonzert mit Josef Moog in der Stadthalle Mülheim.

Foto: PETER WIELER

Mülheim.  Der Pianist Joseph Moog sorgt in Mülheim für einen umjubelten Abschluss des diesjährigen Klavierfestivals Ruhr.

In einem zehnwöchigen Festival unter dem doppelten, auf die Akteure fokussierten Motto „Living Legends“ und „Rising Stars“ erhält das letzte von insgesamt 61 Konzerten natürlich ein besonderes Gewicht. Der 31-jährige Joseph Moog, der vor acht Jahren als „Rising Star“ begann, hat diesen Status längst hinter sich gelassen, ohne – schon aus Altersgründen – zu den „Living Legends“ zu zählen.

Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass sein letztes Konzert in Mülheim ein Niveau hatte, das man auch bei „Living Legends“ nicht immer erlebt. Dabei fing es zunächst durchaus unspektakulär an: Schuberts unter eingängigen Melodien brodelnde Unruhe in „Adagio und Rondo E-Dur“, Brahms’ ganzes Ausdrucksspektrum in den Klavierstücken op. 119 zwischen „zarten Gespinsten aus schüchternen Gesten“ und orchestraler Wucht in der Rhapsodie Es-Dur fanden hintergründige Gestalt.

Keine Akrobatik um ihrer selbst willen

Den Virtuosen ließ Moog dann in Ignaz Friedmanns Paraphrase über den „Frühlingsstimmen“-Walzer von Johann Strauss heraus. Aber auch hier keine Akrobatik um ihrer selbst willen. Wie Moog jede witzig-geistreiche Wendung auch in schwindelerregendem Tempo auszukosten verstand, das war von elektrisierender Wirkung.

Und doch wurde das noch übertroffen von Ravels „Gaspard de la Nuit“ nach Gedichten von Aloysius Bertrand, die er selbst als „Gedichte vom Teufel“ bezeichnete. Dazu schuf er eine wahre „Teufelsmusik“, in Klang geronnene Alpträume.

Wie Moog die narkotisierende Verführung der „Undine“, das düstere Bild des Gehenkten am Galgen und vor allem den irrwitzigen Tanz des Gnomen „Scarbo“ in Klang umzusetzen verstand, entführte die Zuhörer in eine gespenstisch- irreale Welt.

Im Sinne einer viersätzigen Sonate angeordnete Stücke von Chopin rundeten das Bild eines virtuosen Klangmagiers von seltener Eindringlichkeit ab. Besonders beeindruckend das zwischen dämonischer Explosivität und überirdischer Verklärung wechselnde h-moll-Scherzo. Die lautstarke Begeisterung der Zuhörer konnte nur durch vier Zugaben von Liszt bis Chilly Gonzales besänftigt werden.

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