Hütehunde

Kangals und andere Schutzhunde landen häufig im Tierheim

Kangalrüde Ben lebte einst im Mülheimer Tierheim..

Kangalrüde Ben lebte einst im Mülheimer Tierheim..

Foto: Niederdorf

Mülheim/Oberhausen.  Junge Hütenhunde sind niedlich. Deshalb werden sie oft gedankenlos gekauft. Dabei brauchen die Tiere konsequente Menschen und große Grundstücke.

Herdenschutzhunde sind in. Süße kleine Fellknäuel als Welpen – landen sie nur zu schnell bei Menschen ohne Erfahrung mit Hunden und nicht selten in einer Etagenwohnung. Marion Niederdorf, Leiterin des auch für Oberhausen zuständigen Tierheims Mülheim, weiß, was folgt.

„Große Hunde sind erst mit 15 Monaten bis zu drei Jahren voll entwickelt, dann erkennt man auch, was charakterlich in ihnen steckt“, sagt sie. Mal ist das mehr, mal weniger Schutzhund. Gerade auch in der Pubertät seien die Tiere schwierig – Rüden ganz besonders. Die Menschen fühlen sich überfordert. So landen immer mehr der großen Hunde auf der Straße und später im Tierheim.

Tiere als ein Stück Heimat

„In den großen Städten sitzen zum Beispiel viele Kangals in den Tierheimen“, erzählt Marion Niederdorf. Die Tiere werden aus der Türkei, in der sie eigenständig Viehherden bewachen, von Menschen mit türkischem Migrationshintergrund mitgebracht. „Die Leute sehen in den Tieren ein Stück Heimat, sie meinen es nicht böse“, sagt die Leiterin des Tierheims.

Dabei sei die Ausfuhr der Kangals oder der Türkisch Van-Katze, die beide als Kulturgut gelten, verboten. Und nicht nur das. Sind die Tiere nicht geimpft, droht ihnen wegen der Tollwutschutzbedingungen eine lange Quarantänezeit. Im Tierheim Mülheim sitzt gerade ein Welpe, der mit nicht einmal zwölf Wochen nach Deutschland kam.

Der Tomjak ist kein Familienhund

Gut drei Monate muss er dort bleiben, bis seine Familie ihn wieder zu sich nehmen darf. „Die Leute hatten sich einfach nicht informiert“, sagt Niederdorf. Neben dem kleinen Kerl lebt im Tierheim zurzeit noch ein erwachsener Kangal, der beschlagnahmt wurde und noch nicht zur Vermittlung steht.

Wie gefährlich ist der Kangal?

„Wir hatten hier zeitweise auch viele Kangals“, sagt Niederdorf. Doch es gibt noch weitere Herdenschutzhunde, die man nicht mal einfach so halten kann. Marion Niederdorf erwähnt den Kaukasischen Owtscharka. Diese Tiere sind massiger als Kangals und haben längeres Fell. „Wir hatten schon einige von ihnen“, sagt die Tierheimleiterin. Sie seien extrem misstrauisch gegenüber Fremden und hätten einen starken Schutztrieb. Den hat auch der Tornjak aus Bosnien-Herzegowina und Kroatien. „Er ist kein Familienhund“, versichert Marion Niederdorf. Er verteidigte Herden einst gegen Wolf und Bär.

Weil der Welpe so süß war

Der Landseer, ursprünglich aus Deutschland und der Schweiz, sei dagegen ein richtiger Familienhund. Bei Mischlingen müsse man aufpassen, ob sie vom Tornjak oder Landseer abstammten.

„Wir selbst haben mal einen Kuvasz übernommen“, sagt Marion Niederdorf. Der Fall dieses Ungarischen Hütehundes sei so typisch gewesen: Die Leute hätten den Hund gekauft, weil er als Welpe so süß gewesen sei. Sie wohnten in der dritten Etage. Das Tier war nicht ausgelastet. Besucher ließ der wachsame Kuvac stramm stehen. „Bei uns ist er lieb“, sagt Marion Niederdorf. Kommt Besuch, muss er zunächst ausgesperrt werden. Erst wenn alle da sind, darf er wieder dazukommen und die Gäste unter die Lupe nehmen.

Marion Niederdorf erzählt, wie unterschiedlich die oft so mutigen Hütehunde sein können. Einmal bekamen sie zwei Kangals, die in Oberhausen in einem Verschlag gehalten worden waren. Die Tiere waren beschlagnahmt worden. Einer kam in eine Familie und lebte sich dort sofort gut ein. Leider starb das Tier ganz überraschend. Die Leute nahmen dann den anderen Hund auf. Der zeigte sich auch nach einem Jahr immer noch überaus ängstlich in jeder Beziehung, fürchtete sich sogar vor Regen.

>>> Tipps für Halter von Herdenschutzhunden

Haltern von Herdenschutzhunden gibt Tierheimleiterin Marion Niederdorf Tipps: „Man sollte Erfahrung mit Hunden haben.“ Und mit seinen Hunden gute Hundeschulen besucht haben. Man müsse liebevoll, aber konsequent mit ihnen umgehen. Sonst gewinnt so ein 70-Kilo-Riese irgendwann die Oberhand. „Herdenschutzhunde brauchen große Gelände zum Bewachen.“

Wer einen Herdenschutzhund halten möchte, sollte am besten ein Einfamilienhaus in ländlicher Gegend besitzen. Die Tierheimleiterin sagt, dass nur Welpen als Beschützer von Herden ausgebildet werden können. Nur wenn sie mit den Tieren, die sie bewachen sollen, aufwachsen, betrachten sie sie als ihresgleichen. Sonst könnte es womöglich noch passieren, dass sie die Herde jagen. Kontakt zum Tierheim Mülheim unter Tel. 0208/372211.

Leserkommentare (10) Kommentar schreiben