EU-Wahl

Kleine Parteien kommen bei Mülheimer Jugend gut an

Wahlplakate der Parteien zur europawahl stehen am Mittwoch,15.05.2019,in düsseldorf. Foto: Kai Kitschenberg/FunkeFotoServices

Wahlplakate der Parteien zur europawahl stehen am Mittwoch,15.05.2019,in düsseldorf. Foto: Kai Kitschenberg/FunkeFotoServices

Foto: Kai Kitschenberg

Mülheim.   SPD und CDU bleiben bei EU-Wahl zu abstrakt. FDP, Grüne und Linke schneiden gut ab. Auch die AfD: Je platter der Spruch, desto mehr sticht er

„Wer von euch würde zur EU-Wahl wählen gehen?“ Die Resonanz unter den gut 30 Schülern zwischen 15 und 17 scheint auf den ersten Blick ernüchternd: keiner. „Warum auch?“, fragt einer zurück: „Wir haben eine demokratische Gesellschaft und Gesetze – das ändert auch eine Wahl nicht. Und wenn, dann rasiere ich mir halt ‘ne Glatze und passe mich an“, grinst ausgerechnet ein Schüler mit sichtbaren Migrationshintergrund.

Sie machen wenigstens die Hälfte der Klasse aus. Und doch muss man die vermeintliche Null-Bock-Attitüde relativieren, denn die jungen Mülheimer haben am Mittwochnachmittag schon einen halben Tag politische Diskussion und Auseinandersetzung mit der EU hinter sich. Nach satter Informationsbeschallung und viel Reden über Parteiprogramme und die Entwicklung der Europäischen Union herrscht geistige Flaute.

Null-Bock-Attitüde relativieren

Mitentscheiden dürfen sie mit ihren Stimmen ohnehin nicht. Obwohl alle Mülheimer unter 18 am morgigen Freitag (17. Mai) im Wahllokal an der Löhstraße 18 einen Wahlzettel abgeben dürfen. Die Stimmen werden ausgewertet, gehen aber nicht offiziell in die EU-Wahl ein. Die deutschlandweite Jugendwahl U18 zu der sie lokal von der Gemeinnützigen Gesellschaft für Beratung, Begleitung und Weiterbildung (bbwe) eingeladen wurden, ist vielmehr der Versuch, die kommende Wählergeneration für Politik zu interessieren. Und dennoch bleibt es offenbar für einige abstrakt.

Die Lehrer Thomas Konen und Regina Rauchmann haben mit ihren Schülern viel diskutiert: „Sie haben großes Interesse, wenn es um Jugendarbeitslosigkeit, freie Grenzen geht oder faire Löhne“, sagt Rauchmann. Die großen Parteien allerdings trafen den Nerv der jungen Leute nicht: „Ihre Antworten waren zu allgemein, zu abstrakt“, fasst Konen zusammen.

Rechtspopulisten punkten erst einmal

Gelb und Grün, auch die Linken kamen besser an. Kritisch sei allerdings: „Je platter ein Spruch, desto besser sticht er.“ Rechtspopulisten punkten hier erst einmal – bis man die Aussagen bespricht: „Als wir das Wahlprogramm der AfD zu Hartz 4 und Zuwanderung vorgestellt haben, hieß es: ‘So wollen wir das nicht’.“ Manches klingt offenbar nur vordergründig gut.

Schaut man näher hin, sind junge Leute eben doch interessiert. Emmi (16) spricht mit ihren Eltern über Politik, „wenn Nachrichten laufen oder wenn Wahlen sind. Für meine Eltern ist Wählen wichtig und für mich auch. Ich will über meine Zukunft bestimmen können.“ Max (15) sieht das ähnlich: „Ich rede über Politik mit meinem Bruder und meinem Vater. Der hat die DDR miterlebt, kennt die Mauer noch. Für mich ist das nicht vorstellbar. Es ist gut, dass wir heute ohne Mauern leben.“

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