Stahlbranche

Krise trifft MGB und Europipe, aber weniger als erwartet

Ein Bild aus der Produktion im Mülheimer Werk von Europipe: Eine Ultraschallanlage prüft die Qualität des Großrohres.

Ein Bild aus der Produktion im Mülheimer Werk von Europipe: Eine Ultraschallanlage prüft die Qualität des Großrohres.

Foto: Achim Winkler / Europipe

Mülheim.  Die Mülheimer Werke von MGB und Europipe haben früh ein schwieriges Jahr erwartet. Es ist weniger schlimm gekommen, aber die Lage bleibt ernst.

Die Situation in den stahlverarbeitenden Mülheimer Betrieben von Mannesmann Grobblech (MGB) und Europipe ist ernst, aber besser, als zur Jahreswende prognostiziert.

Ein Sprecher der Salzgitter AG, unter deren Dach MGB firmiert und die im Joint Venture mit der Dillinger Hütte den Großrohr-Produzenten Europipe im Portfolio hat, nahm auf Anfrage nun Stellung zur aktuellen Lage in den beiden Mülheimer Industriebetrieben, die immer noch stark abhängig sind von Großaufträgen aus dem Pipeline-Bau.

Bisher nur eine Woche Kurzarbeit im Blechwalzwerk

Bei Mannesmann Grobblech waren im Frühjahr Aufträge nur schleppend und kurzfristig eingegangen, sodass schon für Ende März, Anfang April Kurzarbeit für möglich gehalten worden war. Tatsächlich habe es im Blechwalzwerk bisher nur im Mai eine Woche Kurzarbeit geben müssen, so der Salzgitter-Sprecher.

Derzeit ist das Werk bis Anfang August auf Sommerstillstand gesetzt. Auftragsbuchungen erfolgten nach wie vor kurzfristig, so der Sprecher, der deshalb keine Prognose wagt, wie es im August im Blechwalzwerk weitergeht. Besser ist die Situation im Rohrbiegewerk von MGB. Die Salzgitter AG meldet „volle Beschäftigung bis Jahresende“.

Nur kurzfristige Beauftragungen: Prognose für Europipe nicht möglich

Europipe war bereits im Frühjahr in Teilen von Kurzarbeit betroffen. Für Juni, Juli und August war und ist keine Kurzarbeit angemeldet. Seit Mitte Juli bis Anfang August sind aber ohnehin drei Wochen Werksferien angesetzt. Auch für Europipe stellt der Salzgitter-Sprecher fest: Aufträge kommen weiterhin nur kurzfristig rein, Prognosen zur Auslastung im Werk ab August seien nicht möglich. Der Hoffnungsschimmer bleibt: „Es gibt durchaus Projekte im Markt“, so der Sprecher.

Der Stahlsektor insgesamt ist derzeit an den Börsen unter Druck. Die Salzgitter AG hatte zuletzt deutlich an Wert verloren, sie rutschte erstmals seit Anfang 2016 unter die 20-Euro-Marke. Auch büßte sie die Kaufempfehlung der Deutschen Bank ein. Die Bank hatte die Gewinnprognose für Salzgitter bis zum Jahr 2021 um 23 Prozent gesenkt und das Kursziel von 38 auf (immerhin noch) 27 Euro herabgesetzt.

Analysten rechnen mit Gewinnwarnungen großer Stahlkonzerne

Verschiedene Analysten erwarten, dass der wirtschaftliche Abschwung im Stahlsektor länger anhalten könnte. Etwa erwartete jüngst Analyst David Varga von Metzler weitreichende Gewinnwarnungen von Thyssenkrupp sowie Klöckner & Co.

Der Salzgitter AG bescheinigte Varga immerhin, die selbst gesetzten Prognosen erreichen zu können und sich in den vergangenen Jahren so strukturiert zu haben, um bei einem besser werdenden Marktumfeld durchstarten zu können. „Die Salzgitter AG steht aufgrund ihrer finanziellen Solidität immer noch weitaus besser da als viele andere“, sieht sich auch der Salzgitter-Sprecher bestätigt.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben