KInder-Stücke 2019

Kristo Šagor erhält den Preis der Kinderstücke

Die gestrige Jury-Diskussion zu den Kinderstücken. Die Jugend-Jury sitzt am ersten Tisch links.

Die gestrige Jury-Diskussion zu den Kinderstücken. Die Jugend-Jury sitzt am ersten Tisch links.

Foto: Zoltan Leskovar

Mülheim.   Das Stück über die Liebe überzeugte sowohl die Fachjury als auch die Jugendjury. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.

Man kann es einen guten Riecher nennen, den die sechsköpfige Jugendjury gestern bewies oder es einfach der Stärke des Textes zusprechen. Jedenfalls kamen die drei professionellen Juroren nach einer langen, kontroversen und inhaltlich engen Diskussion zu dem selben Ergebnis wie die überwiegend 16-jährigen Schüler, die sich mit der Theaterpädagogin Ludmilla Ebert intensiv auf den Wettbewerb vorbereitet hatten: Der mit 10.000 Euro dotierte Kinderstückepreis geht an Kristo Sagor, dessen Stück „Ich lieb dich“ das Festivalprogramm gestern auch beschlossen hat.

In dem Stück, das von der Schauburg München präsentiert wurde, lotet Šagor unterschiedliche Arten der Liebe aus. Der Anlass ist die Scheidung von Julians Eltern. „Das Stück liefert verblüffende wie berührende Bilder für die Liebe und deren Vergänglichkeit“, lobt die Fach-Jury.

Ein Gänsehaut-Moment

Der 43-jährige Autor, der auch für Erwachsene schreibt und auch an den Schauspielhäusern Bochum und Düsseldorf Regie führte, wurde bereits 2015 mit „Patricks Trick“ zu den Kinderstücken eingeladen. Dass die Jugendlichen sich für sein Stück entschieden haben und ihm als Preis für sechs weitere Stücke ebenso viele Notizbücher schenkten, schien den Preisträger besonders zu begeistern. Das mag aber auch an der liebevollen, gewissenhaften und mit Zitaten versehenen Begründung liegen, die das Sextett in verteilten Rollen vortrug, die zwei Din A4 füllt. „Im allgemeinen gefallen der Jugendjury die gemischten Emotionen wie Trauer, Mitgefühl, Erstaunen, Wut, Humor und Freude, aber auch die sprachliche Gestaltung mit zahlreichen Metaphern“, loben sie.
Zum Lachen brachte die Jugendlichen die Vorstellung, dass Julian das Zitroneneis mit einem Cola-Eis betrogen habe.
Das ausschlaggebende Argument für die Jugendlichen war die Situation, die sie alle innerlich getroffen und für Gänsehaut gesorgt hat, der überraschende Wendepunkt, an dem klar wird, dass die Hauptfigur Lia schon lange tot ist und alles aus der Erinnerung geschrieben ist. Das ist aber der Moment, den Jurorin Cornelia Fiedler bemängelt. „Reicht es nicht, um ein Stück zu füllen?“, fragt sie. „Muss es immer etwas Krasses sein, um Aufmerksamkeit zu erlangen?“ Tote habe es viele gegeben in diesem Jahrgang. Fiedler, die auch dem Auswahlgremium der Stücke angehört, votiert für „Haydi!Heimat!“ von Katja Hensel. Das Stück thematisiert den schwierigen Heimatbegriff eines in Deutschland geboren Jungen mit türkischen Wurzeln unverkrampft und zeichnet gut die Zerrissenheit zwischen zwei Kulturen und die Überforderung des Jungen nach.

Auch bei den Jugendlichen war das Votum nicht einstimmig. Schon nach dem Lesen stand es
4:2 für Šagor. Nach der Aufführung gab es dann nur noch ein Minderheitenvotum. „Die Stücke, die nominiert wurden, sind allesamt Gewinner“, betonte Festival-Chefin Stephanie Steinberg. Eine Nominierung sei eine preiswürdige Entscheidung. Der Spruch „Da kannst du Stück sagen“, der auf den T-Shrits der Mitarbeiter prangt, kommt eben nicht von ungefähr. Vier der fünf Autoren kamen auch zur Jury-Debatte. „Nur Dirk Laucke fühlte sich der Anspannung nicht gewachsen“, sagte Steinberg. Allerdings verließ auch Vorjahressieger Oliver Schmaering („Ich, Ikarus“) alsbald den Saal und ging vor dem Theater auf und ab.

Sehr gut gefiel der Jury auch das Klassenzimmerstück „Die Eisbärin“ von Eva Rottmann: thematisch, weil Soziale Netzwerke, Mobbing und die Macht der Influencer gut geschildert werden; aber auch in der Umsetzung, weil die Kinder aktiv eingebunden werden, aber gar nicht wissen, dass es sich um Theater handelt. Jurorin Jutta M. Staerk wurde als Mitarbeiterin des Ministeriums vorgestellt.

>>Jury-Mitglied Werner Mink machte noch einmal deutlich, wie wichtig eine Autorenförderung ist. In den letzten zehn Jahren sei von den 50 eingeladenen Stücken nur eine gute Hand voll ohne Förderung entstanden. So ähnlich sieht es auch in diesem Jahr aus.

Zur Wahl standen 43 Uraufführungen, in der engeren Wahl erstmals über zehn Stücke.

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