Fragen an Autoren

Kristo Šagor inszeniert Handicaps kindgerecht

Foto: Tom Schulze

Mit seinem Stück „Patricks Trick“ ist Kristo Šagor bei den Kinderstücken 2015 nominiert. Darin erfährt Patrick, dass sein ungeborener Bruder nie sprechen wird.

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In der Reihe „Fünf Fragen an Autoren“ kommen für die Stücke und Kinderstücke Nominierte zu Wort. Diesmal antwortet Kristo Šagor.

Was verbinden Sie mit Mülheim?

Helge Schneider. Die Theatertage. David Hevia Garibay. Wenn ich an Helge Schneider denke, denke ich besonders an seinen Film „Praxis Doktor Hasenbein“ und das Städtchen „Karges Loch“, in dem der Film spielt – auch weil der Film in Mülheim gedreht wurde. Zu den Theatertagen war ich 2008 mit meiner Inszenierung von Philipp Löhles „Genannt Gospodin“ eingeladen. Und David Hevia Garibay war im Ensemble des Theaters an der Ruhr. 2011 hat er für ein Festival in Mexico City ein Stück von mir, „Die nächste Unschuld“, ins Spanische übersetzt.

Wovon erzählen Sie in „Patricks Trick“?

Von einem Jungen und seinem Mut. Von Sprache. Patrick erfährt, als er seine Eltern nachts aus Versehen belauscht, dass er einen Bruder bekommen wird und dieser vermutlich niemals lernen wird, „richtig zu sprechen“. Patrick ist elf und begreift im Gegensatz zum erwachsenen Publikum nur, was der Satz wörtlich sagt. Also macht er sich auf, um herauszukriegen, was es mit der Sprache auf sich hat. Er traut sich, Menschen zu fragen, vor denen er eigentlich Angst hat. Er will Verantwortung für seinen Bruder übernehmen. Der Clou: Die Geschichte wird uns von Patrick und seinem ungeborenen Bruder erzählt.

Wie war der Entstehungsprozess des Stücks?

Eigentlich sollte der Text ein Kinderbuch werden. Die Idee hatte ich schon vor vielen Jahren. Stefan Fischer-Fels vom Grips-Theater hat mich überzeugt, dass der Stoff auch ein Stück sein könnte. Ich wurde zum Berliner Kindertheaterpreis eingeladen, um dort „Patricks Trick“ auszuarbeiten. Die Idee, daraus ein Stück mit nur zwei Darstellern zu machen, hatte ich, weil ich „Mickybo und ich“ von Owen McCafferty in der Regie von Hanna Müller gesehen habe.

Haben Sie eine Lieblingsstelle im Text? Und verraten Sie sie uns?

Eine Lieblingsstelle nicht, aber eine, von der ich oft erzähle, um zu veranschaulichen, wie die Orts- und Zeitebenenwechsel im Stück funktionieren: Patrick erfährt, dass ein „Professor für alles“ ihm vielleicht helfen kann. Patrick fragt zuerst seinen besten Freund Valentin, dann Danijel und dann dessen Boxlehrer, ob sie wissen, wer der Professor ist. Ich mag, dass die Wechsel so unmittelbar sind, und das Publikum so die Virtuosität der Schauspieler genießen kann.

Ist unter den anderen nominierten Stücken eines, das Sie besonders interessiert oder das Sie besonders schätzen – und wenn ja, warum?

Die anderen vier Stücke kenne ich leider noch nicht. Aber ich kenne und schätze Menschen, die mit den Stücken und ihren eingeladenen Inszenierungen zu tun haben: Rüdiger Pape, das ganze Ensemble und Team des Schnawwl aus Mannheim, Jule Kracht und Sybille Berg.

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