Landgericht

Missbrauch: Mülheimer Stiefvater muss vier Jahre in Haft

Foto: Kurt Michelis

Duisburg/Mülheim.   Das Landgericht hat entschieden: Ein 48-jähriger Mülheimer muss mehr als vier Jahre in Haft, weil er seine Stieftochter schwer missbraucht hat.

Wegen sexuellen Missbrauchs ­verurteilte das Landgericht Duisburg gestern einen 48-jährigen ­Mülheimer zu vier Jahren und drei Monaten Gefängnis. Am Ende der mehrtägigen Beweisaufnahme war die Kammer davon überzeugt, dass der Angeklagte in den Jahren 2015 bis Ende 2016 in mindestens sechs Fällen in Speldorf seine zu Beginn der Taten erst zwölf Jahre alte Stieftochter missbrauchte.

Im Mai 2015 hatten der Angeklagte, der vier Kinder mit in die Ehe brachte, und seine Lebensgefährtin geheiratet. Das Verhältnis zur Stieftochter, so ergab es die Beweisaufnahme, war zunächst sehr gut. Das Mädchen entschied sich sogar dafür, den Namen des Stiefvaters anzunehmen.

Mehrfach in Gegenwart des Mädchens selbst befriedigt

Doch schon wenige Monate nach der Hochzeit, so die Überzeugung des Gerichts, habe sich der Angeklagte erstmals an dem Kind vergangen, indem er es an der Brust streichelte. Ähnliche Übergriffe, welche die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift als besonders schwere Fälle des sexuellen Missbrauchs gewertet hatte, sollen sich danach beinahe monatlich wiederholt haben. Gegen bestimmte Sex-Spielarten hatte sich die Geschädigte laut Anklage allerdings erfolgreich durch Fußtritte wehren können. Mehrfach soll der Stiefvater sich in Gegenwart des Mädchens auch selbst befriedigt haben.

Die Intensität der Taten habe sich in den Monaten nach der ersten Tat gesteigert, hieß es nun. Bis ein Halbbruder des Mädchens seinen Vater und seine Halbschwester überraschte und es nur wenige Tage später seiner Mutter verriet.

48-Jähriger kam am Freitag sofort in U-Haft

Der Angeklagte bestritt die Vorwürfe bis zuletzt. Das Gericht hatte, übereinstimmend mit dem Untersuchungsergebnis einer psychiatrischen Sachverständigen, aber keinen Zweifel daran, dass die heute 16-Jährige die Wahrheit sagte. Der Inhalt ihrer Aussagen sei seit der ersten polizeilichen Aussage weitgehend konstant geblieben, nur bei der zeitlichen Zuordnung der Taten – ursprünglich waren 22 Fälle angeklagt – habe das Mädchen Probleme gehabt.

Dass der Angeklagte bislang noch nie bestraft worden war und er es wegen seiner Taten im Gefängnis besonders schwer haben wird, waren die beiden einzigen Punkte, die das Gericht dem 48-Jährigen zu Gute halten konnte.

Angesichts der Höhe der Strafe forderte der Staatsanwalt wegen Fluchtgefahr die sofortige Festnahme des Angeklagten, der sich zuvor auf freiem Fuß befunden hatte. Wenige Minuten nach der Urteilsverkündung wurde auch der Haftbefehl verkündet und der 48-Jährige in Untersuchungshaft genommen.

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