Flughafen Essen/Mülheim

Mülheimer Parteienmehrheit hält an Flughafen-Ausstieg fest

Das Luftschiff Theo der WDL ist ein Sympathieträger des Ruhrgebietes. Viele nutzen die Gelegenheit und buchen einen Rundflug über die Heimatregion.

Das Luftschiff Theo der WDL ist ein Sympathieträger des Ruhrgebietes. Viele nutzen die Gelegenheit und buchen einen Rundflug über die Heimatregion.

Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Essens CDU möchte den Betrieb am Flughafen mit modernem Gerät fortsetzen. Mülheims Politik reagiert verhalten, nicht so der Planungsdezernent.

Die plötzliche Wende der Essener CDU – eine klare Neupositionierung vor der Kommunalwahl im Herbst 2020 – bringt die Mülheimer Christdemokraten nicht in Turbulenzen. „Wir haben einen Ratsbeschluss mit klarem Auftrag“, sagt Hansgeorg Schiemer. Der Ratsfraktionsgeschäftsführer sieht zurzeit „keinen Handlungsbedarf. Wir müssen intensiv darüber reden, wie wir den Masterplan und die Zukunft des Flughafenareals gestalten.“

Auch die Grünen signalisieren Gelassenheit. „Wir haben einen Masterplan zu gestalten, bei dem auch Essen eingebunden ist“, sagt Tim Giesbert. Der Sprecher der grünen Ratsfraktion sieht in den „punktuell verschiedenen Meinungen kein Hindernis, den Ausstieg aus dem Flugbetrieb“ weiter voranzutreiben. „Auch Essen hat ein Interesse daran, das Gelände neu zu nutzen.“

Nur die Mülheimer FDP hält am Flughafen fest

Nach einem gemeinsamen Antrag von Bündnis 90/Grüne, CDU und MBI hatte der Rat im Juli 2010 das Ende des Flughafens Essen Mülheim beschlossen. SPD und FDP stimmten damals dagegen. Die FDP ist bei ihrer Haltung geblieben. „Wir waren schon immer für den Erhalt und die verlustfreie Aufwertung des Flughafens“, so Peter Beitz, Fraktionsvorsitzender der FDP.

„Mit moderner Flugtechnik kann der Flughafen auf eine wirtschaftlich erfolgreiche Basis gestellt werden. Das Anlieger der Essener CDU geht in die richtige Richtung. Ich bin gespannt, wie sie die Mülheimer Parteikollegen mit diesen guten Argumenten zur Umkehr bewegen.“

Vor 2034 ist eine Umwandlung des Areas unmöglich

„Wir behalten unser Drittelkonzept im Auge“, reagiert Dieter Spliethoff, Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion. Grünflächen, Gewerbe und Wohnen sei die angestrebte Mischung. „Das ist sowieso erst alles nach 2034 zu verwirklichen“, fügt er hinzu.

Nun gelte es, die Arbeiten am Masterplan voranzutreiben und dafür mögliche Zuschüsse beim Land zu beschaffen. „Der Ratsbeschluss zielt auf eine Folgenutzung des Flughafenareals.“ In Essen sehen politische Kreise die Mülheimer SPD dagegen nicht so klar auf Flughafenausstieg festgelegt.

Vermeulen: Man sollte sich keine Denkverbote auferlegen

Sympathie für die „bemerkenswerte Kehrtwende“ der Essener CDU bekundet hingegen Mülheims Planungsdezernent Peter Vermeulen im Gespräch ist dieser Redaktion. Mit Blick auf das Klimagutachten, das vor einer umfangreichen Bebauung am Rande des Kaltluftentstehungsgebietes am Flughafen warnt, sagt er: „Man sollte sich keine Denkverbote auferlegen und diese zusätzliche Variante mitdenken.“

Ob Drohnen, Flugtaxis oder ein elektrifizierter Flugverkehr – Vermeulen steht solchen Entwicklungen, die dem Flughafen eine Entwicklung ermöglichen könnten, offen gegenüber. In der Masterplanung seien der Verwaltung diesbezüglich derzeit durch den gültigen Ratsbeschluss zum Flughafen-Ausstieg noch die Hände gebunden. Vermeulen rechnet damit, dass der Planungsausschuss nach den Sommerferien zur Initiative der Essener CDU zumindest debattieren wird.

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