Nachbarschaftsstreit

Mülheimer Schiedsleute schlichten Streit im Wohnzimmer

Peter Pickert, Obmann der Schiedsleute (l.), stellt seine Kolleginnen und Kollegen vor (v.l.): Joachim Bendixen, Marie Zipp-Timmer (neu für Saarn), Claudia Lamers, Hartmut Kirschner, Knud Binnewerg, Klaus Heuser und Uwe Wernicke (neu für Speldorf) im Garten der Gaststätte Gesellenhaus.

Peter Pickert, Obmann der Schiedsleute (l.), stellt seine Kolleginnen und Kollegen vor (v.l.): Joachim Bendixen, Marie Zipp-Timmer (neu für Saarn), Claudia Lamers, Hartmut Kirschner, Knud Binnewerg, Klaus Heuser und Uwe Wernicke (neu für Speldorf) im Garten der Gaststätte Gesellenhaus.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Schiedsfrauen und -männer sind die ersten Ansprechpartner, wenn Nachbarn sich streiten. Fast alle Bezirke der Stadt sind mit Schlichtern besetzt.

Brechen Nachbarn einen Streit vom Zaun, sind sie die ersten Ansprechpartner: Schiedsfrauen und -männer. Bevor die Streithähne vor Gericht ziehen können, müssen sie in vielen Fällen zuerst einen Schlichter besuchen. „Wenn sie den Schiedsspruch jedoch nicht akzeptieren, dann wird es teuer“, erläutert Peter Pickert, Obmann der Mülheimer Schiedsleute. Die Erfahrung der Schlichter zeigt: „In den Stadtteilen, wo die gut verdienenden Leute wohnen, sind wir mehr beschäftigt als in anderen Bezirken. In Eppinghofen hatten wir seit Jahren keinen Streitfall.“ Auch Beamte und Politiker, ja sogar Rechtsanwälte, sitzen mit ihren Kontrahenten in den Wohnzimmern der Schiedsleute, um deren Hilfe anzunehmen oder nicht.

Anrufer schimpfen und hauen Nachbarn in die Pfanne

„Die Leute rufen zuerst bei mir an und fragen, ob ich helfen kann. Andere schimpfen sofort los und hauen ihren Nachbarn in die Pfanne“, schildert Klaus Heuser. Er ist mehr als zwölf Jahre Schlichter in der Dümptener Nachbarschaft. „Manchmal gelingt es schon am Telefon, die Leute zu besänftigen. Manche melden sich wenige Tage später und sagen: Es ist wieder alles in Ordnung.“ Schiedsleute bezeichnen dies als „Tür-und-Angel-Fälle“. Heuser: „Das sind uns die liebsten Einsätze.“

Reicht das Telefongespräch nicht, gibt es für die streitenden Parteien eine Vorladung. „Diese ist verbindlich. Wer den Termin nicht einhält, bekommt ein Bußgeld“, sagt Knut Binnewerg aus Styrum.

Für den Schlichtertermin müssen die Leute, die sich über andere beschweren, alle Namen und Adressen der Schiedsfrau oder dem Schiedsmann mitteilen, damit diese die Einladungen mit Begründung verschicken können. „Oft wird das gemeinsame Gespräch bei mir mit Handschlag beendet. Das ist eine verbindliche und beruhigende Geste. Der Frieden ist wieder hergestellt“, sagt Binnewerg.

Schöffin hat gerade den Bezirk Saarn übernommen

Den Bezirk Saarn, Selbeck, Mintard hat jetzt Marie Zipp-Timmer übernommen. Sie ist bereits Schöffin am Amtsgericht. „Die Gerichtspräsidentin hat mich gefragt, ob ich ein Schiedsamt übernehmen würde – und ich habe ja gesagt.“ Sie hat Kommunikation und Mediation studiert, weiß also, wie man zwischen verschiedenen Parteien vermittelt. „Ich denke, das wird prima klappen.“

Einen Schlichterfall hatte sie bisher jedoch nicht. Den letzten muss Claudia Lamers noch abarbeiten. Sie betreut seit 2017 als Schiedsfrau den Broicher Bezirk. In Saarn machte sie Vertretung, weil die Stelle länger unbesetzt blieb.

„Da war viel mehr zu tun als in Broich“, sagt die Pädagogin. „Manchmal muss ich zwischen den Parteien nur Kleinigkeiten regeln, weil beispielsweise getrennte Paare nicht mehr miteinander sprechen wollen. Dann übernimmt die Schiedsfrau die Übergabe des Wohnungsschlüssels. „Damit war diese Sache erledigt.“

An das Ergebnis des Gespräches müssen sich beide Seiten halten

Uwe Wernicke hat den Bezirk Speldorf neu übernommen. „Es ist eine schöne Aufgabe, Menschen helfen zu können.“ Die anderen Schiedsleute stimmen ihm zu und wünschen dem Neuling „erfolgreiche Schlichtungen“. „Nach dem Gespräch gibt es ein Ergebnisprotokoll, an das sich beide Seiten halten müssen. Sonst sitzen sie wieder bei mir im Wohnzimmer“, hat Klaus Heuser auch schon erlebt. „Wenige nehmen die Schiedsstelle auch nur als Durchlaufstation, weil sie sich sowieso vor Gericht messen wollen“, sagt Joachim Bendixen (Menden, Holthausen).

Hartmut Kirschner: „Manchmal sind die Leute wirklich böse auf ihre Nachbarn, weil sie sich nicht an Regeln halten. Da muss man dann ernste Worte sprechen. Das kommt dann an.“ „Wir Schiedsleute arbeiten ehrenamtlich. Darum ist ein Termin bei uns oft besser und günstiger als mit Anwälten vor Gericht“, erklärt Peter Pickert. Der Obmann der örtlichen Schiedsleute betreut den Bezirk Heißen. Aktuelle Streitlage: „Alles ruhig.“

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