Demokratietag

Mülheimer setzen ein Zeichen für Demokratie in ihrer Stadt

Raus aus den Häusern, Tische auf die Straße und ins Gespräch kommen: An verschiedenen Stellen in Mülheim, hier auf dem RS 1, beteiligten sich mehrere Institutionen und Initiativen am Demokratietag.

Raus aus den Häusern, Tische auf die Straße und ins Gespräch kommen: An verschiedenen Stellen in Mülheim, hier auf dem RS 1, beteiligten sich mehrere Institutionen und Initiativen am Demokratietag.

Foto: Martin Möller / Funke Foto Services

Mülheim.  An verschiedenen Stellen in der Stadt setzten Mülheimer Zeichen für Demokratie. Auffallend oft tauchte dabei Bundeskanzlerin Angela Merkel auf.

Raus aus den Häusern, Tische auf die Straße und ins Gespräch kommen, hieß es am Samstag beim Demokratietag. An verschiedenen Stellen in der Stadt beteiligten sich mehrere Institutionen und Initiativen und setzten ein Zeichen für die demokratische Staatsform und für eine offene Gesellschaft.

Auf dem Synagogenplatz zeigten Schüler der internationalen Förderklasse des Berufskollegs Stadtmitte in Collagen und Zeichnungen ihre Einfälle zum Thema. Diyo (24) aus dem Irak hat ein Plakat mitgestaltet: „Für mich bedeutet eine offene Gesellschaft miteinander in Kontakt zu kommen, gemeinsam zu essen und zu trinken und verschiedene Kulturen kennenzulernen.“ Seit dreieinhalb Jahren lebt er in Deutschland. Bis auf seltene Ausnahmen habe er positive Erfahrungen gemacht: „Die Menschen hier helfen einem gerne“, sagt er.

Migranten und Flüchtlinge suchen den Kontakt zu anderen Mülheimern

Lehrerin Judith Dimke-Schrader glaubt, dass viele Schüler sich mehr Austausch mit gleichaltrigen Deutschen wünschen: „Das ist für viele noch ein Problem.“ Einen Grund sieht Anamaria Bilobrk vom Kommunalen Integrationszentrum, das mit dem Berufskolleg zusammenarbeitet, bei der Sprache: „Gerade ältere Schüler haben Schwierigkeiten Deutsch zu lernen, sind anders sozialisiert und ihnen fällt es schwerer, sich zu integrieren im Gegensatz zu jüngeren Schülern.“

Migranten und Flüchtlinge suchten auch bei der Volkshochschule (VHS) an der Aktienstraße die Begegnung mit anderen Menschen. Die Teilnehmer der Alphabetisierungs- und Integrationskurse präsentierten auf Stellwänden ihre Gedanken zur Demokratie: Auffallend oft taucht Angela Merkel auf, aber ebenso werden Menschenrechte und Frieden genannt. Für VHS-Leiterin Annette Sommerhoff ist die Teilnahme am Demokratietag eine Selbstverständlichkeit: „Gerade für uns ist das Thema besonders wichtig im Rahmen unseres Programmbereichs ‚Politische Bildung‘.“

Bei der Awo ging es in Gesprächen um Armut, fehlende Kontakte und Hilfsbereitschaft

Kaum eine Rolle spielte die Debatte um Integration und Zuwanderung an den Stehtischen der Arbeiterwohlfahrt (Awo), konstatiert Michaela Rosenbaum. Vor allem viele ältere Mitbürger kamen an der Bahnstraße vorbei. In den Gesprächen ging es um Armut, fehlende Kontakte und Hilfsbereitschaft, so die Awo-Geschäftsführerin. Auf einer Pinnwand wurden die verschiedenen Meinungen zum Grundgesetz gesammelt. Unter anderem werden mehr Rechte und Toleranz für sexuelle Minderheiten gefordert: „Damit rechnet man vor einer Seniorenbegegnungsstätte nicht unbedingt.“

Auf dem Radschnellweg positionierte sich die Partnerschaft für Demokratie mit ihrem „Tisch der Grundgesetze“. „Viele Familien sind bei uns gewesen und haben sich mit ihnen wichtigen Artikeln aus dem Grundgesetz fotografieren lassen“, berichtet Annkatrin Boy vom Bildungsbüro der Stadt.

Abschluss des Demokratietages am Mülheimer Ringlokschuppen

Hin und wieder habe es negative Bemerkungen gegeben: „Zu längeren Gesprächen ist es mit diesen Leuten nicht gekommen“, bedauert Boy. Die Freiheiten, die das Grundgesetz bietet, möchten sie und ihre Mitstreiter mit ihrer Aktion in Erinnerung rufen: „Gerade weil wir heute so viele Bewegungen in rechter Richtung haben.“

Am Ringlokschuppen veranstaltete der Verein „Afro-Mülheimers“ seinen Afrikatag als Abschluss des Demokratietags. Neben kulinarischen Spezialitäten aus Angola und Kamerun gab es eine Diskussion zur Demokratie in Afrika und den europäischen Werten. Justin Fonkeu vom afrikanischen Verein wünscht sich mehr Demokratie von unten: „Die Leute müssen mehr selber mitgestalten und nicht die Politiker alles machen lassen.“ Unverständlich ist für ihn, wenn einige Bürger auf ihr Wahlrecht verzichten.

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