Verkehrspolitik

Neues Parkkonzept in Mülheims Südviertel schafft alte Sorgen

Stadt diskutiert mit Bürgern das neue Parkplatzkonzept für das Südviertel, v.l.: Peter Roedel (Ordnungsamt), Roland Jansen (Verkehrsplanung), Arnold Fessen (Bezirksbürgermeister), Christof Löchteken und Jörn Köhler (Verkehrsplanung).

Stadt diskutiert mit Bürgern das neue Parkplatzkonzept für das Südviertel, v.l.: Peter Roedel (Ordnungsamt), Roland Jansen (Verkehrsplanung), Arnold Fessen (Bezirksbürgermeister), Christof Löchteken und Jörn Köhler (Verkehrsplanung).

Foto: Michael Dahlke

Mülheim.   Stadt legt konsequentes Anwohnerparken für Südviertel vor. Nun beklagen Gewerbe und Mitarbeiter die Verdrängung. Gebührenpflichtige Plätze erhöht

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Es ist kaum ein Jahr her, da ächzten die Anwohner östlich der Kaiserstraße lautstark unter dem täglichen Parkchaos durch Innenstadtbesucher, Pendler, Angestellte und reichlich eigene Fahrzeuge. Zwei Bürgersitzungen berieten über eine Lösung: Anwohnerparken, wie es auch nebenan in der Altstadt üblich ist. In Rekordzeit ist die Verwaltung nun der Forderung von Bürgern und Politik begegnet. Zur Präsentation am Dienstagabend in der Realschule Stadtmitte aber zeigte sich: Das klare Konzept aus bezahlpflichtigen Parkplätzen und Anwohnerparken wird noch eine harte Nuss.

Denn kaum hat Verkehrsplaner Christof Löchteken den Entwurf ins Spiel gebracht, gibt es Kritik: Gewerbetreibende sehen sich als Vertriebene, Angestellte bangen um nahe Parkplätze, Anwohner darum, dass sie keine Besucher mehr empfangen können – oder sie nach vier Stunden Parkdauer vor die Tür setzen müssen. Der erneut lautstarke Protest geht so weit, dass ein Anwohner in der Aula empört eine regelrechte „Lobby“ des Gewerbes und der Betriebe vermutet.

Konzept ist für die Anwohner

Roland Jansen vom Amt für Verkehrsplanung stellt daraufhin noch einmal den politischen Auftrag klar: „Das Konzept ist pro Anwohner. Damit ist eine Priorität gesetzt: Sie haben es künftig näher, für alle anderen verlängern sich die Wege.“ Der Entwurf der Stadt erfindet das Parken nicht neu – dafür ist im dichten Viertel aus Wohnen, Gewerbe, Krankenhäuser und Schulen – längst kein Platz mehr. 1385 Stellplätze gibt es im öffentlichen Raum, davon sind 650 privat, 230 sind sogenannte Sonderstellplätze, gerade einmal 18 sind bewirtschaftet. Doch allein die Zahl der im Viertel gemeldeten Kfz liegt ein gutes Stück höher, bei 1677. „Wir haben nicht mehr Platz, wir können den Mangel nur verwalten“, stellt Jansen klar.

Die Verwaltung will daher im gesamten Gebiet Anwohnerparken einführen, erhöht aber gleichzeitig die Zahl der gebührenpflichtigen Stellplätze drastisch auf 323. Sie sind vor allem im Umfeld von Gewerbe, Polizei, technisches Rathaus und Krankenhaus, und auf zwei bis vier Stunden Parkdauer begrenzt. Gut 255 davon – an Muhrenkamp und Oberstraße – dürfen kostenlos von Anwohnern genutzt werden. 68 werden reine gebührenpflichtige Plätze. So bleiben für die Anwohner unterm Strich zwar weniger kostenlose Parkplätze übrig, der Anteil der für sie reservierten Parkplätze steigt dennoch.

Gewerbetreibende fühlen sich verdrängt

Wer jedoch als Angestellter kostenlos parken will, wird künftig seltener fündig, weil freie öffentliche Parkplätze nahezu halbiert werden; und er hat oft weitere Wege zu laufen. „Wird das Parken kontrolliert?“, fragt eine Anwohnerin, ein anderer vermutet den Versuch der Stadt, mit Bezahlparkplätzen die Haushaltslage aufbessern zu wollen. Jansen weist das empört zurück. „Ich fühle mich verdrängt“, schüttelt ein Gewerbetreibender den Kopf, der seit Jahren mit vier Mitarbeitern im Viertel ist. Eine Angestellte des Krankenhauses befürchtet: „Pflegekräfte können sich ihre Arbeitsstelle aussuchen, Parkplätze sind ein Argument.“

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