Poetry Slam

Poetry Slam: Die Besten der Szene zu Gast im Ringlokschuppen

Simeon Buß reiste aus Bremen zum Best of Slam im Mülheimer Ringlokschuppen an. Seine Performance war exemplarisch für den Balanceakt zwischen Blödelei und Tiefsinnigkeit.

Simeon Buß reiste aus Bremen zum Best of Slam im Mülheimer Ringlokschuppen an. Seine Performance war exemplarisch für den Balanceakt zwischen Blödelei und Tiefsinnigkeit.

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Die Besten der Poetry-Slam-Szene waren jetzt im Mülheimer Ringlokschuppen zu Gast. Es gab gute Unterhaltung, ab und zu Liebe und viele Worte.

Es ist keine einfache Aufgabe, den Spagat zwischen Entertainment und Nachdenklichkeit hinzubekommen. Den fünf Poetry Slammern beim Best of Slam im Ringlokschuppen ist es zum größten Teil geglückt. Die Spoken Word-Künstler haben sich im Programm der Kulturgut-Reihe einen festen Platz erkämpft. Zum achten Mal sind die Besten der noch recht jungen Slam-Szene in Mülheim zu Gast – mit einem stets wechselnden Line-up.

Mit 40 Jahren gehört man schon zur alten Garde der Poetry Slammer

Ein vertrautes Gesicht ist Sebastian 23, mit bürgerlichem Namen Sebastian Rabsahl genannt. Die 23 steht für das Alter, in dem er mit Poetry Slam begann. Inzwischen zählt er mit seinen 40 Lenzen zur alten Garde der Szene. Als Moderator führt er in salopp-freundlicher Art durch den Abend und trägt zudem zwei eigene Texte vor.

In „Gesprochene Verbrechen“ verzweifelt er an der Sinnhaftigkeit der deutschen Sprache, denn „keinem Gauleiter eitert der Gaul“. Der zweite Beitrag entwirft eine Utopie: Der Ausländer hassende Frank aus Thüringen verwandelt sich in den Retter eines syrischen Flüchtlingskindes.

Slammer Flemming Witt kreist bei seinem Auftritt um das Thema Liebe

Poetry Slammer Flemming Witt (24) aus Erfurt kreist bei seinem Auftritt um das Thema Liebe. „Aileen“ ist die Verarbeitung eines Liebesschmerzes, der ihn im Alter von sechs Jahren ereilte und sein Vertrauen in gelingende Beziehungen zutiefst untergrub. Kein Wunder, dass er sich ein neues Liebesobjekt suchte und dieses in Form einer Pizza Hawaii fand, der er eine Ode schrieb.

Aus Bremen zum Best of reiste Simeon Buß an. Seine Performance ist exemplarisch für den Balanceakt zwischen Blödelei und Tiefsinnigkeit. Er wünscht sich Menschen, die aufwachen aus ihrer schläfrigen Beschäftigung mit Belanglosigkeiten („10 Minuten Haare föhnen, 8 Minuten Spiegel gucken, 12 Minuten Insta checken“). Mit dem Text „Das Nichts, wovor man Angst haben muss“ riskiert er einen Blick auf das Ende des Lebens und resümiert, dass es kein Nichts geben kann nach dem Tod.

Zwei junge Damen aus Bochum und Berlin vertraten das weibliche Geschlecht

Das weibliche Geschlecht wurde von zwei jungen Damen vertreten: Rebecca Heims (23) aus Bochum wies mit zarten Tönen auf Übel hin. Die gebürtige Mainzerin fordert in ihrem Auftritt die gleichwertige Betrachtung von physischem und psychischem Schmerz („Alle Schmerzen sind real“). Der Text „Grenzposten“ zeigt auf, dass Grenzen nicht nur territorial bestehen. Besonders in unseren Köpfen werden sie errichtet. Und sie zu erhalten, „ist nicht nur dumm, sondern vor allem Scheiße“.

Leonie Warnke (28) kontrastiert die Performance ihrer Kollegin mit deftiger und lauter Sprache, die für großes Schenkelklopfen beim Publikum sorgt. Die in Berlin lebende Wortakrobatin widmet sich Alltagsproblemen wie der Entfernung des Achselhaars in Relation zu feministischen Positionen. Oder beschreibt das Schubladendenken anhand des Konsumangebots: „Frauen brauchen Peeling, Glanzkur, ein Körperöl für Cellulite, Shampoo und Duschgel. Männer brauchen nur ein Produkt: 5 in 1.“

Stelldichein der besten Poetry Slammer im Mülheimer Ringlokschuppen

Den Zuschauern wurde beim Stelldichein der besten Slammer einiges abgefordert: Manche Beiträge wirkten arg gehetzt im Duktus. Wer den Abend nutzte, um gut unterhalten zu werden, kam zu seinem Recht. Wer ihn als Anstoß nimmt, um sich mit dem Menschsein in der Welt auseinanderzusetzen, wurde – in den Worten von Simeon Buß ausgedrückt – mit Zeit beschenkt.

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