Diskussionsrunde zu Cannabis

Polizeipräsident würde auch Tabak und Alkohol verbieten

Jasmin Sprünken, Justizminister Thomas Kutschaty, Juso Christian Völlmecke  und Polizeipräsident Frank Richter (v.l.) diskutieren in der VHS..

Foto: Oliver Müller

Jasmin Sprünken, Justizminister Thomas Kutschaty, Juso Christian Völlmecke und Polizeipräsident Frank Richter (v.l.) diskutieren in der VHS.. Foto: Oliver Müller

Mülheim.   Justizminister Thomas Kutschaty lehnt eine Legalisierung von Cannabis ab. Und Polizeipräsident Frank Richter würde sogar Alkohol verbieten.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Mit NRW-Justizminister Thomas Kutschaty ist eine Legalisierung von Cannabis nicht zu machen. Und Polizeipräsident Frank Richter würde lieber Alkohol verbieten, als Marihuana legalisieren. Das ist das Ergebnis einer Diskussion, zu der die Jusos eingeladen hatten.

Mit Volksparteien über die Legalisierung von Cannabis zu sprechen, das sei wie mit den US-Republikanern über Klimawandel zu diskutieren, polterte es gleich zu Beginn von den Zuschauerplätzen des VHS-Foyers. Eine Podiumsdiskusion zur Marihuana-Legalisierung am Donnerstagabend wollte ein Gegenpol zu derartigen Vorwürfen bilden. „Wir wollen, dass Sie sich ihr eigenes Bild von dem Thema machen können”, betonte der Mülheimer Juso-Chef Christian Völlmecke. Einen Verfechter der Legalisierung hatte man jedoch nicht eingeladen, dafür diskutierten prominente Gesichter wie Polizeipräsident Frank Richter und NRW-Justizminister Thomas Kutschaty.

Nicht kriminell, sondern gesundheitsgefährdet

Dieser wies direkt daraufhin, wie intensiv man das Thema Cannabis-Legalisierung im Landtag diskutiere – und dass es in seiner Amtszeit bereits eine Lockerung der Gesetzte gegeben habe. „Wer Cannabis konsumiert, ist nicht kriminell, sondern gesundheitsgefährdet”, sagte Kutschaty.

Und eine vollkommene Legalisierung? „Ich würde den Versuch nicht machen wollen”, sagte Kutschaty. Denn den illegalen Verkauf könne man durch eine Legalisierung nicht bekämpfen. „Würde man Cannabis legal beziehen, wäre es sehr teuer. Der Schwarzmarkt würde also parallel zum legalen Verkauf existieren.” Außerdem sei die Fremdgefährdung durch Cannabis groß, es gebe „viele Auffälligkeiten zwischen Konsum und Kriminalität“.

Große Anzahl von Verkehrsunfällen

Der aggressiv-gefährliche Kiffer? Ein Bild, das bei den Zuhörern Kopfschütteln auslöste. „Es gibt kaum eine Diskussion, die von den Spitzenparteien so einseitig geführt wird, wie die Cannabis-Debatte”, meinte ein Zuschauer. Dennoch betonte auch Polizeipräsident Richter, dass ein Cannabis-Konsum konkrete Auswirkungen für alle habe. Dabei nannte er die große Anzahl von Verkehrsunfällen durch Berauschte als Beispiel und wies auf den hohen THC-Gehalt um die 20 Prozent in heutigen Grassorten hin.

Klar, aber stark betrunken Autofahren, das sollte man auch nicht, so das Publikum. Generell führe Alkohol viel eher zu Kontrollverlust und dadurch zu Gefährdung anderer. Ein Argument, das Frank Richter zu einer überraschenden Antwort bewegte: „Statt die Legalisierung von Cannabis zu fordern, sollten wir lieber sagen: Lasst uns Alkohol und Tabak auch verbieten.”

Diskutant Thomas Libera, der als Sport- und Freizeitpädagoge bei der Graf Recke Stiftung viel Kontakt mit konsumierenden Jugendlichen hat, wies auf den Widerspruch durch Akzeptanz von Alkohol hin. „Es ist schwierig, Jugendliche über die Risiken von Cannabis zu belehren, wenn wir Zugänglichkeit von Alkohol und Tabak haben.” Ohnehin sei die Zigarette die viel häufigere Einstiegsdroge für Jugendliche.

Prävention verstärken

„Ob legal oder nicht – wer es ausprobieren möchte, wird es ausprobieren”, sagte Jasmin Sprünken vom Awo- Drogenhilfezentrum Mülheim. Die Prävention sei darum sehr wichtig. Zustimmung von Frank Richter: „Es muss ein Gleichgewicht zwischen Prävention und Repression geben.” Auch Thomas Kutschaty betonte: „Die Risiken von Cannabis-Konsum sollten in den Schulunterricht jedweder Art”.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (2) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik