Talent Award

Robotik-AGs: Mülheimer Lehrer mit Talent-Award ausgezeichnet

Mark Bienk ist mit dem „TalentAward Ruhr“ ausgezeichnet worden – für die Förderung „seines Talents“ Sophie Kahlmeyer.

Mark Bienk ist mit dem „TalentAward Ruhr“ ausgezeichnet worden – für die Förderung „seines Talents“ Sophie Kahlmeyer.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Mark Bienk von der Gesamtschule Saarn hat den „TalentAward Ruhr" bekommen. Mit seinen Robotik-AGs und Kursen fördert er vor allem Mädchen.

Technik ist nichts für Mädchen? Ein Klischee, das schon lange überholt ist. Sogar das Gegenteil sieht Mark Bienk: „Mädchen sind effektiver.“ Der 52-Jährige ist Lehrer an der Gesamtschule Saarn, seit fünf Jahren leitet er die Robotik-AG, die sich seitdem nicht nur zum Projektkurs für die Q1 ausgeweitet hat, sondern von der auch Mülheimer Grundschulkinder profitieren – mit einer hohen Mädchenquote. Nun hat Mark Bienk als Talentförderer zusammen mit „seinem Talent“ Sophie Kahlmeyer den „TalentAward Ruhr“ gewonnen.

„Wir sind mächtig stolz“, sagt Schulleiterin Claudia Büllesbach. Denn der Preis ist nicht nur mit 5000 Euro dotiert, er ist vor allem eine Auszeichnung für die steten Bemühungen von Mark Bienk und die Unterstützung der Schule. Das Besondere ist die Bildungskette, die dahinter steckt: Studenten der Uni Duisburg-Essen machen die Oberstufenschüler nicht nur fit in Sachen Technik, sondern zeigen ihnen auch, wie sie dieses Wissen weitergeben können, machen sie zu Lego-Mindstorm-Coaches.

Q1-Schüler der Gesamtschule Saarn leiten Robotik-AGs und -Workshops

Denn es sind die Q1-Schüler, die zum einen AGs in den fünften und sechsten Klassen an der Gesamtschule halten, zum anderen Workshops und AGs für Grundschüler anbieten und dabei mit der Technik von Lego arbeiten. Sophie Kahlmeyer ist eine Frau der ersten Stunde. Sie hat von Beginn an den AGs teilgenommen, hat den Projektkurs in der Oberstufe absolviert und hat in diesem Semester ein Medizintechnik-Studium an der Hochschule Ruhr-West begonnen.

„Es ist eine tolle Möglichkeit, etwas mit Technik zu machen, das nicht dem Klischee ‘Frauen und Technik’ entspricht“, sagt die 19-Jährige, die in diesem Jahr ihr Abitur gemacht hat. Und es sei spannend gewesen, auch anderen etwas beizubringen.

Trennung von Jungs und Mädchen: „Deutlicher Unterschied“

Da gehe es dann auch um ganz andere Kompetenzen, sagt Mark Bienk: „Die Schüler tragen viel Verantwortung, müssen selbstbewusst, pünktlich und zuverlässig sein.“ An den Grundschulen bieten er und seine Schüler getrennte Workshops und AGs für Mädchen und Jungen an, wenn es gewünscht ist. Denn die Erfahrung habe gezeigt, dass es einen deutlichen Unterschied macht, ob Jungs dabei sind oder nicht. „Jungs lesen keine Bedienungsleitung und hören nicht zu“, sagt Bienk lachend. Da seien die Mädchen konzentrierter – und damit oft effektiver. Sie trauen sich oft mehr, wenn sie unter sich sind.

Und so erzählt die 18-jährige Alexandra Fröhlich begeistert, was so ein Roboter kann: Programmiert wird er per Bluetooth über ein Netbook. Zunächst lernen die Kinder, wie sie Standardsteuerungsblöcke einbauen, die dem Roboter sagen, er solle geradeaus fahren, nach links oder rechts abbiegen. „Die Viertklässler können schon gut mit der Technik umgehen“, sagt Alexandra Fröhlich. „Sie sind manchmal schneller als Oberstufenschüler.“

Nächste Stufe: Humanoide Roboter

Komplizierter wird es, wenn es um den Einbau und die Programmierung von Sensoren geht, zum Beispiel, dem Roboter beizubringen, dass er zehn Zentimeter vor ihr stehenbleibt, wenn er eine Wand wahrnimmt. Bei der Robot Competition (Robocom) in Gelsenkirchen, einer der zahlreichen Wettbewerbe, an denen Mark Bienk und seine Schüler schon teilgenommen haben, sollte der Roboter einer schwarzen, geschlängelten Linie folgen und an deren Ende einen Ball über eine Mauer ins Tor schießen. Die Saarner Gesamtschüler waren ein Team von zweien, denen die Lösung der Aufgabe überhaupt gelang.

22 Roboter besitzt die Schule bislang, dazu über 30 Netbooks und ein Spielfeld, auf dem sich die kleinen Maschinen bewegen – finanziert durch vorherige Förderungen und Auszeichnungen. 800 bis 900 Euro kosten Roboter und Netbook zusammen. Mit dem gerade gewonnen Preisgeld soll zum einen das Robotik-Angebot für die Mittelstufe ausgebaut werden. Zum anderen würde Mark Bienk gerne technisch auf die nächste Stufe steigen: mit humanoiden Robotern, also solchen, die Menschen nachempfunden sind.

Mark Bienk ist Preisträger des TalentAwards Ruhr
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