Lindgens-Areal

Lindgens-Areal am Kassenberg: So soll die Bebauung aussehen

So sieht der städtebauliche Entwurf von Reicher Haase Assoziierte und dem Büro „club L94“ mit Blickrichtung von der Ruhr hin zum Kassenberg aus.

So sieht der städtebauliche Entwurf von Reicher Haase Assoziierte und dem Büro „club L94“ mit Blickrichtung von der Ruhr hin zum Kassenberg aus.

Foto: Entwurf: Reicher Haase Assoziierte

Mülheim.  Seit 2011 sind die Projektentwickler der SMW Eigentümer des Lindgens-Geländes am Kassenberg. Jetzt liegt ein städtebaulicher Entwurf vor.

Die Sieger des städtebaulichen Wettbewerbs zur Entwicklung des 42.000 Quadratmeter großen Areals der ehemaligen Lederfabrik Lindgens am Kassenberg stehen fest: Die Jury entschied sich für den Entwurf des Büros „rha reicher haase associierte“ (RHA, Aachen) und des Landschaftsarchitekturbüros „club L 94“ aus Köln.

Die Wettbewerbspartner sind von der Jury, in der auch Vertreter von Stadtverwaltung und Politik vertreten waren, einstimmig aufs Siegerpodest gehoben worden. Bei einer Präsentation des städtebaulichen Entwurfs erläuterte Nikolai Werner, der bei RHA für das Wettbewerbsprojekt verantwortlich zeichnete, am Montag in der Kundenhalle der Mülheimer Sparkasse Details zum städtebaulichen Konzept, das nun Basis werden soll für einen städtebaulichen Rahmenplan und später für einen Bebauungsplan.

Vier Wohnblöcke mit Innenhöfen sollen an den Ruhrauen entstehen

Dem Aachener Büro war eine klare Struktur in der Mischung aus Gewerbe und Wohnen wichtig. Zur Ruhr hin plant das Büro mit vier Wohnblöcken, die jeweils mit eigenen Innenhöfen eine eigene Identität entwickeln sollen. Drei bis fünf Geschosse hoch soll die Bebauung werden. Zwischen den Wohnblöcken sind einerseits private Zuwegungen zur Ruhraue vorgesehen, im zentralen Bereich aber auch eine öffentliche. Das Extra an dieser Stelle: Der Heubach soll wieder an die Oberfläche geholt werden und durch den Grünstreifen mäandern.

Im Übergang von neuer Wohnbebauung zum erhaltenswerten Bestand der alten Lederfabrik, wo gewerbliche Nutzungen möglich werden sollen, hat das Büro RHA einen zentralen Quartiersplatz angeordnet: den Lindgens-Platz. Wie es Wettbewerbs-Vorgabe war, haben Städteplaner und Landschaftsarchitekten an dieser Stelle auch eine Zukunft des von den Investoren ungeliebten Denkmals aus Kesselhaus und markantem Lindgens-Schornstein skizziert – samt möglichem Anbau, der laut Planungsamtsleiter Felix Blasch noch verschiedenste Nutzungen möglich machen könnte.

Baudezernent Vermeulen: Alle Aufregung, die mal war, ist verflogen

Baudezernent Peter Vermeulen, der 2017 wegen Differenzen mit den Investoren gar eine Untätigkeitsklage der SMW provozierte, gab sich am Dienstag im Gespräch mit dieser Zeitung zuversichtlich, dass ein Erhalt der Denkmäler möglich ist. „Es macht den Charme des Geländes aus und bildet einen Identifikationspunkt.“ Vermeulen sieht mittlerweile eine „harmonische Zusammenarbeit“ zwischen Verwaltung und Investoren: „Alle Aufregung, die mal war, ist verflogen.“

Während andere Wettbewerbsteilnehmer für das Kesselhaus hochtrabende Pläne formulierten, etwa für eine Kulturfabrik mit Theater, Tanz, Bibliothek und „Foodmarket“ oder einen Jugendtreff, haben die Planer von RHA zunächst einmal „nur“ ein Quartiers-Café als Vision skizziert. Alles andere ist laut SMW-Geschäftsführer Jürgen Steinmetz auch wenig realistisch. Wer solle so etwas umsetzen, fragte er.

MWB-Vorstand: Öffentlich geförderte Wohnungen nur, wenn genug Geld zur Verfügung gestellt wird

Die Wohngebäude lassen laut SMW unterschiedliche Grundrisse im Geschosswohnungsbau zu, so dass sich Familien, Paare und Singles in Miet- und Eigentumswohnungen wiederfinden könnten. Offen ließ Investor SMW, ob es bei der Ankündigung bleibt, dass 30 Prozent der Wohnungen öffentlich geförderte sein werden. „Wenn es keine ausreichenden Fördermittel dafür gibt, werden wir auch keine bauen“, so MWB-Vorstand Frank Esser.

Darüber sei aber sicher erst in zwei Jahren, nach Abschluss des Bebauungsplanverfahrens, zu diskutieren. Baudezernent Vermeulen, der in Hamburg weilte, unterstrich noch einmal, dass Mülheim aus seiner Sicht einen solchen sozialen Wohnungsbau nicht brauche. „Wenn die Investoren es aber freiwillig machen, gerne.“

Verkehrliche Erschließung über Mintarder Straße und Kassenberg

Zur verkehrlichen Erschließung im Nadelöhr am Kassenberg: RHA planen im Norden mit einem Anschluss an die Landesstraße 223, im Süden ist eine Zuwegung über die Mintarder Straße angedacht. Dort ist im Anschluss an ein bestehendes Lager- ein größeres Parkhaus vorgesehen. Drei der vier Wohnblöcke sollen zudem eine Tiefgarage erhalten.

Der Entwurf zeichne sich aus durch eine klare räumliche Gliederung und eine Entzerrung von Gewerbe und Wohnen, die doch harmonisch miteinander korrespondieren“, geben die SMW-Investoren (Sparkasse, Mülheimer Wohnungsbau) die Begründung zur Jury-Entscheidung wieder. Das Preisgericht habe besonders die großzügigen Freiräume und die vier Wohnareale gewürdigt.

Erste Debatten-Vorlage soll es für den Planungsausschuss am 4. Juli geben

Die Wohnbereiche sollen in eigenständigen Bauabschnitten errichtet werden können. Das, so ist Joachim Haase als geschäftsführender Gesellschafter bei RHA überzeugt, sei ein stabiles Grundgerüst, das den anstehenden Diskussionen auch mit der Planungspolitik standhalten könne.

Planungsamtsleiter Blasch kündigte an, „schnell in eine verbindliche Bauleitplanung“ einsteigen zu wollen. Mit einer ersten Vorlage für den Planungsausschuss am 4. Juli.

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