Fahrradklimatest

Die Stimmung bei Radfahrern in Mülheim verschlechtert sich

Mit dem Radschnellweg soll in Mülheim vieles besser werden. Um die Ostertage soll er auch jenseits der Ruhr befahrbar sein.

Mit dem Radschnellweg soll in Mülheim vieles besser werden. Um die Ostertage soll er auch jenseits der Ruhr befahrbar sein.

Foto: Martin Möller

Mülheim.  Beim Fahrradklimatest gibt es für Ampelschaltungen, Baustellenführung und die Kontrolle von Falschparkern auf Radwegen ein glattes Mangelhaft.

Das Klima für Fahrradfahrer hat sich in der Selbstwahrnehmung verschlechtert. Das zeigen die gestern vom ADFC, dem Interessenverband der Radfahrer, präsentierten Ergebnisse des Fahrradklimatestes, an dem sich im vergangenen Herbst 418 Befragte beteiligt haben. Als Gesamtnote bei insgesamt 27 Kriterien zu den Themen Sicherheit, Komfort und Stellenwert des Fahrrades steht ein schwaches Ausreichend (4,21). Damit ist die Stimmung gefallen und ist im Vergleich zu anderen Städten dieser Größe unterdurchschnittlich. Bundesweit liegt Mülheim auf Rang 29 von 41 und in NRW auf 9 von 14.

Bei vier Punkten gibt es als Schulnote ein Mangelhaft: Ampelschaltungen, Baustellenführung, Ahndung von Falschparkern auf Radwegen und Winterdienst. Das überrascht nicht. Immer wieder gibt es Klagen, dass die Wartezeiten, etwa an der Mühlenbergkreuzung, zu lange sind und Radfahrer nicht in einer Grünphase über die Kreuzung kommen. Auch Baustellen waren wiederholt ein Thema. An der Thyssenbrücke konnte das Tiefbauamt aufgrund der beengten Platzverhältnisse überhaupt keine Lösung anbieten. Das hieße: über Monate müssten dort Radfahrer absteigen und eine längere Stecke schieben.

Erreichbarkeit des Stadtzentrums nur befriedigend

Bei sechs weitere Punkten gibt es durch Abrundungen ein Mangelhaft: dazu zählt das Sicherheitsgefühl im Straßenverkehr, Konflikte mit dem Autoverkehr und der Zustand der Radwege. Auf der positiven Seite gibt es nur eine Frage, die mit einem äußerst schwachen Gut bewertet: die Bereitstellung von Leihrädern (2,6). Die von Radlern in Gegenrichtung befahrbaren Einbahnstraße und die Erreichbarkeit des Stadtzentrums erhielten beide nur ein schwaches Befriedigend.

Zentrale Fragen, ob sich Radfahrer als Verkehrsteilnehmer ernst genommen fühlen (4,3) und ob Radfahren Spaß oder Stress ist (3,6), werden sehr zurückhaltend bewertet. Erstmals fragte der ADFC fünf Kriterien zur Familienfreundlichkeit ab, die allesamt abgerundet zu einem Mangelhaft (4,6 bis 4,7) führen. Zum Beispiel: Kann man Kinder im Grundschulalter ohne schlechtes Gewissen allein Rad fahren lassen?

4,25 Millionen in neue Radverkehrsanlagen

Beim letzten Test in 2016, an dem sich mit 330 Befragten 82 weniger beteiligten, hatte die Stadt mit einer glatten Vier abgeschnitten. Die Note Mangelhaft musste fünf Mal vergeben werden. Insgesamt ist seit 2012 bei den meisten Fragen eine Verschlechterung festzustellen. Die Fahrradförderung der Stadt in jüngster Zeit wurde damals mit einem Befriedigend bewertet. Immerhin hat sich die Stadt zum Ziel gesetzt, mindestens zehn Prozent des Straßenbauetats in eigenständige Radwegeprojekte zu investieren.

2018 steckte sie laut Helmut Voß vom Tiefbauamt 4,25 Millionen in neue Radverkehrsanlagen. Pro Kopf sind das 24,98 Euro. „Das ist erste Liga“, sagt Voss. Ohne Radschnellweg, der durch Zuwendungen des Landes und des RVR finanziert wird, bleiben allerdings 590.000 Euro. „Das ist im Städtevergleich auch noch gut“, findet er. Dieses Signal hatte für die Zukunft hoffen lassen.

Positive Rückmeldungen zum Winterdienst

Doch obwohl die für die Stadt wichtigste Etappe des RS 1 nun unmittelbar bevor steht, wird die Leistung der Stadt viel zurückhaltender eingeschätzt und erreicht nur noch eine 3,7. Voss hatte gespürt, „dass die Stimmung schlechter geworden ist“ und war deshalb von dem Ergebnis nicht allzu überrascht. Er räumt ein, dass die Unzufriedenheit mit dem Fahrradlift dabei eine Rolle spielen könnte.

Bei der Frage, ob Radfahren eher Spaß oder Stress sei, ging die Zustimmung seit 2012 um eine halbe Note auf 3,6 zurück; ähnlich hoch ist der Rückgang bei der Frage der Akzeptanz als Verkehrsteilnehmer, wo Radfahrer nur mit einem schwachen Befriedigend antworten. Das deutet auf großen Frust. Bei der Frage des Winterdienstes sei aber bereits eine Besserung eingetreten. Die MVG habe Radwege im vergangenen Winter ins Programm aufgenommen. „Wir haben positive Rückmeldungen erhalten“, so Voß.

>>> Bundesweite Umfrage seit 2012

Der ADFC stellt seit 2012 bundesweit die gleichen Fragen und sortiert beim Ranking die Orte nach Größenklassen, so dass ein Vergleich möglich ist. Alle Ergebnisse: fahrradklima-test.de

Bei den 27 Fragen handelt es sich um subjektive Einschätzungen, etwa nach dem Sicherheitsgefühl. Deshalb handelt es sich bei den Antworten immer um Momentaufnahmen. Es gibt auch Dinge, die sich objektiv nicht verändert haben (Anzahl der geöffneten Einbahnstraßen), aber schlechter beurteilt werden.

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