Vor 25 Jahren

Verheerendes Flugzeugdrama

Beim Aufprall war die Maschine in tausend Einzelteile zerschellt. Über einen Kilometer verbreitet lagen Wrackteile herum.

Foto: Stadtarchiv

Beim Aufprall war die Maschine in tausend Einzelteile zerschellt. Über einen Kilometer verbreitet lagen Wrackteile herum. Foto: Stadtarchiv

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Mülheim/Mintard. Es herrscht ein Schneegewitter an diesem Morgen über dem Ruhrtal. In Hannover startet der Flieger D-CABB, ein voll besetzter Metroliner, mit 21 Menschen an Bord. Ziel ist Düsseldorf. Die Maschine hebt mit etwas Verspätung ab, sie muss enteist werden. Es ist bitterkalt in diesen Tagen. Über Mülheim, beim Anflug auf Düsseldorf, gerät D-CABB mitten die Gewitterfront. Blitze und Hagel wirbeln durch die Luft. Um 7.57 Uhr verschwindet das Flugzeug plötzlich vom Radarschirm der Flugsicherung. Der Funkkontakt bricht ab. Kurz nach 8 Uhr erschüttert ein gewaltiger Knall nicht nur Mintard, „er ist bis in die Innenstadt zu hören“, erinnern sich noch heute Zeitzeugen. Am 8. Februar vor 25 Jahren ereignete sich unweit der Ruhrtalbrücke eines der größten Luftfahrtunglücke in Deutschland – mit 21 Toten.

Gespenstische Szenerie

Das Flugzeug prallt in den Ruhrwiesen auf, es zerschellt in tausend Einzelteile. Über einen Kilometer verstreut liegen die Trümmerteile. Volker Wiebels, Sprecher der Stadtverwaltung, erinnert sich noch genau an den Morgen. Er war auf dem Weg zur Arbeit, einer der ersten an der Unglücksstelle, noch bevor die Feuerwehr vor Ort war. Er schildert eine gespenstische Szenerie im Schneegestöber. „Es war unheimlich still plötzlich, bedrückend“, sagt er. „Wie ein Stein vom Himmel ist das Flugzeug gefallen“, berichteten damals drei Straßenwärter als Augenzeugen den WAZ-Reportern.

Einen regelrechten Krater hat die Maschine in den Boden gebohrt. Zu retten gibt es nichts mehr. Rauchende Wrackteile, verstümmelte Körper, Gepäckstücke verteilen sich auf dem sumpfigen Boden. Zwei erfahrene Berufspiloten hatten die Maschine geflogen und wohl noch Schlimmeres im letzten Moment verhindert. Kurz vor den Wohnhäusern soll der Pilot das Flugzeug noch einmal hoch gerissen haben.

Fassungslosigkeit und Trauer

In der Stadt herrscht Fassungslosigkeit, Trauer. Oberstadtdirektor Heinz Hager, der vor Ort ist, zeigt sich entsetzt: „Wie im Krieg“, sagte er damals. Ministerpräsident Johannes Rau hört die Nachricht im Autoradio, erscheint vor Ort, tief betroffen: „Das ist unfassbar. Meine Gedanken sind bei den Angehörigen.“ Es sind Menschen aus Niedersachsen, die an diesem Morgen ihr Leben verloren haben, darunter Ingenieure der Firma Bahlsen, die zur Messe nach Düsseldorf wollten.

Was hat zu der Katastrophe geführt? Mit hoher Wahrscheinlichkeit , so die untersuchende Staatsanwaltschaft, habe ein Blitzschlag zu dem Drama geführt. Dieser soll das elektrische Bordsystem komplett lahmgelegt haben. Die Umschaltung auf Notstromversorgung, über die jedes Flugzeug verfügt, soll etwa 15 Sekunden dauern. Für den Metroliner war dies in dem Unwetter eine zu lange Zeit.

Vermutungen zerschlugen sich

Sogar an einen Anschlag hatte man anfangs gedacht. Oder auch darüber spekuliert, ob der Pilot vielleicht das Gewitter unterfliegen wollte. Oder ob er versehentlich den Landeplatz in Mülheim angepeilt habe. Doch diese Vermutungen zerschlugen sich.

Den ganzen Tag werden die Toten geborgen und in die Gerichtsmedizin nach Essen gebracht, die Identifizierung gestaltet sich äußerst schwierig. Am späten Abend ist die Unglücksstelle mit Flutlicht hell erleuchtet. Reporter berichteten: „Der Strom der Schaulustigen reiß nicht ab.“

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