Schützenwesen

Kreisoberst: „Wir sind auf Frauen angewiesen“

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Foto: WP Ted Jones

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Arnsberg/Sundern. Entsetzt reagierten heimische Schützenvereine auf die Ankündigung der Finanzbehörden, solchen Vereinen die Gemeinnützigkeit zu entziehen,die keine Frauen als Vereinsmitglieder aufnehmen. NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans ruderte aber heute zurück. Das Thema sei vom Tisch. Gleichwohl bleibt ein fader Beigeschmack. Unsere Zeitung sprach mit Dietrich-Wilhelm Dönneweg, Oberst des Kreisschützenbundes Arnsberg.
Wie war Ihre erste Reaktion, als Sie den Brief des Finanzamtes Meschede an den Sauerländer Schützenbund lasen? Dietrich-Wilhelm Dönneweg: Ich dachte zunächst an einen Karnevalsscherz und dann nur noch: „Welch ein grober Unfug der Finanzbehörde!“ Unsere Schützenvereine, Bruderschaften und Gesellschaften handeln seit vielen Jahren eindeutig gemeinnützig. Schützenwesen ist weitaus mehr als Schützenfest feiern. Die Schützenvereine sind in ihren Stadtteilen und Dörfern fest verankert und bilden zusammen mit den anderen Vereinen ein unentbehrliches soziales Netzwerk vor Ort. Und dies alles aufgrund ehrenamtlichen Engagements.

Der Finanzminister hat die Option auf Entziehung der Gemeinnützigkeit zurückgezogen, gleichwohl betont er, dass es nicht mehr in eine aufgeklärte Zeit passe, wenn Frauen in einem Verein zur Förderung und Pflege von Kultur und Tradition die Mitgliedschaft verwehrt werde. Was sagen Sie dazu?
Hier muss man sich die Satzung jedes einzelnen Vereins genau anschauen. Es gibt Vereine wie die Neheimer Bruderschaft, in dem Frauen schon seit einigen Jahren als Mitglieder aufgenommen werden. Es gibt aber auch Vereine mit Satzungen, die die Frauen-Mitgliedschaft zwar nicht explizit vorsehen, aber auch nicht ausdrücklich verbieten. In der Praxis sieht es doch häufig so aus: Viele Frauen engagieren sich dankenswerterweise in den Schützenvereinen - ohne dass direkt die Mitgliedsfrage im Verein gestellt wurde. Mit Blick auf Satzungsangelegenheiten in den Vereinen kann ich nur sagen: Jeder Verein, jede Bruderschaft, jede Gesellschaft soll autonom über die Frage der Frauen-Mitgliedschaft entscheiden. Vom Kreisschützenbund gibt es hierzu keine Vorschriften Und Ihre persönliche Meinung zur Frauen-Mitgliedschaft in den Schützenvereinen?
Ich befürworte Frauen-Mitgliedschaften, denn wir sind auf die Frauen in den Schützenvereinen angewiesen. Wenn Frauen nicht mitmachen würden, könnten wir viele sozialen Leistungen in Stadtteilen und Dörfern nicht stemmen.

Wie erklären Sie sich den Rückzieher des Ministers?
Minister Walter-Borjans hat sicher auf den Protest der Schützen und auch auf den politischen Druck seitens der CDU reagiert. Die ministerille Einsicht könnte ich mir auch so erklären: Auch Schützen sind Wähler und werden beim Kreuz in der Wahlkabine überlegen, wem sie ihre Stimme geben. Bei einem möglichen Verlust vieler Wähler-Stimmen rudert eine Landesregierung lieber zurück.

HINTERGRUND

Obristentagung erörtert ministeriellen Wirbel

Die Tatsache, das das NRW-Finanzministerium anfangs die Entziehung der Gemeinnützigkeit erwogen hat, wird die Schützen weiter beschäftigen. Dies wird ein Thema bei der Obristentagung des Kreisschützenbundes Arnsberg sein, die am Dienstag, 26. Januar, um 20 Uhr in der Hachener Schützenhalle stattfindet

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