Schulsozialarbeit

40 Mädchen aus fünf Grundschulen nehmen einen Rap-Song auf

40 Mädchen üben und singen in der Concordia-Schule in Oberhausen einen Rap-Song. Im Rahmen des Programms „Starke Mädchen“ der Awo soll das Selbstbewusstsein der Mädchen gestärkt werden.

40 Mädchen üben und singen in der Concordia-Schule in Oberhausen einen Rap-Song. Im Rahmen des Programms „Starke Mädchen“ der Awo soll das Selbstbewusstsein der Mädchen gestärkt werden.

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE FotoServices

Oberhausen.  40 Mädchen nehmen für das Projekt „Starke Mädchen“ einen Rap-Song auf. Schulsozialarbeiter unterstützen sie auf dem Weg zu mehr Selbstvertrauen.

40 Mädchen aus fünf Oberhausener Grundschulen haben einen eigenen Rap-Song aufgenommen: Sie haben selbstbewusst gereimt und ihre bunte Mädchengruppe auf diese Weise zusammengeschweißt. Denn Selbstvertrauen ist ein wichtiges Thema beim „Starke Mädchen“-Projekt: Zum vierten Mal seit 2016 zeigen Schulsozialarbeiter der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Mädchen aus fünf Grundschulen, wie sie in wöchentlichen AGs selbstbewusster werden, ihre Ängste überwinden und ihren Zusammenhalt stärken.

Dafür besuchen die Drittklässler in den Herbstferien gemeinsam Orte wie den Hochseilgarten am Gasometer oder den Kaisergarten, wo sie zum Beispiel über Stangen balancieren, die sie gegenseitig festhalten. Was aber macht starke Mädchen aus? Astrid Lindgren‘s Ronja Räubertochter und Pippi Langstrumpf sind zwei starke Mädchen – und ohne Zweifel zwei Klassiker der Kinderbuchliteratur. Die Abenteuer basieren allerdings auf Heldinnen, die „gar nicht wie Mädchen“ sind. Mut beweisen wirkt bei ihnen immer irgendwie jungenhaft und auch wenn das wundervolle Geschichten sind, die weitergelesen werden sollten — in Oberhausen schreiben „starke Mädchen“ ihre Texte lieber mutig selbst.

Aus Fremden werden Freundinnen

Und das war auch das Bonbon in diesem Jahr: Mithilfe der „Rap-School-NRW“ nehmen die starken Mädchen sogar einen eigenen Rap-Song auf, der ihre Frauenpower belegen soll. Wer schreibt aber den Text? Starke Mädchen sind offenherzig und halten zusammen: „Die Hookline (Refrain) gefällt mir ganz besonders gut“, sagt Nadine Wilde auf dem Pausenhof der Concordiaschule. Die 26-jährige Awo-Betreuerin gibt sich Mühe, den Rhythmus einzuhalten: „Gemeinsam verändern wir die Welt, machen sie wie sie uns gefällt!“ Gemeinsam? Viele der Mädchen kenne sich erst seit Beginn der Ferien – doch schon jetzt sei der Zusammenhalt deutlich spürbar, sagt Nadine Wilde stolz.

Im Flur der Concordiaschule rappen Marielle und Amy derweil im gleichen Takt. „Starke Mädchen wunderbar. Halten zusammen! Ist doch klar!“ Der Beat aus den Boxen der Anlage läuft auf Repeat und wiederholt sich ständig. Die beiden Achtjährigen blicken sich beim Üben ihres Textes in die Augen. Eigentlich raten die Betreuer von der Awo davon ab – schließlich seien die Nachwuchs-Rapper so durch den anderen schneller abgelenkt. Amy und Marielle können aber nicht anders.

„Das passiert fast automatisch – weil wir alles zusammen machen“, sagt Marielle. Amy nickt und bestätigt. „Ja, wir sind beste Freundinnen.“ Hinter den beiden geht die Tür zur „Katzenklasse“ langsam auf. Zwei andere Mädchen verlassen sichtlich zufrieden mit einem breiten Grinsen im Gesicht den Raum.

Das Tonstudio in der Katzenklasse

Wo sonst im Unterricht eher Ruhe herrschen sollte, ist jetzt ein mobiles Tonstudio installiert. Dass die beiden Mädchen die Klasse verlassen, heißt vor allem, dass eine Strophe mehr fertig ist. Und weil jedes Mädchen einen Sprechgesangs-Part übernimmt, sind auch Marielle und Amy bald dran. Der Titel des Rap-Songs ist indes rasch gefunden: „Starke Mädchen“ wird er heißen und ist rund dreieinhalb Minuten lang.

Rap-Profi Daniel Schneider von der Rap-School-NRW mischt und produziert das Ganze. Im zum Tonstudio umfunktionierten Klassenzimmer herrscht absolute Stille, damit jede Rapperin ihre Aufnahme ohne Störgeräusche durchziehen kann.

Letzter Feinschliff vor der Aufnahme

Als Probenraum nutzen Rahf und Elijesa (beide 9) deshalb den Flur. Die beiden Drittklässlerinnen schwärmen von der Schweizer Rapperin Loredana, die mit ihrem Debüt-Album „King Lori“ Anfang September auf Platz drei in die deutschen Charts eingestiegen ist und bei Youtube mit Songs wie „Sonnenbrille“ groß wurde. „Ich mag auch noch Mero, Fero und Eno“, zählt Rahf weitere Vorbilder auf. Sie und Elijesa wirken selbstbewusst und wippen mit dem Oberkörper zum Takt wie Rapper von der „West Coast“. Kurz bevor ihre Namen aufgerufen werden, hören beide plötzlich auf zu üben. Die Stimme müsse geschont werden, sagen sie. Wer stark ist, kennt eben auch seine Schwächen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben