Versuchter Mord

61-Jährige soll Mutter Messer in den Rücken gestoßen haben

Den Fall verhandeln die Richter am Duisburger Landgericht.

Den Fall verhandeln die Richter am Duisburger Landgericht.

Foto: Stephan Eickershoff / FUNKE Foto Services

Oberhausen/Duisburg.  Eine offenbar psychisch kranke Frau muss sich wegen versuchten Mordes verantworten. Sie soll ihre Mutter mit einem Messer attackiert haben.

Als eine 95-Jährige am 12. Januar nach einem kurzen Spaziergang in ihr Haus in Borbeck zurückkehrte, erwartete sie eine böse Überraschung: Ihre eigene Tochter soll ihr im Flur aufgelauert und ihr heimtückisch ein Messer in den Rücken gerammt haben. Die Waffe blieb stecken und wurde im Krankenhaus chirurgisch entfernt.

Seit gestern steht die 61-Jährige wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht Duisburg. Dass die Frau möglicherweise nicht ganz gesund ist, machte schon der Auftakt des Verfahrens deutlich. Bei der Vereidigung der Schöffen hob die 61-Jährige ebenfalls ihre rechte Hand. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die psychisch schwer gestörte Frau schuldunfähig ist. Gegenstand des Verfahrens ist der Antrag, die Beschuldigte zum Schutz der Allgemeinheit dauerhaft in einem psychiatrischen Krankenhaus unterzubringen.

„Sie ist doch mein Kind“

Zur Sache wollte sich die 61-Jährige nicht äußern. „Ich streike“, erklärte sie dem Vorsitzenden. Das sei ihr gutes Recht, kommentierte der trocken. Als schwierig erwies sich die Vernehmung der Geschädigten. Die 95-Jährige, die in einem Rollstuhl in den Saal geschoben wurde, hört schlecht und schien mit der Situation hoffnungslos überfordert. „Ich habe Angst“, gestand die Rentnerin. „Was soll ich denn jetzt tun? Sie ist doch mein Kind.“

Während der Zeugenbelehrung wechselte der Richter den Platz und setzte sich näher an den Zeugenstand. Als auch das nichts nützte, zog er die Robe aus und versuchte der alten Dame in einem Gespräch auf dem Flur zu vermitteln, dass sie zwar Angaben machen könne, aber nicht gegen ihre Tochter aussagen müsse. Die 95-Jährige schien zunächst mit einem Kompromiss einverstanden: Sie erklärte sich mit der Verlesung ihrer polizeilichen Aussage einverstanden. Nachdem die Beschuldigte beschwörend „Keine Angaben“ in den Saal gerufen hatte, blockte die 95-Jährige aber ganz ab.

Opfer schleppte sich in Wohnung

Nach der Tat hatte sie sich noch in ihre Wohnung geschleppt, einen Arzt gerufen und eine Nachricht für eine Nachbarin geschrieben. Darin heißt es, die Tochter habe sie mit einem Messer gestochen. „Sie hat einen Anfall gehabt“, notierte die Mutter. „Erkundige dich bitte, in welchem Krankenhaus ich bin.“ Für das Verfahren sind bis Mitte Juli zwei weitere Verhandlungstage vorgesehen.

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