Arbeitsmarkt

Bei „Brilliant Clean“ gibt’s Lackpflege und Perspektiven

Wilfried Schmidt reinigt seit rund vier Jahren bei „Brilliant Clean“ Autos in allen Größen. Dass die Kunden zufrieden sind, ist ihm sehr wichtig.

Wilfried Schmidt reinigt seit rund vier Jahren bei „Brilliant Clean“ Autos in allen Größen. Dass die Kunden zufrieden sind, ist ihm sehr wichtig.

Foto: Gerd Wallhorn / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Brilliant Clean ist ein Unternehmen der Lebenshilfe. Menschen mit Behinderung arbeiten in der Fahrzeugpflege und werden fit für den Arbeitsmarkt.

In der großen Reinigungshalle lärmt der Hochdruckreiniger, mit dem Wilfried Schmidt einen großen Firmen-Transporter von Schmutz und Dreck befreit. Nebenan säubern fünf Leute mit Fingerspitzengefühl den Innenraum eines VW Polo. Weiter hinten im Büro kümmert sich Alessia Lo Muto um den bürokratischen Teil des Geschäfts. Ein ganz normaler Arbeitstag in der Fahrzeugpflege. Doch im Betrieb „Brilliant Clean“ gibt es eine Besonderheit: Hier arbeiten ausschließlich Menschen mit Behinderung.

Hinter der Firma, die sich in der Straße Zur Eisenhütte 14 in der Neuen Mitte befindet, steckt die Lebenshilfe Werkstätten Oberhausen gGmbH. Mit ihrem Konzept möchte die Einrichtung Mitarbeiter auf den freien Arbeitsmarkt vorbereiten. „Wir wollen den Leuten hier nicht nur handwerkliche Fähigkeiten beibringen, sondern auch vermitteln, was von ihnen auf dem freien Arbeitsmarkt erwartet wird und was die Anforderungen sind“, sagt Joachim Gerdesmann, Leiter der Werkstatt.

Weiterbildungen und Praktika

So gelten bei „Brilliant Clean“ feste Arbeitszeiten von 8 bis 15.30 Uhr und eine strikte Pause von 30 Minuten. Viel zu tun gibt es immer. Drei bis sechs Autos werden hier täglich von den zwölf Mitarbeitern gereinigt. Es muss schnell und ordentlich gearbeitet werden. Betreut wird die zwölfköpfige Gruppe stets von einem Gruppenleiter, der die Mitarbeiter unterstützt, wo er kann. So werden auch Weiterbildungen und Praktika in anderen, meist handwerklichen Bereichen angeboten.

„Die meisten Menschen, die hier arbeiten, sind in ihrer Lernfähigkeit eingeschränkt und brauchen länger, um sich an neue Aufgaben heranzutasten“, erklärt Gerdesmann. Viele seien zu Anfang in der Lage, lediglich eine Aufgabe zu bewältigen, wie zum Beispiel das Abspritzen des Wagens mit dem Hochdruckreiniger. Nach und nach kämen dann weitere, schwierigere Tätigkeiten dazu.

Geeignet ist ein Mitarbeiter laut Gerdesmann dann für den freien Arbeitsmarkt, wenn er genügend Fortschritte gemacht hat. „Wenn unsere Mitarbeiter dazu in der Lage sind, gewissenhaft mit der Poliermaschine umzugehen, dann ist das für uns ein klares Zeichen dafür, dass sie für den freien Arbeitsmarkt bereit sind“, erklärt Gerdesmann.

Lob tut gut

Wilfried Schmidt, der gerade mit dem „Einseifen“ des großen Transporters fertig ist, erklärt, warum er stets bemüht ist, die Wagen anständig zu reinigen: „Ich freue mich immer, wenn die Kunden den Wagen abholen und dann zufrieden sind und uns loben.“ Er selbst arbeitet seit etwa vier Jahren in dem Betrieb.

Die im Rollstuhl sitzende Alessa Lo Muto sieht die Berufsvorbereitung als echte Chance. Sie habe schon Pläne für die Zukunft geschmiedet: „Auf dem freien Arbeitsmarkt will ich entweder was mit Kindern machen oder wie hier im Büro arbeiten.“ Sie nimmt Kundenanfragen und Termine entgegen, stellt Rechnungen aus. Ihre Hilfe geht aber auch weit über bloße Bürotätigkeiten hinaus, sie kümmert sich auch um die dreckige Wäsche und bestellt regelmäßig Essen für ihre hungrigen Kollegen. „Von mir aus kann der Bürojob später aber auch noch abwechslungsreicher sein“, meint sie und ist noch längst nicht mit ihren Tätigkeiten ausgelastet.

Arbeitgeber sind zufrieden

Die Nachfrage nach den Arbeitskräften, die bei „Brilliant Clean“ gelernt haben, habe zugenommen, sagt Stefanie Wilms, die sich für die Lebenshilfe um die Vermittlung der Behinderten auf den Arbeitsmarkt kümmert. „Wir bekommen viel positive Resonanz von den Arbeitgebern, mit denen wir zusammenarbeiten. Wenn es sich weiter so rumspricht, wie gut sich die Mitarbeiter schlagen, dann ist das einfach nur toll.“ Auch komme es vor, dass Arbeitgeber nach einem weiteren Mitarbeiter der Lebenshilfe fragen, weil sie so gute Erfahrungen mit den anderen gemacht haben.

Viele, die vorher bei „Brilliant Clean“ gearbeitet haben, würden nun weiterhin einer handwerklichen Tätigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt nachgehen: zum Beispiel im Bereich Tischlerei, Lagerlogistik, Metallverarbeitung, der Kfz-Branche oder aber auch in Sozialeinrichtungen. Seit rund sechs Jahren werden hier also nicht nur Autos gewaschen, sondern auch Perspektiven für die Zukunft geschaffen.

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