Schmökerecke

Bildergeschichte öffnet die Augen für vermeintlich Fremde

Buchhändler Arndt Wiebus in seiner Buchhandlung in der Sterkrader Steinbrinkstraße. 14-tägig empfiehlt er uns eine besondere Lektüre abseits der Bestseller-Tische.

Buchhändler Arndt Wiebus in seiner Buchhandlung in der Sterkrader Steinbrinkstraße. 14-tägig empfiehlt er uns eine besondere Lektüre abseits der Bestseller-Tische.

Foto: Simon Gerich / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Ganz ohne Worte erzählt Jutta Bückers Bilderbuch „Zorilla“ vom misstrauisch beäugten Fremden – eine Empfehlung des Buchhändlers Arndt Wiebus.

Wer mit niemandem spricht, über den wird viel geredet. Und wer auch meist nach Sonnenuntergang nur ans geschwundene Tageslicht sich zu trauen scheint oder tagsüber schnell merkwürdige Dinge kauft – Eisenketten, Scharniere, Sand, säckeweise Leergut, Bretter – um damit dann gleich wieder in seiner hafennahen Behausung zu verschwinden, über den wuchern wildeste Gerüchte und ärgste Fantasien. So ergeht es dem dunklen Titelhelden „Zorilla“ in Jutta Bückers Bilderbuch.

Er wohnt in einer großen Hafenstadt und seine Mitbürgerschaft unterstellt ihm voyeuristisch gern Unholdisches. Was hat dieser Marder bloß vor? Denn ein Zorilla ist eine schwarz-weiß befellte afrikanische Marderart. Und seine argwöhnischen Verdächtiger zeigen sich in Gestalten von Walross, Ziegenbock, Pferd, Schwein, Ratte, Hund und Fuchs.

Hätte doch nur jemand mit ihm geredet, ihn nach seinem Treiben gefragt, dann wären Angst und Verdächtigungen schlicht farblos geworden. Denn als er eines Nachts verschwunden ist und am Morgen seine Behausung untersucht wird, zeigt sich, was Zorilla dort getrieben hat.

Es wird also die verborgene, überraschende Geschichte in textlosen, großen Bildern von innen heraus erzählt. Und das ist eine Fabel von berührendem Heimfernweh, eine Flaschenpost-Geschichte in ungewöhnlichem Format könnte man es nennen. Eine großartige Erzählung in Illustrationen, eine Augen öffnende Bilderparabel von Umgang mit dem Anderen, vermeintlich Fremden.

Jutta Bücker: „Zorilla“, Kunstanstifter Verlag, 20 Euro.

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