Schmökerecke

„Das Neinhorn“ räumt auf mit dem Einhorn-Kitsch

Buchhändler Arndt Wiebus in seiner Buchhandlung in der Sterkrader Steinbrinkstraße. 14-tägig empfiehlt er uns eine besondere Lektüre abseits der Bestseller-Tische.

Buchhändler Arndt Wiebus in seiner Buchhandlung in der Sterkrader Steinbrinkstraße. 14-tägig empfiehlt er uns eine besondere Lektüre abseits der Bestseller-Tische.

Foto: Simon Gerich / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Vom Autor der „Känguru-Chroniken“ empfiehlt der Sterkrader Buchhändler Arndt Wiebus eine rotzfreche Viererbande – nicht nur fürs Vorlesealter.

Wie man ein Mythen umwobenes Fabeltier allein durch Zufügung des Buchstabens ‚N’ zu einem nervigen Pubertätsvierbeiner machen kann, zeigen Marc-Uwe Kling (Text) und Astrid Henn (Illustrationen) mit ihrem neuen Buch „Das Neinhorn“. In eine zuckersüße, bonbonfarbene, Glück glucksende und Herzchen umwölkte Einhornpopulation hineingeboren, hat dieses herzallerliebste Einhörnlein zu allem und jedem nur ein schroffes ‚Nein!’ parat.

Auch der Versuch noch „lilalieber“ zu sein, ist vergebens: Das Neinhörnlein kehrt der glückstrunkenen, ratlosen Einhornvolksgemeinschaft den Rücken, um erst mal einem ausgiebigen Schlammbad zu frönen und anderen Garstigkeiten freien Lauf zu lassen. Es trifft auf einen schwerhörigen Was(ch)bären, einen bernhardinesken ‚Na und’-Hund.

Schließlich wird doch noch etwas Glücksklee gefressen

Gemeinsam befreien sie eine Königstochter aus dem klassisch verschlossenen Turmzimmer, die sich zunächst als veritable Rotzlöffeline zeigt, als herrschaftssüchtige Doch-Sagerin. Aber die diversen Aufmüpfigkeiten dieser Vierer-Bande sind eine ideale gemeinsame Lebensgrundlage. Und sogar mit der Einhornfamilie wird schließlich etwas Glücksklee gefressen, aber wirklich nur wenig.

Am Buchende dieses sprachgewitzten und bilderbunten Buches über Trotzteufeleien und Freundschaft werden Vorlesende und Lesende durch etliche Beispiele angeregt, kleine Geschichten mit oder auch ohne Moral zu erfinden: über die ‚Schlaumeise’, das ‚Reichhörnchen’ oder den ‚Pausenfüßler’, die schlängelnde ‚Schlangeweile’ oder das ganz dringend müssende ‚Musspferd’.

Marc-Uwe Kling/ Astrid Henn: Das Neinhorn. Carlsen Verlag, 13 Euro.

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