Corona-Krise

Die Tagespflege für Senioren bleibt weiter geschlossen

Was waren das noch für Zeiten: Die Leiterin des Tagespflegezentrums des DRK in Oberhausen, Jolanta Lat, liest hier im Juli 2019 Besuchern aus der Zeitung vor. Seit März 2020 sind alle Tagespflege-Einrichtungen geschlossen.

Was waren das noch für Zeiten: Die Leiterin des Tagespflegezentrums des DRK in Oberhausen, Jolanta Lat, liest hier im Juli 2019 Besuchern aus der Zeitung vor. Seit März 2020 sind alle Tagespflege-Einrichtungen geschlossen.

Foto: Kai Kitschenberg / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Für viele Familien in Oberhausen ist die Grenze des Ertragbaren überschritten. Sie balancieren zwischen Job und Pflege. Notplätze gibt es kaum.

Erleichterung bei berufstätigen Eltern: Ab dem 28. Mai öffnen die Kindergärten zumindest schrittweise wieder. Kaum Entlastung ist dagegen für pflegende Angehörige geplant. Alle 15 Tagespflege-Einrichtungen in Oberhausen bleiben zu. Betroffen sind 224 Senioren. Für viele Familien ist längst die Grenze des Ertragbaren überschritten, auch, weil es kaum Notplätze gibt.

Der Alltag gleicht seit Monaten einem Drahtseilakt, erzählt eine Oberhausenerin, die anonym bleiben möchte. Was sie besonders ärgert: „Überall ist nur von der Not der berufstätigen Eltern die Rede. Von der Belastung für pflegende Angehörige spricht niemand.“

Vor der Arbeit schnell zur Mutter hetzen, Frühstück machen, beim Anziehen helfen. In der Mittagspause mit dem vorgekochten Essen noch einmal hin, dort das Nötigste erledigen und schnell wieder zurück. Das Gleiche dann am Abend nach der Arbeit. „Wenn ich jetzt nicht im Homeoffice wäre und meine Mutter nicht noch halbwegs fit, ich wüsste gar nicht, wie ich das schaffen sollte.“ Vor der Corona-Krise besuchte die Mutter eine Tagespflege-Einrichtung. Doch die sind bis auf weiteres in ganz Oberhausen dicht. So sieht es die Verordnung zum Schutz vor Neuinfizierungen mit dem Coronavirus seit März vor.

Die Freistellung für pflegende Angehörige soll verlängert werden

Immerhin: Im Notfall können Arbeitnehmer eine Freistellung beantragen. „Das soll jetzt sogar von bislang zehn auf 20 volle Arbeitstage für die Pflege naher Angehöriger oder für die Organisation der Pflege verlängert werden“, sagt Jan Katner von der städtischen Pflegeberatungsstelle. Die Lohnfortzahlung übernehme die Pflegekasse. „Dafür muss aber ein Nachweis vom Arbeitgeber vorliegen.“

Auch eine Notbetreuung sei prinzipiell möglich. Etwa wenn die Familienangehörigen zu den „Schlüsselpersonen“ gehören, also etwa bei der Polizei, der Feuerwehr, in Krankenhaus, Apotheke, Lebensmittelladen oder in der Schule arbeiten.

Die Einrichtungen entscheiden im Einzelfall

„Aber auch, wenn es keine andere Lösung gibt.“ Über die Gewährung dieser Ausnahmeregelung entscheide die Leitung der bisher genutzten Einrichtung im Einzelfall. „Das war zum Beispiel bei einer Friseurin der Fall, die nun wieder arbeiten gehen musste und deren Mutter mit Pflegegrad fünf normalerweise in der Woche in einer Tageseinrichtung betreut wird.“ Nach Angaben der städtischen Heimaufsicht sind aktuell in fünf Tagespflegeeinrichtungen insgesamt 19 Notbetreuungsplätze eingerichtet worden (Stand: 18.05.2020).

Susanne Strate-Nürnberg, Einrichtungsleiterin des Martha-Grillo-Seniorenzentrums, würde sich über eine schrittweise Rückkehr zum Normalbetrieb zwar freuen. „Zugleich ist mir aber schleierhaft, wie das umgesetzt werden sollte.“ Gerade die Tagespflege sei auf gemeinsame Aktivitäten ausgerichtet. „Unsere Senioren sitzen meist um einen großen Tisch herum und basteln, malen, singen oder kochen zusammen in der Küche.“ Dabei Sicherheitsabstände von mindestens 1,50 Meter einzuführen, halte sie für kaum umsetzbar. „Vor allem, weil wir viele Menschen mit Demenz betreuen.“

Damit ist klar: Für pflegende Angehörige zeichnet sich kaum ein Hoffnungsschimmer ab. Sie bleiben mit ihren Sorgen allein – auf unbestimmte Zeit.

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