Klimawandel-Folgen

Diesmal sind in Oberhausen sogar starke Buchen abgestorben

Stadtförster Jürgen Halm im Osterfelder Volksgarten.

Stadtförster Jürgen Halm im Osterfelder Volksgarten.

Foto: Tom Thöne / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Die Regenfälle in den letzten Tagen helfen der Natur, sie reichen aber nicht aus, um die Schäden durch die Hitze-Sommer auszugleichen.

Trotz einiger heftiger Schauer in den vergangenen Wochen beschäftigt das heißer werdende Klima Landwirte, Förster und Gärtner. Auch dieser Sommer war zu heiß und zu trocken – daran ändert der Regen der letzten Tage grundsätzlich nichts mehr, hat aber die eine oder andere Ernte noch gerettet.

Landwirt Friedrich von der Bey bilanziert: „Die Getreideernte ist schon vorbei. Es hat gerade noch rechtzeitig geregnet, deshalb war sie in diesem Jahr etwas besser als im Vorjahr. Doch jetzt leiden Mais und Zuckerrüben erheblich.“ Der Dümptener stellt sich auf weitere heiße Sommer ein und weicht deshalb auf Sorten aus, die besser mit Hitze und eher erntereif sind. Der Klimawandel sei nicht zu leugnen: „Hitzeresistentere Sorten sind ein Mittel. Zudem bringen wir mehr Humus in den Boden. Das hält besser die Feuchtigkeit in unseren an sich sandigen und damit trockenen Böden.“

Böden nicht so tief pflügen

Außerdem baut von der Bey verstärkt Gründüngung an: „Wenn ein Feld grün ist, trocknet es nicht so leicht aus.“ Und schließlich sei da noch eine technische Komponente: „Wir benutzen Geräte, die den Boden nicht so tief durchpflügen. Das senkt die Wasserverdunstung erheblich, weil die Sonne nicht so tief in den Boden eindringen kann.“

Neue Anbaumethoden stehen dagegen Stadtförster Jürgen Halm in den städtische Wäldern nicht zur Verfügung. Dabei beschäftigen ihn die Folgen von Hitze und Trockenheit des vergangenen und dieses Jahres in zunehmendem Maße. „Das bedeutet für uns deutlich mehr Arbeit, denn wir registrieren einen erheblichen Anstieg von absterbenden Bäumen.“ Dabei seien es nicht nur Bäume an Straßen, die leiden: „Das wundert einen ja nicht, weil sie ohnehin Stress haben mit Abgasen und kleinen Flächen, auf denen sie stehen. Betroffen sind aber auch Parks und sogar die Wälder.“

Birken schwächeln

Besonders überrascht hat den Stadtförster, dass sogar Birken schwächeln: „Selbst sie können wahrscheinlich nicht schnell genug auf den sinkenden Grundwasserspiegel reagieren.“ Auch seien starke Buchen, die 2018 noch vital waren, in diesem Jahr abgestorben. Schuld sei vor allem der Wasserstress: „Sogar im Wald reicht die Feuchtigkeit im Boden nicht mehr aus. Uns bleibt nur, die toten Bäume zu entnehmen.“ Sie liegen zu lassen, wenn sie umfallen, sei im städtischen Wald nicht möglich: „Zu groß ist die Gefahr, dass sie auf einen Weg stürzen.“

Zunehmend leiden die Bäume unter Schädlings- und Pilzbefall. „Wir können nur den Wald pflegen. Das heißt, nachwachsenden gesunden Bäumen genug Platz schaffen, damit sie starke Kronen ausbilden können. Deshalb müssen wir auch den einen oder anderen Baum drum herum fällen. Nur gesunde Bäume können Schädlingen trotzen“, erläutert Halm. Das aber erfordere Fingerspitzengefühl: „Wir müssen nahezu jeden Baum begutachten.“ Halm sieht im Klimawandel ein dauerhaftes Problem: „Weil es länger warm ist, verlängert sich die Vegetationsperiode. Die Bäume brauchen also länger Wasser, das aber ist immer weniger vorhanden.“

Rhododendron und Hortensien gehören zu den Velierer-Pflanzen

Der Klimawandel wirkt sich auch auf den Garten aus. Milde Winter und heiße Sommer lassen die Gartensaison früher beginnen und länger andauern – für den Hobbygärtner durchaus positiv. Doch der Klimawandel hat auch unerfreuliche Folgen. Pflanzen, die Kühle lieben, sind langen Hitzeperioden nicht gewachsen.

Garten- und Friedhofexperte Alfred Gerichhausen erlebt, dass zum Beispiel Hortensien zu den Verlierern gehören – ebenso wie der beliebte Rhododendron: „Wir sehen katastrophale Folgen vor allem für Bodendecker und Flachwurzler. Zurzeit gehen vor allem 20 bis 30 Jahre alte Thujahecken ein.“ Das Setzen von tief wurzelnden Pflanzen sei aber keine langfristige Lösung: „Das verschiebt das Problem nur um einige Jahrzehnte.“

Zu wenig Wasser auch im Winter

Entscheidend sei, dass auch im Winter zu wenig Wasser beziehungsweise Schnee für ausreichend Feuchtigkeit sorgt und der Mangel an Frost Schädlinge nicht mehr abtötet. Kurzfristig helfe nur, die vorhandene Vegetation zu gießen. Gerichhausen rät auch, „die Natur einfach mal machen zu lassen und Wildkräutern eine Chance zu geben“.

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