Fridays for Future

Für Oberhausener Schüler bedeutet Klimaschutz nicht Verzicht

Am Freitag, 5. Juli, zogen wieder zahlreiche Schüler bei einer „Fridays for Future“-Demo vom Rathaus zum Friedensplatz.

Am Freitag, 5. Juli, zogen wieder zahlreiche Schüler bei einer „Fridays for Future“-Demo vom Rathaus zum Friedensplatz.

Foto: Olaf Fuhrmann / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Für immer auf Flüge verzichten wie Greta Thunberg? Oberhausener Schüler von „Fridays for Future“ sprechen darüber, was sie für das Klima tun.

Greta Thunberg fliegt nicht mehr, sie ernährt sich vegan und zur Schule gehen will sie auch nicht mehr. Das tut die Vordenkerin der weltweiten „Fridays for Future“-Bewegung der Umwelt zuliebe. Damit die Politiker dieser Welt aufwachen und sich endlich mal an die Verträge halten, die sie selbst zur Rettung des Weltklimas gemacht haben. Das ist radikal, das ist konsequent.

Ganz so streng sehen es die Oberhausener Anhänger der Protestbewegung aber nicht. „Klimaschutz ist nicht gleich Verzicht“, sagt Jason Michalek (15), Kopf der Oberhausener Gruppe. „Es geht darum, Alternativen aufzuzeigen.“ Alternativen, die viele Schüler nun in ihrem Alltag verankert haben.

Bewusst einkaufen und aufs Auto verzichten

So wie Julien Krasniqi (15) von der Anne-Frank-Realschule, der sich nur noch mit Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegt. „Meine Familie hat nicht mal ein Auto, von daher ist das für mich keine große Umstellung“, sagt der Schüler. In den Urlaub geflogen sei er bisher auch noch nicht. „Das werde ich auch in Zukunft nicht tun. Urlaub im Nachbarland, das reicht mir.“

Die knapp 100 Schülerinnen und Schüler, die sich am Freitag, 5. Juli, wieder zu einer Demo verabredet haben und durch die Oberhausener Innenstadt gezogen sind, stört insbesondere das viele Plastik in den Supermärkten und die hemmungslose Wegwerf-Kultur. „Fridays for Future“ hat die meisten für das Thema überhaupt erst sensibilisiert. Linnéa Doberstein (22), die Informatik und Psychologie studiert, kauft beispielsweise fast nur noch bei Bauer Scheidt am Lepkeshof an der Mühlenstraße ein. „Ich kaufe bewusster ein, und kaufe auch nur noch die Lebensmittel, die ich wirklich brauche.“

Julien Krasniqi findet, dass Oberhausen deshalb unbedingt einen „Unverpackt-Laden“ brauche, bei dem man Lebensmittel einfach in Behältnisse und Tüten geben an, die man selbst mitgebracht hat.

CO2-Ausgleich über „Atmosfair“

„Ich versuche heute, grundsätzlich mehr Leute auf das Thema Klimaschutz aufmerksam zu machen und darüber Gespräche zu führen“, erzählt Linnéa Doberstein über ihr alltägliches Engagement für den Klimaschutz. Früher habe sie sich überhaupt nicht für Umweltthemen interessiert, nun findet sie es wichtig, dass sich jeder damit auseinandersetzt, weil der Klimawandel jeden betreffe.

Und was ist, wenn man dann doch das Auto nutzen muss? Oder der Flug schon gebucht ist?

Luisa Berg (13), deren ganze Familie Feuer und Flamme für die Forderungen der Protestbewegung ist – ihren Vater hat sie am Freitag mitgebracht –, muss da verlegen lachen. „Unsere Familie hatte einen Flug nach New York gebucht. Den Urlaub werden wir jetzt zwar machen, achten aber vor Ort drauf, dass wir uns möglichst umweltfreundlich fortbewegen.“ Vater Ansgar (50) verrät, dass er immerhin für einen CO2-Ausgleich sorge. Dafür hat er sich auf den Webseiten der Non-Profit-Organisation „Atmosfair“ ausrechnen lassen, wie viele Treibhausgase der Flug verursacht und welche Umweltkosten dies nach sich zieht. Die Familie spendet nun knapp 250 Euro für nachhaltige Projekte.

Die Politik in die Pflicht nehmen

Auch Jason Michalek findet es mehr schlecht als recht, dass die Familie diesen Sommer nach Griechenland fliegt. Die Michaleks spendeten aber einen Betrag bei „Atmosfair“. Klimaschützer Jason gelobt Besserung: „Ich ertappe mich auch manchmal dabei, dass ich zu faul bin und dann mal eher das Auto nehme statt Fahrrad zu fahren.“

Für viele sei ein umweltbewusstes Leben mit einem Lernprozess verbunden. „Letztlich geht es darum, dass wir unseren Beitrag leisten, aber auch die Politik in die Pflicht nehmen“, sagt Michalek.

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