Theater Oberhausen

Ihre Vornamen sind ihr Befehl: Agnes Lampkin „spielt“

Die „Neue“ mit 23 Jahren Bühnenerfahrung: Agnes Lampkin lebt bereits seit vier Jahren in Oberhausen – und zählt jetzt auch offiziell zum Ensemble.

Die „Neue“ mit 23 Jahren Bühnenerfahrung: Agnes Lampkin lebt bereits seit vier Jahren in Oberhausen – und zählt jetzt auch offiziell zum Ensemble.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Als eine von sieben Neuen im Theater-Ensemble kennt sich die 46-Jährige bereits bestens in Oberhausen aus – und freut sich auf die Verstärkung.

Agnes Lampkin ist die „Neue“, die sich schon bestens auskennt im Ensemble. Als Gast spielte die 46-Jährige bereits in Elfriede Jelineks „Prinzessinnendramen“, Coline Serreaus „Hase Hase“ und Irmgard Keuns „Das Mädchen, mit dem die Kinder nicht verkehren durften“. Es war ein etwas längerer Anlauf, denn in Oberhausen ist Agnes Lampkin mit ihrer Familie bereits seit vier Jahren heimisch.

Den Weg auf die Bühnen nennt die Tochter einer Schweizerin und eines Briten „eine Berufung“ – und verweist auf ihre drei Vornamen Agnes Catherine Tasmina: Im Englischen wird aus den drei Anfangsbuchstaben „Act“ – „Das ist quasi ein Befehl: zu spielen“. Oberhausen erinnert sie an ihre erste Heimatstadt Gloucester, den Hafen an der weiten Mündung des Severn nahe der englisch-walisischen Grenze: „Es war ein heimatliches Gefühl, als ich nach Oberhausen kam.“

Ernst wurde es mit dem „Befehl“ zu spielen, als die afrobritischschweizerische Familie nach Zürich zog: Schon als 16-Jährige hatte sie sich bei der Zürcher Hochschule der Künste beworben – und den guten Rat erhalten, sich doch erst einmal viel Theater anzusehen. Die Schülerin Agnes Lampkin wurde zur Jugendtheater-Abonnentin im prunkvollen Schauspielhaus – und mit 18 schließlich an der „Schauspielakademie“ akzeptiert, einer der renommiertesten im deutschsprachigen Raum. Das erst mit elf Jahren gelernte Schwyzerdütsch „musste ich mir wieder hart abtrainieren“.

„Sie nennen es Berge“ – ein Witz für die Schweizerin

In der kommenden Oberhausener Spielzeit, darauf verweist Dramaturgin Romi Domkowsky, sind nun auch zwei Schauspielschüler aus Zürich dabei, um in einem neuen Austauschmodell das Ensemble zu verstärken. „Ich freue mich sehr“, sagt Agnes Lampkin strahlend.

Ihren eigenen Start in einem festen Ensemble wagte sie in Jena. „Viel zu gefährlich!“, hatten Freunde erschrocken gewarnt. Als 23-Jährige sah Agnes Lampkin 1997 noch „viel DDR“ in der kleinen thüringischen Großstadt: „Aber ich habe mich in Jena sehr wohlgefühlt und ganz leicht Leute kennengelernt.“ Am nur zehnköpfigen Ensemble des Theaterhauses gefiel ihr die große Freiheit, selbst mitzugestalten. Und die Landschaft sei bildschön: „Sie nennen es Berge“ – da lacht die Schweizerin.

Nächste Station Berlin: Agnes Catherine Tasmina blieb dort 17 Jahre, gründete ihre Familie – schloss sich aber keinem festen Ensemble an. „Berlin hat so wahnsinnig viele Theater. Im English Theatre habe ich dort zum ersten Mal auf Englisch gespielt“ – in ihrer „Vatersprache“.

„Er war vor mir auf dem Plakat“ – in gespielter Empörung

Nach Oberhausen kam sie durch den Beruf ihres Mannes, der nach vielen Jahren als Ingenieur nun am Hans-Sachs-Berufskolleg unterrichtet. Am Theater startete Florian Fiedler als Intendant – hatte für Agnes Lampkin aber noch keine Stelle. Sie hat dann schon mal als ein Drittel der „Westwind“-Jury im vorigen Jahr die spannendsten Inszenierungen fürs junge Publikum ausgewählt – und erlebte „einen herrlichen Einstand“ mit Irmgard Keuns „Mädchen“. Da hatte sie „schon das Gefühl, ich gehöre ein bisschen dazu“.

Auf der Bühne des Großen Hauses war allerdings ihr ältester Sohn schneller: Denn Leonard Lampkin war einer von drei jungen „Peer Gynts“ in der verwegenen Musical-Fassung nach Henrik Ibsen. „Er war vor mir auf dem Plakat“, ruft sie in gespielter Empörung.

„Herkunft“ nach dem preisgekrönten Roman von Saša Stanišić wird mit der Premiere am 2. Oktober zu Agnes Lampkins „offiziellem“ Einstand im Oberhausener Ensemble. Gibt die Stadt, die ein bisschen wie Gloucester wirkt, ihr ein neues Heimatgefühl? „Ich bin so froh“, sagt die bestens eingelebte „Neue“, „nicht mehr jeden Monat die Koffer packen zu müssen“.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben