Oldtimer

In Oberhausen parkt ein Rolls-Royce der englischen Royals

Sehr schick: das Innere eines Mercedes’ Cabrio Ponton 220S von 1957.

Sehr schick: das Innere eines Mercedes’ Cabrio Ponton 220S von 1957.

Foto: Christoph Wojtyczka / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Der Oberhausener Kfz-Meister Hans-Georg Gosda hat eine besondere Passion: Er repariert und pflegt Oldtimer – vom Rolls-Royce bis zum VW-Bulli.

Vom kultigen T1 VW-Bus, über die luxuriöse S-Klasse von 1957, bis hin zu Raritäten, wie einem aus dem englischen Königshaus stammenden Rolls-Royce von 1926: In der Werkstatt von Hans Georg Gosda kommen Nostalgiker ins Schwärmen. In der „Cardoc-Autoklinik“ an der Heinestraße bringt der Kfz-Meister Oldtimer wieder auf Vordermann, die gut und gerne auch in einem Museum stehen könnten.

Angefangen hat der Sammler im Alter von 18 Jahren mit einem Fiat 500. Doch schnell packte ihn das Sammel-und Bastelfieber. „Wie das bei Auto-Leuten wie mir halt ist, habe ich dann ständig neue Autos gekauft und an ihnen herumgebastelt“, erzählt er.

Altes Schätzchen auf der Hebebühne

Sein liebstes Schätzen ist beim Betreten der Werkstatt nicht zu übersehen. Der beige-weiße zum Camper umgebaute VW T1 VW Bus von 1961 steht auf der ausgefahrenen Hebebühne – und entblößt das Allerheiligste: den alten Motor. Ein Mechaniker schraubt hier, prüft da. 100 Stundenkilometer schaffe der Bulli allemal, doch in den Urlaub geht es damit trotzdem nicht. Das mache die Frau nicht mit, erzählt Hans-Georg Gosda und lacht herzlich.

Oldtimer-Fahrer, so erklärt er, würden nicht irgendeinen gutaussehenden Oldtimer kaufen, sondern gezielt nach bestimmten suchen. „Bei den Kunden spielt die eigene Geschichte eine riesengroße Rolle“, sagt Gosda. Die Leute würden mit den Wagen etwas verbinden – sei es der Großvater, mit dem man damals bei schönem Wetter mit dem Käfer in den Park gefahren ist, oder das Poster, das man als Jugendlicher Jahre lang über dem Bett hängen hatte.

Beim Gang auf den Hinterhof sticht sofort ein weiterer VW-Bulli ins Auge. Ein alter VW T2 Krankenwagen von Anfang der siebziger Jahre. Bis vor zwei oder drei Jahren sei der Wagen sogar noch als Krankentransport von den Maltesern in Süddeutschland genutzt worden, sagt Hans-Georg Gosda.

Rolls-Royce aus dem englischen Königshaus

Einen Transport-Wagen der anderen Art findet sich ein Stückchen weiter: In dem wuchtigen dunkelblauen Rolls-Royce wurden einst Mitglieder der englischen Königsfamilie kutschiert. In wenigen Jahren wird der Wagen 100. „Wir geben hier natürlich unser Bestes, dass er die Zeit bis dahin so gut wie möglich übersteht“, sagt Gosda.

Für eine Zulassung in Deutschland musste der Fachmann das royale Gefährt übrigens extra umbauen. Und ganz wichtig: Die bei Sammlern höchst beliebten und für sagenhaft hohe Preise gehandelten originalen Kühlerfiguren sind bei Gosda nicht zu holen: Die liebevoll „Emily“ genannte Figur steht gut gesichert im Safe.

Nach ausgiebigem Bestaunen des Wagens kommen jedoch Fragen auf: Wer kauft so einen Wagen? Wird er noch gefahren? Der muss doch ein Vermögen kosten! Hans Georg Gosda erklärt, dass so seltene und alte Autos fast nur von Sammlern gekauft werden. Auch auf den Straßen wird man so einen Wagen kaum noch zu Gesicht bekommen. „Wagen, die so rar und wertvoll sind, werden in der Regel nur für Oldtimer-Ausstellungen und Messen aus der Garage geholt“.

Ersatzteile sind oft Sonderanfertigungen

Wie viel Geld teilweise in den alten Wagen steckt, zeigt eine alte Mercedes S-Klasse. Das 220S Model „Ponton“ von 1957 wird auch von den Mitarbeitern der Werkstatt bewundert. „Mir persönlich macht es deutlich mehr Spaß, an so einzigartigen und historischen Autos zu arbeiten“, sagt etwa Pierre Joostema. „Klar sind die heutigen Autos technisch deutlich besser ausgestattet, doch da gewöhnt man sich schnell dran.“ Lieber sei ihm ein Auto, das man nicht alle Tage sieht und das man aufgrund seiner Historie bewundern kann. Preislich schätzt Hans Georg Gosda den alten Mercedes auf 80.000 bis 120.000 Euro. Teuer mache einen Oldtimer aber hauptsächlich die Ersatzteil-Situation. Oft müssten die Teile sonderangefertigt werden – und das koste Zeit und Geld.

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