Rechtsruck

Jugendkirche in Oberhausen beklagt zunehmend rechte Hetze

„Bunt statt Braun“. Unter diesem Motto stand auch eine Demo gegen rechte Hetze im September in Hannover.

„Bunt statt Braun“. Unter diesem Motto stand auch eine Demo gegen rechte Hetze im September in Hannover.

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Oberhausen.   Der evangelische Kirchenkreis in Oberhausen sieht sich immer öfter rechten Parolen ausgesetzt. Doch die Gemeinden stellen sich dagegen.

Rechte Hetze und die dazugehörigen Parolen sind auch in Oberhausen leider immer wieder zu hören. Sprüche wie „du Flüchtling“ oder „Asylantenpack“ fallen beim Bäcker, im Bus oder auf dem Pausenhof in der Schule. Aber wieso ist das so? Was bewegt Menschen, so zu reden? Das fragt sich die evangelische Jugendleiterin der Emmaus-Kirchengemeinde Daniela Heimlich.

Als Betreuerin hört sie immer häufiger eindeutig rechtes Gedankengut — und das von Jugendlichen. Den Ursprung kennt sie: „Kinder schnappen rechte Parolen oft bei den Eltern auf — und plappern das dann nach, ohne darüber nachzudenken.“

Mit Motto und Logo maximal auffallen

Sie sei damit nicht allein, meint Daniela Heimlich. „Viele Kollegen erzählen das Gleiche.“ Damit soll Schluss sein, beschließt sie im vergangenen Jahr und setzt zusammen mit Jugendreferatsleiter Johannes Rother ein neues Motto für Oberhausen um: „Bunt statt Braun“.

Gegen den Trend positioniert die Gemeinde im Kalenderjahr 2019 mal große und kleine Aktionen, die verirrte Geister wach rütteln sollen. „Wir als evangelische Jugend müssen uns mit dem Thema beschäftigen“, erklärt Daniela Heimlich. Ihr Chef sieht es ähnlich. „Deswegen wollen wir mit unserem Motto und dem Logo maximal auffallen.“

Anfragen aus Süddeutschland und Holland

Das ist offenbar gut gelungen. Denn andere Gemeinden fragen mittlerweile bei Johannes Rother an, ob „Bunt statt Braun“ in Süddeutschland und Holland weiterleben darf, wenn das Jahr rum ist.

Antirassismus-Training, Theaterstück oder Buntes aus der Spraydose (Graffiti): Das Programm für 13- bis 26-Jährige ist vielfältig und möchte für Vielfalt bei Jugendlichen werben. Außerdem geht die Jugendleiterin auf die Besucher zu und spricht gezielt die an, die „rechten Blödsinn quatschen.“

Das Kreuz an der richtigen Stelle

Vorurteile entstünden für Daniela Heimlich dazu oft in den Cliquen. „Bunt statt Braun“ soll eine Alternative sein. „Ich sage dann immer: ,Hör es dir wenigstens an — ist gut für dein Hirn!“ Entscheiden muss jeder für sich, was und woran er glaubt.“ Nur Schweigen dürfe die Kirche nicht.

Vor der Europawahl hofft Mitstreiter Johannes Rother zudem darauf, dass die Arbeit der Kirche fruchtet — und sich als Tinte für ein Kreuz an der „richtigen“ Stelle des Wahlzettels erweist. „Und wenn es nur zu 0,1 Prozent weniger bei den rechten Parteien führt, hat es sich für uns als Kirche schon gelohnt.“

>>>> Info: Reise nach Auschwitz im Oktober geplant

Um daran zu erinnern, zu was nationalistisches, rassistisches und faschistisches Gedankengut führen kann, bietet der evangelische Kirchenkreis eine Reise in das ehemalige Vernichtungslager Auschwitz in Polen an.

Für die fünftägige Reise, vom 20. bis zum 25. Oktober dieses Jahres, gibt es noch freie Plätze. Bewerbungen sind bis zum 15. Juni möglich. Nähere Informationen erteilt Stefanie Ried: stefanie.ried@kirche-oberhausen.de

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