Bundesweiter Lesetag

Lachen, lesen, leben: Oberhausen wird wieder zur „Lesestadt“

Werben für die Lesestadt: (v.li.) Kulturdezernent Apostolos Tsalastras, Wilhelm Kurze und Günter Pippke, beide Literarische Gesellschaft, Jens Niemeier, Kulturagent sowie Diana Bengel, Leiterin der Stadtbibliothek.

Werben für die Lesestadt: (v.li.) Kulturdezernent Apostolos Tsalastras, Wilhelm Kurze und Günter Pippke, beide Literarische Gesellschaft, Jens Niemeier, Kulturagent sowie Diana Bengel, Leiterin der Stadtbibliothek.

Foto: Gerd Wallhorn / FUNKE Foto Services

Oberhausen wird am Freitag zur Lesestadt: Zuhörer brauchen guten Ohren und trainierte Lachmuskeln – denn die Sprache ist bekannter als Esperanto.

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Warum wollen Kinder von ihren Eltern Geschichten vorgelesen bekommen? Klar: Das Gekicher unter der Bettdecke, die gemeinsamen Abenteuer im Kopf und die „Nochmal, nochmal“-Rufe finden Kinder klasse. Doch was oft unterschätzt wird: Für die Vorleser sind diese „Glucks-Momente“ ein ebenso großer Segen.

Denn laut einer neuen Studie der Rutgers University in New Jersey sind Eltern durchs Vorlesen sogar entspannter – und diese Stimmung hat natürlich einen positiven Einfluss auf die Kinder. Für eine Lesestadt wie Oberhausen alles gute Nachrichten: Zum 14. Mal stecken am Freitag die hiesigen Bücherwürmer gemeinsam die Nase ins Buch. Und für die Organisatoren wird das 2019 vor allem eins: lustig!

Lesestadt ist mehr als die üblichen Verdächtigen

„Lachen – die schönste Sprache der Welt“ ist das Motto der „Lesestadt“ Oberhausen, die jeden Bürger einlädt, dabeizusein. Rund 100 offene und genauso viele geschlossene Veranstaltungen gäbe es erneut in der Stadt, erklärt Wilhelm Kurze, Vorsitzender der Literarischen Gesellschaft. Die „üblichen Verdächtigen“ sind natürlich am Start: Schulen, Kindertagesstätten und Seniorenheime machen mit und unterhalten Schüler, Kinder und Patienten mit einer altersgerechten Portion Humor. Im Programm sind indes ebenfalls Orte, an denen man kaum auf Anhieb an eine amüsante Lesereise denken würde.

So besuchen drei erste Klassen der Brüder-Grimm-Schule zum Beispiel die Feuerwehrleute an der Brücktorstraße und beweisen den Rettungskräften, dass selbst Erstklässler gut vorlesen können. In der Innenstadt, genauer im Fairkauf Kaufhaus an der Marktstraße, wird dagegen jede halbe Stunde die Geschichte „Freunde“ von Helme Heine auf Deutsch, Spanisch, Türkisch und Arabisch vorgelesen. Humor ist international, gemeinsames Lachen soll verbinden. Und wer nicht weiß, was Lachyoga ist, bekommt im Café Cordes eine Kostprobe durch die Volkshochschule.

Für das Team hinter der Lesestadt Oberhausen sei die Aktion inzwischen ein Selbstläufer geworden, erklärt „Neuerscheinung“ Diana Bengel. Die Leiterin der Bibliothek im Bert-Brecht-Haus ist zwar erst anderthalb Jahre vor Ort, lobt aber ausdrücklich das Konzept der Lesestadt. In Oberhausen sei schließlich kein Fleck mehr frei – „alle wollen mitmachen“, meint sie. Das bestätigt ihr auch der „Klassiker“ im Team. Wilhelm Kurze ist bereits seit 2005 dabei und erinnert sich: „Das Ortseingangsschild war damals kühn gewählt. Heute weiß aber fast jeder, dass Oberhausen eine Lesestadt ist.“

Google sagt: Oberhausen und Gütersloh sind Lesestädte

Wer’s bezweifelt, sollte googeln: Unter dem Begriff Lesestadt teilen sich Oberhausen und Gütersloh die erste Seite der Such-Ergebnisse. Andere Städten kopieren längst die Idee. „Ich bekomme häufig Anrufe von Leuten, die wissen wollen, wieso wir so erfolgreich sind“, berichtet Wilhelm Kurze vom gestiegenen Zuspruch fürs Lese-Projekt. Messbar ist der obendrein in den städtischen Büchereien.

Der Bestand für Kinder- und Humorliteratur stünde in den beiden Stadtbibliotheken zurzeit fast auf Null, offenbart die Bibliotheksleiterin Diana Bengel leere Regale. „Die Ausleihzahlen sind gerade in den letzten Tagen enorm gestiegen.“ Das liege daran, dass sich die Vorleser mit witzigen Geschichten für den Lesetag wappnen, um die Lachmuskeln der Zuhörer auf ihr Durchhaltevermögen zu testen. Derzeit, ulkt das Team um Wilhelm Kurze, schlummere nur der ernste Stoff wie Lexika und Fachliteratur hinterm Buchdeckel.

Smartphone weg, Buch raus: Täglich 15 Minuten Vorlesen verbindet

Weil so mancher Ort für Leseratten auf der Landkarte der städtischen Webseite aber ein blinder Fleck bleibt, überlegen die Macher hinter der Lesestadt einen Preis fürs Anmelden auszuloben. Die Bürger hätten einen schnellen Überblick über die vielen beteiligten Vorleser und dieser locke womöglich mehr leidenschaftliche Leser an. Und wer trotz all der Vorzüge des Lesens am Freitag keine Zeit hat, sollte sich abends ans Bett seines Nachwuchses setzen. Deutsche Fachleute empfehlen Eltern nämlich täglich 15 Minuten vorzulesen – damit „Glucks-Momenten“ garantiert als Glücksmomente im Gedächtnis bleiben.

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