Anklage

Mordopfer aus Oberhausen sieben Tage lang zu Tode gequält

Nach dem Fund der Leiche betreten Spezialisten der Polizei das Mehrfamilienhaus an der Vikariestraße im Oberhausener Stadtteil Osterfeld.  

Nach dem Fund der Leiche betreten Spezialisten der Polizei das Mehrfamilienhaus an der Vikariestraße im Oberhausener Stadtteil Osterfeld.  

Foto: WTVnews / WTVnews (Archiv)

Oberhausen/Duisburg.  Eine Woche lang soll ein 33-Jähriger von einem Bekannten zu Tode gequält worden sein. Im Prozess wird die Mutter des Opfers Nebenklägerin sein.

Wenn Anfang September der Prozess vor der 5. Großen Strafkammer am Duisburger Landgericht beginnt, dann wird eine Mutter dem mutmaßlichen Mörder ihres Sohnes in die Augen sehen. Die Frau wird die Verhandlung als Nebenklägerin verfolgen. Es dürften schwere Tage für sie werden, denn das, was sich Ende des vergangenen Jahres in einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus an der Vikariestraße in Oberhausen-Osterfeld abgespielt haben soll, macht so fassungslos wie betroffen. Davon zeugt schon das Verletzungsbild.

Kaum vorstellbare sieben Tage lang soll Tobias V. von dem Angeklagten mit Schlägen und Tritten gegen Kopf und Oberkörper misshandelt und gequält worden sein. Am Ende hatte der Oberhausener Gesichtsverletzungen, einen Schädelbruch, einen doppelten Jochbeinbruch, einen Bruch des Ober- und des Unterkiefers. Wegen mehrerer Rippenbrüche fiel ihm schließlich auch das Atmen immer schwerer. „Wehr- und bewegungslos“, so die Anklage, starb Tobias V. schließlich an den Folgen seiner Verletzungen. Er wurde nur 33 Jahre alt. Als die Polizei ihn fand, hatte V. noch fünf Tage lang tot in seiner Wohnung gelegen.

Attacken aus nichtigem Anlass heraus

Verantwortlich dafür soll ein damals 34-jähriger Bekannter sein, den das Opfer Wochen zuvor bei sich aufgenommen hatte. „Das Motiv ist im Unklaren geblieben“, hatte der verantwortliche Staatsanwalt Garip Günes-Böhm während der noch laufenden Ermittlungen gesagt. Der Tatverdächtige habe lediglich gesagt, dass die Attacken aus nichtigem Anlass heraus entstanden seien. Das Oper solle außerdem Schulden aus Drogengeschäften bei ihm gehabt haben. Belege dafür fanden die Ermittler nicht. Die Tat selbst hatte der 34-Jährige schon in seinen ersten Vernehmungen bei der Polizei grundsätzlich eingeräumt.

Bei der Tat sieht die Staatsanwaltschaft das Mordmerkmal der Grausamkeit gegeben. Der Täter habe „gefühllos und unbarmherzig“ gehandelt, so die Anklage. Im Falle einer Verurteilung droht dem Angeklagten eine lebenslange Haftstrafe. Anzeichen für eine verminderte Schuldfähigkeit haben sich während des laufenden Ermittlungsverfahrens nicht ergeben. Ein psychiatrischer Sachverständiger wird den Prozess allerdings begleiten.

Der 34-Jährige war erst im Sommer des vergangenen Jahres aus dem Gefängnis entlassen worden. Es war schon seine zweite Haftstrafe wegen Körperverletzung. Festgenommen wurde er in Werdohl im Märkischen Kreis, nachdem er sich gegenüber einen anderen Bekannten verraten hatte, bei dem er nach der Tat untergekommen war. Seitdem sitzt der Oberhausener in Untersuchungshaft. Das Schwurgericht hat nach dem Auftakt am Dienstag zunächst drei weitere Verhandlungstage angesetzt.

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