Neues Musikprojekt

Musikschule Oberhausen sucht die Komponisten unter den DJs

Das große Studio-Mischpult der Oberhausener „Tresohr Studios“: Für die Musikschul-Komponisten genügt zum Start allerdings ein Tablet.

Das große Studio-Mischpult der Oberhausener „Tresohr Studios“: Für die Musikschul-Komponisten genügt zum Start allerdings ein Tablet.

Foto: Sven Thielmann

Oberhausen.  Entdecke den Mozart in dir – denn die Musikschule Oberhausen sucht neue Komponisten. Wieso Mut zur Improvisation die Melodie zu eigener Musik ist.

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Musikstudenten, Berufsmusiker, Musiklehrer: Sie alle sind am Donnerstag in der Musikschule in Oberhausen zusammengekommen, um im Lipperfeld eine neue Ära einzuläuten. „Musik kreativ“ heißt das Projekt, das 2020 starten soll und dabei gar keine neue Idee verfolgt. Schließlich gibt es bereits seit den 1990er Jahren zahlreiche DJs (Marusha, Westbam), die ihre Stücke am Computer erschaffen.

Wenn Musik aber per se als kreativ gilt und das Tonstudio auf dem Laptop längst etabliert ist, warum ist „Musik kreativ“ trotzdem neu? Musikschulleiter Volker Buchloh dirigiert charmant: „Musik hat mehr Parameter als am Computer verfügbar – unser Projekt ist die natürliche Weiterentwicklung.“

Digitale Komponisten reisen mit Tonstudio im Rucksack

Und weil das so ist, passt das digitale Tonstudio locker in den Rucksack. Auf einem Tablet-PC trommelt Philip Popien den Beat ein, zwei Klicks weiter spielt er schon Akustikgitarre. Es vergehen keine 20 Sekunden und der talentierte Musikstudent der Folkwang Uni Essen hat einen ersten „Loop“ (deutsch: musikalische Schleife) gebastelt. Viele Musiker arbeiten so, und große Karrieren starten heute oft bei Youtube im heimischen Wohnzimmer – auch Philip Popiens kurze Sequenz geht direkt in die Beine.

André Levermann, zweiter Dozent, nimmt spontan die Posaune und posaunt rund eine Minute dazu. Jazzige Töne entstehen. Der Musiker spielt, bis er nicht mehr weiter weiß. „Bach oder Beethoven haben improvisiert und damit ihre Werke geschaffen“, erklärt Levermann, als er fertig ist. Die Angst aus sich rauszukommen, mit Musik eine Aussage zu treffen, all das sehe er öfter bei seinen Schülern – und hier soll das Projekt ansetzen. „Komposition ist wie Sprache und Grammatik: Man kann sie lernen.“

2020 dürfen deshalb fünf bis zehn Schüler in drei Modulen an den Wochenenden ihre persönliche Hemmschwelle überschreiten. Bezahlt wird das mit Spenden – wenn das Projekt erfolgreich ist, wird es das Angebot der Musikschule ergänzen. Volker Buchloh will den Werkstattcharakter anstimmen: „Wie entsteht ein Song? Wie lässt sich die digitale Welt mit den normalen Instrumenten verknüpfen?“ Wem das alles zu theoretisch erscheint: das Gegenteil ist der Fall.

Neue Songs mit neuer Software und klassischen Instrumenten

Notenlesen muss keiner der Teilnehmer, auch kein Instrument beherrschen. Die DAW (digitale Audio-Werkstatt) auf den Tablets bedienen, ist ebenso keine Voraussetzung. Bei Musik kreativ ist alles frei, keine Grenzen, nur ein Ziel: „Natürlich freuen wir uns, wenn später fertige Songs entstehen“, sagt Volker Buchloh. Toningenieur, Gitarrist, Klavierspieler, Schlagzeuger und, und, und: Wer bei Musik kreativ mitmachen darf, lernt, was es heißt, ein Lied zu komponieren und zu produzieren.

Musiker an Instrumenten sind durch das Projekt übrigens nicht überflüssig – und sollen es auch nicht werden. „Wann immer es möglich und sinnvoll ist, können die echten Instrumente und Mikrofone in jedem Raum angeschlossen werden“, betont Volker Buchloh und zeigt den Anwesenden im Proberaum die Steckdosen für Audiokabel – alles verbunden mit dem hauseigenen Tonstudio. Am Tablet-PC wird also niemand vereinsamen.

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