Verkehr

Nach dem Dieselgipfel: Stadt will Verkehr besser lenken

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Der Anblick ist keine Seltenheit: Stau auf der Mülheimer Straße in Oberhausen.

Der Anblick ist keine Seltenheit: Stau auf der Mülheimer Straße in Oberhausen.

Foto: Kerstin Bögeholz

Oberhausen.  Digitale Vernetzung und ein moderner Verkehrsrechner sollen dabei helfen. Taxiunternehmen sollen auf Elektro-Autos umstellen. Bund gibt Gelder.

Oberhausener Taxiunternehmen sollen ihre Fahrzeugflotte möglichst schnell auf E-Autos umstellen, die Stoag soll Elektrobusse anschaffen und der Durchgangsverkehr auf der Mülheimer Straße soll reduziert werden: Durch die gestern angekündigte finanzielle Soforthilfe der Bundesregierung in Höhe von einer Milliarde Euro (für 90 Kommunen) kann die Stadt Oberhausen unverzüglich mit der Arbeit beginnen, die Umweltbelastung in der Stadt zu verringern. Im Fokus steht dabei vor allem die Reduzierung der Stickoxid-Belastung, um ein Dieselfahrverbot in Oberhausen zu vermeiden und um die Gesundheit der Bürger und vor allem der Anwohner an der Mülheimer Straße zu schützen.

Das Geld aus Berlin will die Stadt Oberhausen hauptsächlich für die Digitalisierung des Verkehrs, die Verbesserung des Bus- und Bahnverkehrs, die Förderung des Radverkehrs, den Umstieg auf E-Mobilität und für den Ausbau einer urbanen Logistik verwenden. Auch wenn noch unklar ist, wie viel Geld nach Oberhausen fließen wird, kann die Stadt mit der Umsetzung und mit der Arbeit an einem Masterplan zur emissionsfreien Mobilität beginnen.

40 000 Fahrzeuge auf der Mülheimer Straße

Von der einen Milliarde stellt der Bund 100 Millionen Euro für alle Kommunen für die Digitalisierung des Verkehrs ein. Dazu gehört die Verkehrsdatenerhebung und der Ausbau eines Parkleit- und Fahrgastinformationssystems.

Für Oberhausen konkret heißt das: Der gerade modernisierte Verkehrsrechner soll zukünftig eine Echtzeitberechnung des Verkehrs ermöglichen und Autos, Busse, Radfahrer und Fußgänger intelligent lenken. Außerdem gibt es auf der Mülheimer Straße, der wichtigsten Nord-Süd-Verbindung, zu viel Durchgangsverkehr, also Lkw- und Autofahrer, die nicht stoppen, sondern nur durchfahren. In Richtung Norden beträgt das Aufkommen nach Angaben der Stadtverwaltung 22 Prozent, in Richtung Süden neun Prozent. Schilder auf der Autobahn könnten darauf hinweisen, die Mülheimer Straße zu meiden. Hier muss die Stadt sich mit „Straßen NRW“ absprechen. Täglich passieren rund 40 000 Fahrzeuge die Mülheimer Straße.

400 Millionen Euro für Masterpläne

Zudem befindet sich die Stadt in Verhandlungen über ein digitales Parksystem, mit dem Nutzer bei Bedarf freie Parkplätze in der Stadt sichten und sichern könnten. Weitere 400 Millionen Euro schüttet der Bund für die Erstellung von Masterplänen aus. Hierfür hat sich Oberhausen bereits beworben.

In einem zweijährigen Pilotversuch wird am Technischen Rathaus die Einführung eines zentralen E-Fahrzeugpools getestet. 24 Fahrzeuge, ÖPNV-Monatstickets und Dienstfahrräder stehen dann für die Verwaltungsmitarbeiter bereit. Nach und nach soll auch di Stoag auf E-Busse umsteigen. Derzeit aber gebe es Probleme, die Aufträge zu bearbeiten, erklärt Daniel Schranz. Die Kosten für einen E-Bus belaufen sich auf rund 600 000 Euro und mehr. Auch die 103 in Oberhausen zugelassenen Taxen sollen auf Elektromotoren umgestellt werden. Dafür soll es finanzielle Anreize für Taxiunternehmen geben. Die Stadt will den Prozess eng begleiten und beizeiten zum Oberhausener Taxi-Gipfel einladen.

Im Bereich der „urbanen Logistik“ soll mithilfe einer Machbarkeitsstudie untersucht werden, auf welche umweltschonende Weise zum Beispiel Waren zum jeweiligen Adressaten gelangen können.

>>> Der Weg zur Diskussion um das Dieselfahrverbot

Im Juni 2015 hat die EU-Kommission wegen der Überschreitung der Stickstoffdioxid-Belastung (NO2) ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik eingeleitet. Oberhausen bildet mit Duisburg und Mülheim eines des 28 Gebiete, die das Verfahren betrifft. Für Oberhausen ist bislang kein Gerichtsverfahren der Deutschen Umwelthilfe anhängig, in dem Dieselfahrverbote diskutiert werden. Stattdessen ist gegen Oberhausen ein formales Verfahren zur Sicherstellung der Grenzwert-Einhaltung eingeleitet worden. Die Stadt musste der Bezirksregierung Vorschläge zur Verbesserung der Luftqualität machen.

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