Umwelt

Oberhausen schlampt offenbar bei der Abfalltrennung

Ganz schön viel Verpackungsmüll wird in Haushalten und Schulen verbraucht – wer die Abfallsorten trennt, der kann wertvolle Rohstoffe retten. Foto:

Ganz schön viel Verpackungsmüll wird in Haushalten und Schulen verbraucht – wer die Abfallsorten trennt, der kann wertvolle Rohstoffe retten. Foto:

Foto: André Hirtz / Funke Foto Services

Oberhausen.  40 Jahre nach Einführung der Mülltrennung scheint die korrekte Entsorgung von Abfall in der Oberhausener Stadtverwaltung nicht die Regel zu sein.

Normalerweise verbindet der gemeine Bürger mit dem ordentlichen Beamten und städtischen Angestellten, erst recht mit studierten Lehrern und Schulleitern vor allem eins: Sie halten sich akkurat an einmal getroffene Regeln und legen penibel Büroklammer an Büroklammer.

Doch was einzelne engagierte Ratspolitiker beim Blick in die Müllkübel der Oberhausener Amtsmänner und Klassenzimmer entdeckten, ließ ihnen keine Ruhe: Apfelkippen liegen neben Zeitungspapier, Getränkedosen neben Bleistiftstummeln – und dies 40 Jahre nach der bundesweiten Einführung der heute so etablierten Trennung verschiedener Müllarten: Bio, Glas, Papier, Verpackungen, Reste.

Wird sortierter Abfall einfach zusammengeworfen?

„Man mag sich wundern, womit sich Fraktionen heutzutage beschäftigen müssen, doch Mülltrennung findet in den Schulen nur in geringem Maße statt und ist in der Stadtverwaltung keine Selbstverständlichkeit“, konstatiert Grünen-Ratsherr Norbert Axt in der Ratssitzung am Montag. Schüler hätten sogar berichtet, dass einzelne Klassen im Geiste der Klima- und Umweltschützer von „Fridays for Future“ sorgsam ihren Abfall sortieren – doch danach würde von den Müllentsorgern alles zusammen in einen Behälter geworfen. Auch dem FDP-Gruppenchef Hans Otto Runkler, in Verwaltungsthemen hoch erfahren, ist aufgefallen, dass „in den städtischen Büros nicht getrennt“ wird.

Sodom und Gomorrha – zumindest in Müllfragen

Herrscht also in der öffentlichen Oberhausener Verwaltung und angrenzenden Organisationen Sodom und Gomorrha – zumindest in Müllfragen? Eine Nachfrage bei der für Schulen zuständigen Stadttochter Oberhausener Gebäudemanagement (OGM) ergibt zumindest: Ganz so schlimm, wie es die Politiker darstellen ist die Abfall-Lage im Stadtgebiet nicht. „Es werden Reinigungswagen mit zwei getrennten Behältern für Verpackungen und Restmüll eingesetzt“, sagt OGM-Sprecher Alexander Höfer. Er versichert: „Wenn der Müll in Büros und Schulen getrennt wird, dann wird das nicht zusammengeworfen. Aber die Müllarbeiter sortieren den Abfalleimer auch nicht selbst auseinander.“

Rat sieht dringenden Handlungsbedarf

Gleichwohl sieht der Rat einstimmig dringenden Handlungsbedarf. Einer schlägt in seinem Beitrag sogar vor, einmal kurz von Büro zu Büro im Rathaus zu gehen – da könne man sofort sehen, dass die Mülltrennung nicht klappt. Dennoch will die SPD erst einmal objektiv die Müllsituation im Rathaus und den Büros analysieren lassen, bevor man neue Regelungen erlässt. „Das ist ein komplexes Thema, bei dem vieles schon geregelt ist. Wir müssen doch herausfinden, warum eine Sortierung nicht konsequent umgesetzt wird“, meint SPD-Ratsherr Manfred Flore. Sein Fraktionschef Wolfgang Große Brömer stößt ins gleiche Horn: „Warum wird in der Praxis Müll nicht getrennt?“

Fehlen vielleicht geeignete Mülleimer?

Die Grünen vermuten, dass geeignete Mülleimer mit zwei Behältern in den Schulen fehlen und Dienstanweisungen von Vorgesetzten nicht klar genug formuliert worden sind. Nun soll geprüft werden, ob man vor Ort Mülleimer mit ausreichend getrennten Bereichen hat, ob der Reinigungsservice überhaupt die Möglichkeit hat, den Abfall in den Büros getrennt einzusammeln und ob Stadtbedienstete Glascontainer in der Nähe haben.

Nach Wunsch der Grünen sollen künftig bei Gremiensitzungen und Veranstaltungen in den Oberhausener Rathäusern, Dienstgebäude, Schulen und anderen städtischen Gebäuden ausschließlich Mehrweggeschirr und Mehrwegflaschen verwendet werden. Sie sollen vorzugsweise in der Region abgefüllt worden sein.

Einstimmig meinte der Rat aber auch bei diesem Punkt, dass erst einmal geprüft werden soll, ob diese Maßnahme umsetzbar ist und welche Kosten dabei entstehen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben