Kunsthandwerk

Großes Pilgern am Maifeiertag zur Niebuhrg

Hüte in hübschen Variationen wurden an diesem Stand im ehemaligen Zechengebäude angeboten. Genauso bedeutsam wie die große Auswahl an Arbeiten war das Gespräch zwischen den Teilnehmern.

Hüte in hübschen Variationen wurden an diesem Stand im ehemaligen Zechengebäude angeboten. Genauso bedeutsam wie die große Auswahl an Arbeiten war das Gespräch zwischen den Teilnehmern.

Foto: Kerstin Bögeholz

oberhausen.   Der Frühjahrs-Kunsthandwerkermarkt zog am 1. Mai wieder viele Besucher auf das ehemalige Zechengelände in Lirich.

Ob im Advent oder im Frühjahr – wenn die Niebuhrg zum Kunst­handwerkermarkt einlädt, ist der Andrang stets groß. So auch am Maifeiertag, an dem schon die Zufahrt über die Niebuhrstraße zum Geduldsspiel wurde. Störche und andere langbeinige Vögel, bunt lackiert, empfingen die Besucher auf der Wiese vor den ehemaligen Zechengebäuden. Dort war gleich eine zweireihige Budengasse aufgebaut.

An einem Verkaufsstand mit Holzarbeiten waren es weniger die hölzernen Herzen mit den Muttertagsbotschaften, die Blicke der Besucher anzogen, als vielmehr drei gepflegte Kaninchen in ihrem Gehege auf dem Rasen. Ob Textilien oder Honig, Schmuck oder Liköre, Geschenkverpackungen in Form kleiner Tortenstückchen oder grobe Holzarbeiten wie Küchenbrettchen und Kochlöffel: fast unüberschaubar war das Angebot.

„Das ist im Prinzip aus dem Leben gegriffen“

Die meisten Standbetreiber verkauften zum eigenen Vorteil. Nicht so Monika Felder-Seifert. Der Netto-Erlös ihrer Kunstarbeiten kommt den Steyler Missionaren in Kenia zugute. „Das ist im Prinzip aus dem Leben gegriffen, was sie macht“, sagte ihr Ehemann Eberhard. Zigarrenkisten sind die Basis ihrer Arbeiten. Darin baut sie etwas auf. Zum Beispiel ein Modell des Fiat 500, eines der kleinsten Autos, die je gebaut wurden, neben einem unmaßstäblich großen Sonnenhut, einem Koffer und einer Gitarre sowie dem Spruch „Keine Sor­ge, Schatz. Das passt alles ins Auto.“ Den Pater, der das Geld für sein Haus für behinderte Kinder im fernen Afrika verwendet, lernte sie in ihrer Kirchengemeinde kennen.

Auf dem Hof vor der alten Lohnhalle standen, wie üblich, Imbisswagen, wurde in der Mitte Stockbrot gebraten. Anne und Jörg aus Lirich, die ihren Nachnamen nicht nennen wollten, standen hier an einem Stehtisch bei Bier und Sprudelwasser. „Wir sind auf der Durchfahrt zur Mühlenweide in Ruhrort, wo heute der Biergarten eröffnet wird“, berichten sie. Dem Kunsthandwerkermarkt statten sie jedes Jahr ihren Besuch ab. „Man sollte es unterstützen, wenn diese Indus­triekultur weiter gepflegt wird“, sagen sie.

„Boeing, Boeing“-Musik aus dem Theatersaal

Aus dem Theatersaal im Obergeschoss drang Musik. Ein sechsköpfiges Ensemble sang vor vollem Haus Ausschnitte aus dem Musical „Boeing, Boeing“, das diesen Monat hier gespielt wird. Nach der 30-minütigen Show mischten sich die Zuhörer unter die übrigen Besucher. So ging es im Gebäude dicht gedrängt zu.

„Das ist mundgeblasen“ sagte die Betreiberin an einem Stand zu einem tropfenförmigen Glaskörper, den eine Frau hoch hielt. Der Schriftzug darauf lautet: „Lächle und die Welt verändert sich“.

Im Raum nebenan durfte an ei­nem großen Tisch selbst gemalt wer­den. „Ich mache hier seit zehn Jahren Malkurse“, berichtete die Künstlerin Binnur aus Essen. Wegen Gleichheit mit einem autoritären Herrscher verriet sie ihren Nach­namen nur vertraulich.

Im Gang davor probierte eine Frau einen rosafarbenen Pulli an. „Toll, wirklich schön, Margot. Steht Dir gut“, lobte eine andere Frau sie. In der „Frühlings-Lounge“ nebenan, einem hohen Raum mit Mauer-Durchbruch, der wie eine Mischung aus Bahnhofsgaststätte und guter Stube eingerichtet war, trat ein Mann ans Mikrofon und las aus einer Fantasy-Geschichte über Fabelwesen auf großer Seefahrt vor. Die Mehrzahl der Besucher zog es aber vor, ausgiebig die Stände in der Niebuhrg selbst zu erkunden.

>>>>> „Boeing, Boeing“ wird im Mai sechs Mal gespielt

„Boeing, Boeing“, das Musical aus den Swinging Sixties, inszeniert von Holger Hagemeyer, erzählt von einem Frauenhelden, der seine Wohnung abwechselnd mit mehreren Stewardessen teilt – und bruchlandet, als deren Flugpläne durcheinander geraten. Das Niebuhrg-Singspiel wird im Mai sechs Mal gespielt.

„Take off“ für „Boeing, Boeing“ ist am Freitag, 3. Mai, und Samstag, 4. Mai, jeweils um 20 Uhr, sowie Sonntag, 5. Mai, um 16 Uhr, ferner Freitag, 10. Mai, und Samstag, 11. Mai, jeweils um 20 Uhr, sowie Sonntag, 12. Mai, um 16 Uhr. Karten zu 24 Euro gibt’s unter 0208- 86 00 72 oder online niebuhrg.de

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