Straßenbau

Viel Aufwand für eine Mini-Sackgasse in Oberhausen-Styrum

Kaum 100 Meter lang ist die Sackgasse am südlichen Ende der Römerstraße in Styrum. Trotzdem hat die Stadt sie vekehrsberuhigt ausgebaut.

Kaum 100 Meter lang ist die Sackgasse am südlichen Ende der Römerstraße in Styrum. Trotzdem hat die Stadt sie vekehrsberuhigt ausgebaut.

Foto: Tamara Ramos

OBERHAUSEN.   Sie ist kaum 100 Meter lang, die Sackgasse der Römerstraße. Weil sie verkehrsberuhigt ausgebaut wurde, tragen die Anlieger 65 Prozent der Kosten.

Keine 100 Meter lang ist die Sackgasse am Ende der Römerstraße. Dann geht sie auf Mülheimer Gebiet in einen Geh- und Radweg über. Diese Sackgasse mitsamt Einmündung in die Gotenstraße hat die Stadt vor einigen Jahren nach der Kanalerneuerung als Spielstraße neu aufgebaut, also mit gemeinsamer Verkehrsfläche für Fußgänger, Rad- und Autofahrer. Kurt-Dieter Jünger, dem Eigentümer des Eckgrundstücks Römerstraße 1, flatterte dafür 2017 ein Bescheid über Straßenbaubeiträge in Höhe von 7800 Euro ins Haus. Dabei erkennt er darin kaum Vorteile für sein Grundstück. Seinen Widerspruch aber hat die Stadt jetzt abgelehnt. Jünger bleibt nur noch der Weg vor das Verwaltungsgericht.

Das Eckhaus ist sein Elternhaus, Baujahr 1946/47. Die Wohnungen darin hat er vermietet. Er wird lange brauchen, bis die 7800 Euro durch Mieteinnahmen amortisiert sind. Der 64-Jährige sieht hier ein Fehlverhältnis von Kosten und Nutzen für sich. „Eine Unverschämtheit, den Eigentümern solche Kosten aufzubürden“, sagt er. Schließlich verdiene man dort durch Vermietung nicht so viel.

Während anderenorts solche Spielstraßen angelegt werden, um die Autofahrer zum Langsamfahren anzuhalten, könne auf den 100 Metern von Raserei keine Rede sein, berichtet Jünger. Und von spielenden Kindern auch kaum. Sie seien schon bei dem früheren Ausbau mit separatem Gehweg nicht gefährdet gewesen. Dafür stehen dort jetzt nur noch abgezählte Pkw-Stellplätze zur Verfügung und die Au­tos parken direkt an der Grundstücksgrenze. Dadurch gehe im angrenzenden Garten die Intimität verloren. Und schneiden könne man die Hecke bei parkenden Autos auch nicht.

Aber von solchen Argumenten will die Stadt nichts wissen. Monatelang hat Sascha May, der Rechtsanwalt von Kurt-Dieter Jünger, auf eine ausführliche Begründung für diesen aufwendigen Ausbau gewartet. Er hält ihn für unverhältnismäßig. Ganze drei Häuser liegen an der Sackgasse. Erst mit der Ablehnung des Widerspruchs bekam er die Gründe genannt - gleich auf sieben Seiten.

Straße wurde 1938 angelegt

Darin betont die Stadt, die alte Fahrbahn sei seit ihrem Bau im Jahr 1938 immer wieder geflickt worden. Nur Hochbordparken sei dort möglich gewesen. Jetzt seien ihre Häuser viel besser und sicherer erreichbar als vorher. Niederschlagswasser könne rascher abgeleitet werden. Beim Kanal habe Einsturzgefahr bestanden. Der Ausbau als Spielstraße sei rechtlich nicht zu beanstanden, das Motiv dafür rechtlich unerheblich. Die Straße habe jetzt nicht mehr nur eine Verkehrs-, sondern auch eine Aufenthaltsfunktion. Auch Kurt-Dieter Jünger werde damit auf Jahrzehnte eine intakte Erschließungsstraße zur Verfügung gestellt. Die Sackgasse sei mit ihrem geringen Durchgangsverkehr und vielen Fußgängern als Spielstraße geradezu vorherbestimmt. Außerdem sei die Stadt gesetzlich verpflichtet, mögliche Beitragsansprüche voll auszuschöpfen.

Rechtsanwalt Sascha May hatte dagegen argumentiert, der Ausbau sei mit keiner Verbesserung für seinen Mandanten verbunden. Eine Wiederherstellung im alten Stil hätte ihren Zweck ebenso erfüllt. Nur hätten die Kosten dafür ohne neue Fahrbahndecke vollständig aus Steuermitteln bezahlt werden müssen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben