Klinikum-Insolvenzverfahren

Oberhausener Pfarrer verteidigen Aus für St.-Josef-Hospital

Wichtige Vertreter der katholischen Kirche in Oberhausen im Oktober 2018:  (von links) Vinzent Graw (Herz Jesu), Peter Fabritz (St. Clemens), Thomas Eisenmenger (St. Marien), Thomas Gäng (Katholikenratsvorsitzender) und Christoph Wichmann (St. Pankratius).

Wichtige Vertreter der katholischen Kirche in Oberhausen im Oktober 2018: (von links) Vinzent Graw (Herz Jesu), Peter Fabritz (St. Clemens), Thomas Eisenmenger (St. Marien), Thomas Gäng (Katholikenratsvorsitzender) und Christoph Wichmann (St. Pankratius).

Foto: Kerstin Bögeholz / Funke Foto Services GmbH

Oberhausen.  Erstmals haben sich die Pfarrer der Oberhausener Kirchengemeinden zu Wort gemeldet, die am insolventen Klinikum Oberhausen KKO beteiligt sind.

Der Beschluss über das Aus des über 100 Jahre alten Alt-Oberhausener Krankenhauses St. Josef haben hohe Oberhausener Vertreter der katholischen Kirche mit Bedauern zur Kenntnis genommen, aber zugleich auch diese einschneidende Maßnahme verteidigt.

„Alle Versuche in den vergangenen Jahren, das Haus noch zu retten, konnten das Ende nicht aufhalten. Das ist eine Entscheidung, die weh tut und schmerzlich ist“, meint Pfarrer Thomas Eisenmenger, in dessen Pfarrei St. Marien das St.-Josef-Hospital an der Mülheimer Straße liegt. Von den drei Krankenhäusern des Katholischen Klinikums Oberhausen (KKO) sei St. Josef allerdings das Haus mit der schlechtesten Bausubstanz.

Machtvoller Gläubigerausschuss

Im seit Anfang Juli laufenden Insolvenzverfahren der KKO-Gruppe hatte der machtvolle Gläubigerausschuss kürzlich den Vorschlag von Gesundheitsökonomen abgesegnet, die medizinischen Leistungen auf zwei Standorte zusammenzuführen: Das St. Marienhospital erhält als Geriatriezentrum die Psychiatrie, das Voll-Krankenhaus St. Clemens die Neurologie von St. Josef. Zudem sollen 240 KKO-Beschäftigte auch durch Kündigungen ihren Arbeitsplatz verlieren. An der KKO-Gruppe sind die drei Gemeinden St. Marien, St. Pankratius und St. Clemens sowie das Bistum Essen beteiligt.

„Alles herumlavieren, bewahren und sich nicht richtig festlegen wollen, hilft dem KKO nicht mehr weiter. So ist es bei allem Schmerz und aller Traurigkeit dennoch gut, dass eine klare Entscheidung getroffen wurde“, tröstet sich Pfarrer Eisenmenger.

Die obersten Vertreter der beteiligten Pfarrgemeinden hatten sich kürzlich getroffen, um eine Stellungnahme zu veröffentlichen: Neben Eisenmenger äußern sich St.-Pankratius-Probst Christoph Wichmann sowie St.-Clemens-Probst und Stadtdechant Peter Fabritz erstmals öffentlich zu der KKO-Krise. Dies ist dringend notwendig, da alle wichtigen Oberhausener Kirchenvertreter derzeit von Bürger auf das stadthistorisch einzigartige Ende eines wichtigen Krankenhauses angesprochen werden.

„Unsere

und dem Erhalt der Arbeitsplätze“, betont Fabritz. Man verstehe die Sorgen der Menschen sehr gut. Doch aus der Stellungnahme der drei Pfarrer geht auch hervor, wie sehr den Gemeinden die Hände gebunden sind – und wie die Zeit über einzelne von Gemeinden betriebene Krankenhäuser hinweggegangen ist.

Krankenhausführung ist so komplex geworden

Sie weisen auf die historische Entwicklung der Krankenpflege hin, die mangels anständiger Gesundheitsversorgung früher selbstverständlich zur Gemeindearbeit gehörte. „Aber

, dass diese nichts mehr mit der Krankenpflege vor hundert Jahren zu tun hat.“ Das sei ein Grund, warum sich Gemeinden auf die Fachleute verlassen müssten – und keinen Einfluss auf wirtschaftliche Entscheidungen ausüben.

Fabritz betonte, wie identitätsstiftend die Klinik-Trägerschaft der Gemeinden für die Oberhausener war. „Als Kirchengemeinde konnten wir uns die Trägerschaft aber nur deshalb leisten, weil wir keine Gewinne entnommen haben und im Umkehrschluss auch keine Verluste mittragen können.“ Ohne Insolvenzverfahren und Struktureinschnitte würde das KKO nach Darstellung der jetzigen Geschäftsführung von Christian Eckert tatsächlich acht Millionen Euro Verlust einfahren – allein in diesem Jahr.

Suche nach einem finanzkräftigen Partner

Sogar bei der Suche nach einem finanzkräftigen Partner ist die Macht der Anteilseigner der KKO-Gruppe durch die Insolvenz stark begrenzt. Denn erst müssen die Gläubiger mit ihren Rechnungen befriedigt werden – ein Verkauf der gesamten oder Teilen der KKO-Gruppe würde das Geld dafür einbringen. So können sich die Gemeinden jetzt noch nicht einmal mehr einen Partner fürs KKO aussuchen. „Es ist uns natürlich ein großes Anliegen, dass das KKO wieder in katholische Trägerschaft gelangt“, wünscht sich Fabritz. Doch darauf habe man nur bedingt Einfluss.

Der Osterfelder St.-Pankratius-Propst Christoph Wichmann, dessen St.-Marienhospital noch gerettet werden konnte, sieht einen tiefen Einschnitt in die Historie Oberhausen – und will den Bürgern dennoch Mut machen: „Es stimmt: Gerade geht ein Stück Gemeindegeschichte zu Ende. Wir sollten nun darauf vertrauen, dass neue Entwicklungen zunächst schmerzhaft sind, aber nicht unbedingt immer schlechter.“

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