Vorlesen für Kleinkinder

Oberhausens kleine Stöpsel sollen mehr Geschichten hören

Stellten das neue Angebot der Bücherei vor (v.li.): Kulturdezernent Apostolos Tsalastras begrüßt „Stöpsel“ und Dirk Trachternach – beobachtet von Bibliotheksleiterin Diana Bengel.

Stellten das neue Angebot der Bücherei vor (v.li.): Kulturdezernent Apostolos Tsalastras begrüßt „Stöpsel“ und Dirk Trachternach – beobachtet von Bibliotheksleiterin Diana Bengel.

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE FotoServices

38.000 Euro für Stöpsel: Die Stadtbücherei Oberhausen steckt Fördergelder in die Leser von morgen. Warum Eltern und Erzieher gut vorlesen sollten.

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Vorlesen kann man so gut wie alles: Straßenschilder, Autokennzeichen oder witzige Werbetafeln. Und wenn Kinder alt genug sind, um die Welt auf Knien oder dem Hosenboden selbst zu entdecken, sollten sie laut einer jährlichen Studie der Deutschen Bahn Stiftung und der Wochenzeitung „Die Zeit“ so oft wie möglich vorgelesen bekommen. Deshalb investiert die Stadtbibliothek in Oberhausen 38.000 Euro aus NRW-Fördermitteln in ein Projekt namens „Stöpsel“: Das richtet sich gewiss namentlich an die Stöpsel der Stadt, soll aber ebenfalls Ältere ansprechen.

Zaghaft geht der kleine Henry (2) auf die blaue Puppe zu. Die silbernen Perlen baumeln „Stöpsel“ vom Kopf. „Wer bist du?“, fragt der schüchterne Junge aus der Kita Löwenzahn. Dirk Trachternach, Vater der Figur „Stöpsel“, rückt die fellbesetzte Puppe auf seinem Knie zurecht. „Ich bin der Stöpsel“. Henry lacht und berührt für eine Sekunde Stöpsels Hand. Der hat zwar nur drei Finger und einen Daumen, doch keines der Kleinkinder hat Angst. Sie sind neugierig. So wie ihre Erzieher in der Bibliothek, die bald selber Stöpsel spielen.

Bibliothek kauft für Oberhausens Stöpsel neue Bücher, Spielzeug und Möbel

„Das Puppenspielen ist eine Kunst, deshalb wird es 2020 Workshops für interessierte Eltern und Erzieher geben“, informiert Dirk Trachternach. Der Zauberkünstler und Puppenbauer wird alle Interessierten schulen – schließlich ist Stöpsel die Hauptfigur des gleichnamigen Projekts. Zeitgleich mit der handgemachten Puppe kauften die Bibliothekare vor allem kleine Regale, Sitzsäcke, Spielzeug und natürlich reichlich neue Bücher für Kinder von null bis drei Jahren ein. Denn Vorlesen funktioniert auf vielen Wegen.

Mit den „Geschichtensäckchen“ in der Bibliothek ahmen die Stöpsel zum Beispiel die „drei kleinen Schweinchen“ nach. Das ist ganz einfach: Sie greifen beherzt nach den Mini-Strohballen, Mini-Hölzern und Mini-Ziegelsteinen und können so nachspielen, wie der Wolf Haus für Haus hustet und prustet – und am Ende beim schlausten Schweinchen scheitert.

Die Idee der Geschichtensäckchen stammt aus schwedischen Kinderkrippen

Die Säckchen werden bereits jetzt regelmäßig von Kindern und Erziehern aus Kindertagesstätten genutzt. Doch die Hoffnung ist groß, „dass noch viel mehr Kitas mit dem neuen Angebot dazukommen“, erklärt Pressesprecherin Sabine Schulze. Die Erlebniswelt der Bücher und das Vorlesen und Erzählen solle den Kindern später die Schulzeit erleichtern. Was offenbar dringend nötig ist.

5451 deutsche Mädchen und Jungen schafften es bei der neuesten Pisa-Studie lediglich ins Mittelfeld – die Lücke zwischen exzellenten Lesern und schlechten klafft wie Arm und Reich im Land immer weiter auseinander. „Besorgniserregend“ nennen diese Entwicklung viele Bildungsexperten, denn wer zäh liest, versteht Zusammenhänge nur schwer. Durch das Stöpsel-Projekt und die neuen Medien, die bebildert beim Alltag der Kinder bleiben, sollen wenigstens aus Oberhausens Stöpseln später aufgeweckte Leser werden. Dafür aber müssen die Erwachsene von heute ihren Teil auf jeden Fall leisten.

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